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Die neue Pastorin in der Petrikirche kommt noch von viel weiter als aus Deutschland - aus Wladiwostok (foto: ld/rufo)
Die neue Pastorin in der Petrikirche kommt noch von viel weiter als aus Deutschland - aus Wladiwostok (foto: ld/rufo)
Montag, 10.09.2007

Tatjana Wagner: Die neue Pastorin war mal orthodox

St. Petersburg. Tatjana Wagner kommt aus Wladiwostok – und steht seit dem 17. Juni als frischgebackene Pastorin in den Diensten der lutherischen Petrikirche in St. Petersburg. Die SPZ führte mit ihr ein Interview.

Richtig passend findet Tatjana Wagner es nicht, wenn man sie fragt, ob sie die neue Pastorin sei. Schließlich hat sie bereits geraume Zeit zuvor schon viele ihrer heutigen Aufgaben in der Gemeinde ausgeübt. Die Ordination gleiche für sie also eher dem Punkt auf dem „i“.

SPZ: Zunächst einmal Gratulation zu Ihrem neuen Amt. „Pastorin“ – ist das für Sie Beruf oder Berufung?

Ganz eindeutig kann ich diese Frage nicht beantworten. Einerseits ist es sicherlich Arbeit und damit Beruf, denn ich verdiene damit ja mein Geld. Andererseits bin ich für die Menschen da, die zu mir kommen um etwa Rat zu suchen und ich bin gerne ihr Ansprechpartner. In diesem Sinne ist es für mich eine Berufung.

SPZ: Sind Sie in einer sehr religiösen Familie aufgewachsen?



Tatjana Wagner kam über ihren russlanddeutschen gatten zur lutheranischen Kirche (foto: mv/SPZ)
Tatjana Wagner kam über ihren russlanddeutschen gatten zur lutheranischen Kirche (foto: mv/SPZ)
Nein. Meine Eltern waren gar nicht religiös, nur meine Oma – und zwar orthodox. Mein Vater hat allerdings gerne und viel gelesen; aus seinen Bücherbeständen fiel mir dann eines Tages die Bibel in die Hand. Für die Religion habe ich mich erst entschieden, als ich bereits erwachsen war. Zunächst ließ ich mich orthodox taufen. Eine wirklich tiefgehende Auseinandersetzung mit der Religion fand jedoch erst später statt, als ich bereits zur evangelischen Kirche konvertiert war.

SPZ: Wie sind Sie zum evangelischen Glauben gelangt?



Zu den Evangelischen bin ich über meinen Mann gestoßen. Er ist russlanddeutscher Abstammung und hat die lutherische Gemeinde in Wladiwostok – ich komme ursprünglich aus dem Fernen Osten – mitbegründet. Dort habe ich mich einfach wohl gefühlt und die Religion hat mich angesprochen.

Mit ihm gemeinsam fuhr ich auf ein Seminar nach Moskau. Die relative Nähe zu Petersburg haben wir natürlich genutzt, um uns die Ausbildungsstätte hier in Nowosaratowka anzusehen. Da sie uns zugesagt hat, beschlossen wir, das theologische Seminar zu besuchen; ich habe es 2004 absolviert.

SPZ: Wie waren die Reaktionen auf diesen Berufswunsch?



Im Grunde genommen positiv. Zunächst schien es mich ja in eine ganz andere Richtung zu verschlagen, da ich Wirtschaft und Recht studierte. Ein Engagement bei der Kirche ist etwas anderes. Meine Mutter war verwundert, hat meine Entscheidung aber akzeptiert und mir vertraut, was mich sehr freut. Auf meine Ordination war sie auch ausgesprochen stolz.

SPZ: Welche Aufgaben nehmen Sie in der Kirche wahr? Welche Schwerpunkte setzen Sie dabei, was ist Ihnen wichtig und was möchten Sie vermitteln?



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Zum einen erledige ich administrative Arbeiten in der Kiche, Referentenarbeit. Außerdem betreue ich die Kinder- und Jugendgruppe in der Gemeinde. Ich glaube, wenn man auf die Welt kommt, ist man schon bei Gott. Die jungen Menschen sollen das nicht verlieren, sie sollen auch mit Gott aufwachsen. Dazu will ich meinen Beitrag leisten.

Mein großes Ziel ist es, sie innerlich zu festigen – Menschen, die eine eigene Meinung haben und zu dieser stehen. Wir diskutieren viel bei den Treffen, vergleichen die Welt, in der wir leben mit dem, was uns die Bibel an die Hand gibt. Das heißt, wir reden oft über praktische Dinge, über Fragen, die sich im Leben stellen. Den religiösen Bezugspunkt bemühen wir uns jedoch nicht aus den Augen zu verlieren. Oft sind die aufkommenden Fragen alles andere als einfach. Weitere Initiativen sind beispielsweise Sammelaktionen für ein Kinderheim.

Nicht zuletzt aber feiere ich Gottesdienste. In meinem neuen Amt als Pastorin halte ich nun jeden Samstag einen Gottesdienst auf russisch, zweimal im Monat mit Abendmahl. Diese Veranstaltung war schon lange Zeit im Gespräch und ist nun endlich verwirklicht. Der Inhalt der Predigt ist identisch mit der deutschen am Sonntag.

SPZ: Tatjana, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg und Freude als Pastorin!




(Interview: Mirjam Voerkelius/SPZ)


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