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| Newa-Ufer in SPB/Foto:Deeg | |
Donnerstag, 05.09.2002
Auch Petersburg steckt im Qualm
St Petersburg. Russlands „zweite Hauptstadt“ will Moskau offenbar in nichts nachstehen: Gleichzeitig mit den sich ausbreitetenden Waldbränden und Torffeuern im Moskauer Umland gerieten auch weitere trockene Wiesen und Wälder im Umland Petersburgs in Brand. Zur gleichen Zeit wie in Moskau wälzte sich eine Rauchwolke über die Stadt und hüllte auch den Petersburger Flughafen Pulkovo ein. Dort geht inzwischen fast nichts mehr.
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Noch gibt es in Petersburg zwar keine offiziellen Warnungen wegen überschrittener Rauch-Grenzwerte oder gesundheitsschädlicher Auswirkungen des Qualms. Auch seien keine Wohngebiete vom Feuer bedroht. Aber jeder, der heute auf die Straße geht, spürt den Rauch in Augen und Nase. Anders als bei früheren gelegentlichen Rauchattacken wurde die Dunstglocke über der Stadt aber heute im Laufe des Tages nicht dünner, sondern dicker. Autos fahren mit Licht, die Sicht reicht weniger weit als das gegenüberliegende Newa-Ufer entfernt ist. Und die Meteorologen machen keine Hoffnung: Die stabile Wetterlage ohne Regen und nennenswerten Wind soll noch bis Mitte nächster Woche anhalten. Dann dürfte Petersburg auch Moskauer Smog-Verhältnisse erreichen.
Nach Angaben der Katastrophenschutz-Behörde stammt der Rauch von Torfbränden in den Gebieten von Puschkin, Kolpino und Schuschari, nur wenige Kilometer vom Petersburger Flughafen Pulkovo entfernt. Der Airport musste deshalb heute für anfliegende Maschinen gesperrt werden. Abflüge – sofern die entsprechenden Maschinen denn ankamen – geschehen weitgehend planmäßig. Paralysiert ist allerdings der intensive Flugverkehr nach Moskau. Auch die dortigen Flughäfen waren heute wegen der Rauchwolken für einige Stunden nicht anfliegbar - und wenn doch, könnten die auf dieser Route dominierenden Maschinen der Petersburger Pulkovo Airlines nicht mehr an ihren Standort zurückkehren.
Im Lauf des letzen Tages wurden 40 neue Brandherde mit einer Gesamtfläche von 300 Hektar im direkten Petersburger Umland entdeckt. Löschmannschaften sind im Einsatz, können aber nicht überall gleichzeitig sein. Auch in den Landkreisen von Gatschina, Tichwin und Kirischi ist die Waldbrandlage weiterhin heikel. Dort brennen etwa 1500 Hektar Wald und Torf. Die Sichtweiten auf den Ausfallstraßen in Richtung Murmansk und Luga betragen stellenweise nur noch 300 Meter, der Verkehr kriecht mit 40 bis 50 km/h dahin.
Der Petersburger Notarztdienst wurde unterdessen mit einer Welle von Anrufen eingedeckt. Die Menschen fragen, wie sie sich gegen den permanenten Hustenreiz schützen können: „Mehr trinken, am besten Milch, die Fenster schließen und auf Regen warten“, so der stereotype Rat der Mediziner. Auch nicht ganz nachvollziehbar ist, warum die Petersburger Behörden heute nachmittag wegen des zähen Qualms „Sturmwarnung“ gaben. Die Wetterlage soll jedenfalls bis morgen früh unverändert bleiben. (ld/rUFO)
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