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Die Erstausgabe der SPZ aus dem Jahr 1727 (foto: ld/rufo)
Die Erstausgabe der SPZ aus dem Jahr 1727 (foto: ld/rufo)
Montag, 01.08.2005

Vom gelehrigen Sprachrohr zum Russland-Medium

St. Petersburg. Die deutschsprachige „St. Petersburgische Zeitung“ war die erste Zeitung, die an der Newa erschien. Ein Blick in die Vergangenheit offenbart manche Parallele mit der Gegenwart des kleinen Blattes.

Am 3. Januar 1727 erschien die erste Ausgabe der „St. Peterburgischen Zeitung“. Sie stellte ein wöchentliches Mitteilungsblatt der zwei Jahre zuvor in St. Petersburg gegründeten Akademie der Wissenschaften dar. Zar Peter I., der die Eröffnung der Akademie selbst nicht mehr erlebte, soll den Professoren die Weisung erteilt haben, ein fremdsprachiges Blatt herauszugeben, um Russland in der europäischen gelehrten Welt bekannt zu machen. Die Nachrichten wurden deshalb in der Muttersprache der Mehrheit der Akademiemitglieder gedruckt: auf deutsch. Alsbald wurde die Zeitung auch ins Russische übersetzt und erschien unter dem Namen „Peterburgskije Wedomosti“ jeweils einen Tag später. Nach den seit 1703 in Moskau herausgegebenen „Wedomosti“ ist die St. Petersburgische Zeitung damit die zweitälteste Zeitung Russlands.

Als internationales Aushängeschild der Akademie war es nicht nur Aufgabe der ab 1728 zweimal die Woche, ab 1830 sechsmal die Woche erscheinenden Zeitung über akademie-interne Dinge zu berichten, sondern die wichtigsten Meldungen aus dem europäischen Raum für die Leser in Russland aufzubereiten. Als Quelle dienten verschiedene europäische Zeitungen, deren Berichte zu Beginn lediglich nachgedruckt wurden.

Zeitung machen – ein einsamer Job

Die Redaktion einer Zeitung war zu dieser Zeit noch ein Ein-Mann-Betrieb, bei dem der Redakteur hauptsächlich aus anderen gedruckten Nachrichten auswählte, auf Zeitungsformat kürzte und hin und wieder Kommentare oder Erläuterungen hinzuschrieb. Die Stelle des Chefredakteurs der St. Petersburgischen Zeitung war dabei über lange Zeit von Akademikern und nicht von Journalisten besetzt. Gleichzeitig konnte das Amt wohl als Stufe auf der akademischen Karriereleiter betrachtet werden, da oft junge Akademiemitglieder - und diese auch nur für kurze Zeit - diesen Posten besetzten. Darunter litt die Qualität des Blattes, das in seinen ersten 150 Jahren kaum über die gelehrte Leserschaft hinaus wuchs.

Der Umfang von Nachrichten aus dem russischen Raum war zu Beginn vernachlässigbar gering. Dies war sicherlich auch auf den Umstand zurück zu führen ist, dass den Posten des Chefredakteurs junge Russland-Neulinge bekleideten, die nicht über die nötigen Kontakte für eine gute Berichterstattung verfügten. Mit der Zeit wurde der Russlandteil zwar größer, doch handelte es sich hierbei um Hofnachrichten aus der Hauptstadt. Die Zeitung sah sich wohl eher in der Verantwortung, den Kontakt der Ausländer zu ihrer Heimat zu erhalten.

Obwohl die St. Petersburgische Zeitung größtenteils Auslandsnachrichten anderer Blätter abdruckte, gab es eine Art Selbstzensur, der sich die Redakteure unterwarfen. Die Zeitung war bis 1915 durchgehend in Staatsbesitz, so dass die Meldungen aus Europa gefiltert in St. Petersburg verbreitet wurden.

Russland- statt Auslandsberichterstattung

Im Kontrast zum mäßigen journalistischen Niveau stand die Druckqualität der Zeitung. Diese war aufgrund der geringen Auflage des vierseitigen Blatts von 500 Stück äußerst hoch. Die Auflagenzahl vergrößerte sich erst mit den ersten länger im Amt bleibenden Redakteuren, die im Blatt nicht nur über einen längeren Zeitraum für einheitliche Strukturen im Blatt sorgten, sondern auch über bessere innerrussische Kontakte verfügten, womit die Inlandsberichterstattung mehr Raum gewann.

Mit dem Chefredakteur Clemens Friedrich Meyer - dessen erster Schritt es war, die Zeitung in „Petersburger Zeitung“ umzubenennen - kam es zu einem ersten Aufschwung. Von anfänglichen 452 Abonnenten hatte sich das Blatt gegen Ende seiner Amtszeit 1874 auf 6000 Leser steigern können. Dieser Anstieg ist größtenteils darauf zurück zu führen, dass Meyer sich neben der Auslandsberichterstattung auch auf Russland konzentrierte und damit eine deutsche Zeitung mit russischen Neuigkeiten für die Ausländer in Russland schuf.

Umbenannt und dann für 75 Jahre verboten

Unter Paul von Kügelgen, der das Konzept seines Vorgängers Meyer fast 30 Jahre weiterführte, erreichte das Blatt sogar eine Auflage von 9000 Stück. Nach seinem Tod übernahmen seine Söhne die Redaktion. Nach Kriegsausbruch 1914 wurde die Gazette entsprechend der Namensänderung der Hauptstadt in „Petrograder Zeitung“ umbenannt - bevor sie 1915 auf Erlass des Zaren zusammen mit allen anderen deutschen Zeitungen verboten wurde.

Erst 1991 - in jenem Jahr, in dem die Sowjetunion zerfiel und aus Leningrad wieder St. Petersburg wurde – konnte die „St. Petersburgische Zeitung“ als Organ der „Deutschen Gesellschaft St. Petersburg“ wieder geboren werden. Heute erscheint sie monatlich in einer Auflage von 5000 Exemplaren und versteht sich wieder als Informationsplattform für alle deutschsprachigen Leser, die sich in St. Petersburg aufhalten – seien sie Touristen, Geschäftsleute, Studenten, Germanisten oder Russlanddeutsche – sowie für alle Petersburg-Interessierten im Ausland.
(Sabine Skott/SPZ)


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