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| Entsetzen über den Wahnsinn mit Methode: Freunde des Mordopfers am Tatort (foto: newsru-NTW) | |
Montag, 26.12.2005
Ausländermord an Heiligabend in St. Petersburg
St. Peterburg. Während die halbe Welt Weihnachten feierte, wurde in St. Petersburg ein afrikanischer Student von jungen Rassisten erstochen. Zwei weitere Afrikaner wurden verletzt. Die Täter konnten fliehen.
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Die Nachricht von einem erneuten Ausländermord erreichte die Petersburger Behörden zu einem undankbaren Zeitpunkt: Es war Samstag Abend gegen 20 Uhr – die nicht-orthodoxe Christenheit saß zu diesem Zeitpunkt friedlich unterm Weihnachtsbaum. Zudem war gerade Präsident Putin in seiner Heimatstadt zu Besuch – die nun wieder einmal von der Presse den Titel der „russischen Xenophobie-Hauptstadt“ verliehen bekam.
Zwei Messer-Überfälle in kurzer Zeit
Offenbar verübten ein und die selbenTäter im Abstand von weniger als einer Stunde gleich zwei brutale Messerüberfälle auf afrikanische Studenten. Schauplatz beider Taten war ein einsamer Trampelpfad entlang einer Heizleitung, der den kürzesten Weg von einem Wohnheim der Binnenschiffahrtshochschule zur Metrostation Awtowo darstellt.
Wohngebäude gibt es in der Nähe nicht. Das Territorium gilt unter Anwohnern als übel beleumundet, berichtet newsru. Banden von Khaki-Jackenträgern hätten hier schon öfter den in dem Wohnheim untergebrachten ausländischen Studenten aufgelauert, die deshalb meist nur in größeren Gruppen den Weg zur U-Bahn wagen.
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Hier überfiel eine Gruppe junger Männer ohne besondere Kennzeichen zunächst einen allein gehenden kenianischen Studenten. Trotz mehrerer Stichwunden in Bauch und Hals konnte er ein Auto anhalten, das ihn zu dem Wohnheim in der uliza Morskoi Pechoty brachte. Dort rief man einen Krankenwagen.
Etwa zur gleichen Zeit überfielen fünf bis sechs jugendliche Täter dann einen 28 Jahre alten Kameruner und einen 25-jährigen Namibier, die gemeinsam nach einem Besuch bei Freunden in dem Wohnheim zur Metro gehen wollten. Der Namibier konnte fliehen, sein Kommilitone wurde von den Angreifern jedoch mit Messerstichen in den Hals getötet. Die Täter verschwanden daraufhin in der Dunkelheit.
Der getötete Kamhen Leon war erst vor zwei Monaten nach Russland gekommen – zunächst um als Voraussetzung für ein Studium Russisch zu lernen.
Am Tag nach der Tat sprach die städtische Staatsanwaltschaft von Rassenhaß als Haupttatmotiv. 14 Personen wurden bereits vorübergehend verhaftet, dann aber als offenbar nicht Tatbeteiligte wieder auf freien Fuß gesetzt.
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Im Dezember waren in St. Petersburg die Urteile gegen die Mitglieder zweier Neonazi-Gruppen gesprochen worden, denen mehrere Überfälle auf Ausländer zur Last gelegt wurden. Sie waren jedoch nicht tödlich ausgegangen.
Messer statt Fäusten: Die Neonazis stechen immer öfter zu
Inzwischen scheinen die faschistischen Schlägerbanden in Petersburg aber jede Hemmung verloren zu haben und versuchen offenbar gezielt, ihre Opfer mit Messerstichen in die Kehle zu töten: Auf diese Weise starb Mitte Dezember ein 15 Jahre alter Russe aserbaidschanischer Herkunft wie auch im November der als Antifaschist aktive 20 Jahre alte russische Student Timur Katscharawa, der auf offener Straße mitten im Stadtzentrum ermordet wurde. Fünf Täter wurden in diesem Fall ermittelt. Auch ein Chinese, der im Oktober eine Attacke überlebte, trug Stichverletzungen am Hals davon.
Im September wurde in St. Petersburg ein Student aus dem Kongo mit Messerstichen getötet. In diesem Fall gehen die Behörden aber eher davon aus, dass es sich um einen Konflikt mit kriminellen Hintergründen handelt, da der Afrikaner selbst illegalen Geschäften nachgegangen sein soll.
Ähnliche Fälle wie jetzt der Studenten-Mord an Heiligabend ereigneten sich zuletzt im Oktober in Woronesch, wo ein 18 Jahre alter Peruaner getötet wurde und vor über einem Jahr in St. Petersburg, als ein vietnamesischer Student ebenfalls zwischen Wohnheim und Metro Opfer einer vielköpfigen Schlägerbande wurde. In diesem Fall sind 14 Tatverdächtige einer Skinhead-Gruppe namens „Weiße Energie“ ermittelt worden, denen insgesamt 15 verschiedene Verbrechen zur Last gelegt werden.
(ld/.rufo)
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