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| Unerwünschter Klotz über der klassischen Silhouette: Die neue und die historische Börse (Foto: fontanka.ru) | |
Mittwoch, 11.06.2008
Abriss? Neue Petersburger Börse ist zu hoch
St. Petersburg. Nur der Presslufthammer kann Petersburgs einmaliges Stadtbild retten! Zu dieser ungewöhnlichen Entscheidung kam der Stadtbau-Beirat angesichts des neuen Börsenbaus, der die Strelka verschandelt.
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Ende Mai schlug die Petersburger Internet-Zeitung fontanka.ru Alarm: Der kurz vor der Einweihung stehende 63 Meter hohe Neubau der Petersburger Warenbörse am der 26. Linie erhebt sich monströs über eine der klassischen Stadtansichten Petersburgs.
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Der Blick von der gegenüberliegenden Troizki-Brücke über die Newa auf die „Strelka“ mit den Rostra-Säulen und dem tempelartigen Bau der alten Börse ist durch den mächtigen Betonbau im Hintergrund rettungslos verschandelt.
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Eine Börse verschandelt den Anblick der anderen Zumindest bei klarem Wetter - muss man einschränken. Denn die Keimzelle des Petersburger Handels an der einst als Hafen genutzten Inselspitze der Wassili-Insel und den Bauplatz des Börsenturms trennen gut 2,5 Kilometer Luftlinie. Verstärkt wird der optische Knalleffekt durch eine ebenfalls so gut wie fertiggestellte Luxus-Wohnanlage namens „Finanzist“, die gleich hoch schräg hinter der neuen Börse steht.
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Die Fotos, die man selbst bei fontanka.ru zunächst für Fotomontagen hielt, machten in Petersburg Furore: Der Bauboom der letzten Jahre lässt die Warnungen vor dem Verlust des historischen, durch seine Ebenmäßigkeit geprägten Stadtbildes und der gewachsenen Altstadt-Atmosphäre nicht verstummen.
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Üblicherweise wiegelt die Stadtverwaltung dann ab: Alles halb so schlimm, viele alte Bausubstanz ist eben baufällig und abrissreif - und willigen Investoren muss man angesichts der hohen Bodenpreise eben mit größeren genehmigten Bauhöhen entgegenkommen. Das Resultat ist ein neues Höhenreglement, das neue Hochhäuser und Wolkenkratzer zulässt. Nur für den unmittelbaren Zentrumsbereich gilt eine Grenze von 48 Meter.
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Stadtverwaltung propagiert selbst den Gazprom-Turm Dreh- und Angelpunkt der Diskussion ist nach wie vor das offiziell noch nicht genehmigte, von der Stadtverwaltung und Gazprom gemeinsam vorangetriebene Projekt eines fast 400 Meter hohen Wolkenkratzers gegenüber des Smolny-Klosters. Seine Befürworter sehen darin ein schmuckes Wahrzeichen für eine neue Ära in der Stadtgeschichte, seine Gegner den Untergang der historischen, von der weiten Vertikale geprägten Stadtsilhouette.
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Die Bilder von der überbauten Strelka beunruhigten sogar die Gouverneurin und eifrige Turm-Verfechterin Valentina Matwijenko: Sie ließ über ihren Bau-Vize Alexander Wachmistrow den Stadtbau-Beirat befragen, was von dem Malheur zu halten sei. Das Pikante dabei: Hier ging es nicht wie üblich um ein Projekt, sondern um fertige Gebäude. Der neue Börsenbau soll am 16. Juni eingeweiht werden.
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Smolny gesteht städtebaulichen Fehler Der professionelle Architekten-Rat fällte ein geradezu ungeheuerliches Urteil: Die oberen Etagen des Neubaus müssen abgetragen werden, um das Gebäude auf die Zentrums-Maximalhöhe von 48 Meter zu schrumpfen. Wachmistrows Urteil: „ein grober städtebaulicher Fehler“. Und die Stadtverwaltung sei entschlossen, ihn wieder rückgängig machen zu lassen.
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Planer und Bauherr der neuen Börse fühlen sich davon völlig überrumpelt: Wie Architekt Dmitri Lowkatschow dem Beirat darlegte, wurde das Gebäude seit 1999 geplant und 2003 in seiner jetzigen Dimension anstandslos genehmigt. Aus technischen Gründen geriet es zwar letztlich 40 Zentimeter höher als geplant – aber ansonsten ging alles mit rechten Dingen zu.
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Die Planer der Wohnanlage orientierten sich dann an der Höhe des banachbarten Börsenbaus.
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Teilabriss statt Einweihung? Ein Abriss der oberen Etagen sei „pure Phantasie“, von der Börse nicht zu finanzieren und überhaupt – in einer Woche wolle man einziehen, so Börsenchef Viktor Nikolajew: „Die Gouverneurin sollte das rote Band durchschneiden.“
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Bleibt abzuwarten, ob sie das nach diesem Skandal tun wird – und ob die Stadt ihre Absicht in die Tat umsetzen kann. Denn rein juristisch gesehen hat sie keinerlei Handhabe, die beiden mächtigen Gebäude noch zusammenzustutzen. Von den Kosten ganz abgesehen ...
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