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| Alexandrinski-Theater/foto:Deeg | |
Freitag, 25.10.2002
„Bei uns kann so was nicht passieren!“
St. Petersburg. Das ließ am Donnerstag Vize-Gouverneurin Anna Markowa im tiefsten Brustton der Überzeugung verlauten. Sie muss es ja wissen, denn bei jeder Katastrophe, die in Petersburg passiert, wird sie schnellstens an die Front geworfen. Es ist tatsächlich ruhig in Petersburg. Alle anberaumten Theater- und Sportveranstaltungen finden statt. Viel mehr Miliz als gewöhnlich ist auch nicht zu bemerken. Aber die Stimmung ist gedrückt. Alle verfolgen mit Besorgnis und Angst die Geschehnisse im Moskauer Musical-Theater.
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Selbst die apolitischsten unter den Zeitgenossen stehen unter Schock. Und irgendwer erlaubt sich schlechte Späße – am Donnerstag Vormittag „informierten“ anonyme Anrufer die Miliz über die Verminung von vier Metrostationen und der Peter-Paul-Festung gleich auch noch mit. Eine umgehende Überprüfung ergab (wie fast immer in solchen Fällen) nichts. Die Flughäfen und Bahnhöfe werden verstärkt patrouilliert. Das Atomkraftwerk in Sosnowyj Bor steht unter verschärfter Beobachtung. „Verdächtige Personen“ müssen noch öfter als sonst ihre Ausweise zücken, wobei Anna Markowa betonte: „Das heißt nicht, dass wir jeden Mann mit Schnurrbart festnehmen und auf die Wache schleppen werden.“
Auf einer Sitzung der Stadtregierung wurde der Entschluss gefasst, alle geplanten Massenveranstaltungen über die Bühne gehen zu lassen. Dazu gehört u.a. das internationale Tennisturnier „St. Petersburg Open“ im Sport- und Konzertkomplex. Am Donnerstag flogen dort übrigens alle drei Stars (Jewgeni Kafelnikow, Marat Safin und Andre Agassi) aus dem Rennen. Dort wurde die Überwachung vehement verstärkt, da mit einem erheblichen Zuschauerinteresse gerechnet wird.
Die verstärkte Bewachung von Theatervorstellungen wurde indes jeder Bühne freigestellt. Das Kleine Opern- und Ballett-Theater beließ alles, wie gehabt; der Große Saal der Philharmonie forderte zusätzliche Wachkräfte an; in der Music Hall ist man der Meinung, das Kontrollsystem sei ausgefeilt genug.
Im Moment hat Petersburg wohl wirklich nichts zu befürchten und kann sich wieder einmal daran erfreuen, nicht mehr Hauptstadt zu sein. Hier wird allein deshalb nichts passieren, weil hier auch nichts entschieden wird. Der Kreml steht in Moskau, und in ihm sitzen die Machthaber, auf die es ankommt.
Aber im nächsten Jahr, wenn die Creme de la Creme der Welt zum runden Geburtstag an die Newa strömen wird, kann die Sache ganz anders aussehen. Auf Journalistenfragen, ob Petersburg im Mai/Juni 2003 nicht mit Terrorangriffen rechnen muss, antwortete Gouverneur Jakowlew, „er klopfe drei Mal auf Holz und hoffe, dass die Stadt es schaffe, so etwas nicht zuzulassen“. Sein Wort in Gottes Ohr.
(sb/rUFO)
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