 |
|
| Politische Reformen und freie Wahlen fordert dieser Petersburger Demonstrant (Foto: eva/rufo) | |
Sonntag, 15.04.2007
Über 100 Festgenommene nach Protestdemo in Petersburg
St. Petersburg. Nach einer genehmigten Oppositionskundgebung sind heute in St. Petersburg über 100 Demonstranten teils mit Gewalt festgenommen worden. Die Kundgebung mit 1500 Teilnehmern verlief zunächst friedlich.
|
|
Bei der Veranstaltung wurden sowohl die Politik Putins und der Moskauer Regierung wie auch lokale Probleme kritisiert - etwa der geplante Bau des Gazprom-Wolkenkratzers oder der einer elitären Wohnsiedlung für die Verfassungsrichter auf der Kreuzinsel.
|
Als einziger prominenter Oppositioneller war Eduard Limonow, der Chef der „Nationalbolschewisten“ anwesend. Schach-Großmeister Garri Kasparow konnte nicht kommen, da er nach dem gestrigen „Marsch der Unzufriedenen“ in Moskau dort solange von der Polizei festgehalten worden sei, dass er seinen Zug verpasst habe, hieße es auf der Kundgebung.
Kundgebung erlaubt, Marsch sollte unterbunden werden
|
 |
|
| Die Zahl der Teilnehmer wurde auf 1500 geschätzt (foto: eva/rufo) | |
Die Stadtverwaltung hatte sie auf dem Puschkin-Platz nahe des Witebsker Bahnhofs genehmigt. Der von den Oppositionellen anschließend geplante Marsch durch die Innenstadt war jedoch verboten worden. Starke Polizeieinheiten, auch solche aus anderen Städten, sollten deshalb einen Ausbruch der Demonstranten verhindern.
|
Angeblich waren ca. 1500 Beamte im Einsatz, darunter auch OMON-Einheiten aus weit entfernten Städten. Die Wege von dem Kundgebungsort zu den umliegenden Hauptstraßen waren durch Fahrzeuge oder Polizeiketten abgeriegelt worden. Eine große Anzahl von städtischen Bussen stand vor dem Witebsker Bahnhof bereit - offenbar um Festgenommene abzutransportieren.
|
Gewalt erst nach Ende der Kundgebung
|
|
 |
| Die Miliz hatte starke Einheiten in voller montur zusammengezogen, um diesmal einen Ausbruch der Demonstranten zu verhindern (Foto: eva/rufo) |
Nach dem Ende der Kundgebung kam es dann, fast wie erwartet, zu Zusammenstößen: Ein Teil der Demonstranten, der nicht zur nächsten Metrostation ging, wollte die Polizeikette in Richtung Moskauer Prospekt durchbrechen. Die Beamten setzten Schlagstöcke ein, aus den Reihen der Demonstranten flogen Orangen und Flaschen.
Bei den Handgreiflichkeiten gab es einige Verletzte, darunter auch Journalisten. Auch ältere Menschen wurden von den Beamten nicht geschont, berichteten Augenzeugen. Zwei Frauen im Alter von 49 und 51 Jahren sowie ein 59-jähriger Mann wurden mit Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert.
|
Führungspersonen der Unzufriedenen ebenfalls auf der Wache
|
Über 100 Menschen wurden festgenommen und in Bussen auf Polizeireviere gebracht. Darunter sind auch Limonow sowie der Leiter der Petersburger Nationalbolschwisten Andrej Dmitrijew.
|
Ebenfalls festgenommen wurde der Stadt-Vorsitzende der Oppositions-Partei Jabloko, Maxim Resnik. Er sei nicht an den Zusammenstößen beteiligt gewesen, sondern von Beamten beim Verlassen des Kundgebungsortes aufgehalten worden, sagte er gegenüber „fontanka.ru“.
|
Die Organisatoren hatten zu Ende der Kundgebung die Menschen aufgefordert, friedlich auseinander zu gehen. Doch hätte jeder das Recht, für sich später den ursprünglich geplanten Marsch-Weg abzulaufen, hieß es.
(ld/rufo/St.Petersburg)
|
|
|
|
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>