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| Die Rückseite des Präsidentengebets schmückt Zar Nikolaus II. (Foto: fontanka.ru) | |
Donnerstag, 10.06.2010
Begabte Kinder sollen für Putin-Medwedew beten
St. Petersburg. Ein Fest für 150 begabte Kinder endete mit einer echten Überraschung: Neben Büchern erhielten sie als Geschenk auch ein „Gebet für den Präsidenten“ – der darin sowohl Dmitri wie auch Wladimir heißt.
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Erst gestern hatte Premier Wladimir Putin in einem Interview mit französischen Journalisten erklärt, es gebe in Russland keinen Personenkult um die politischen Führungsfiguren. Er jedenfalls unternehme absolut nichts in dieser Richtung und mache – so wie auch Dmitri Medwedew auf dem Präsidentenposten – einfach nur seine Arbeit.
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Konterkariert wird diese Bescheidenheit durch eine Meldung der Petersburger Internet-Zeitung fontanka.ru: Am 1. Juni, dem „Tag des Kinderschutzes“, bekamen 150 begabte Petersburger Kinder eine Broschüre mit dem Text eines russisch-orthodoxen „Gebets für den Präsidenten“ überreicht.
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Gottessklaven im Kreml brauchen Hilfe von oben Erstaunlicherweise – aber den politischen Realitäten in Russland durchaus angemessen – wird dabei Fürbitte für gleich zwei Personen geleistet: „Herr, schicke deinen Erzengel Michael deinen Sklaven Dmitri und Wladimir zu Hilfe, sie von sichtbaren und unsichtbaren Feinden zu befreien“, heißt es darin.
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Das Gebets-Brevier befand sich zwischen Büchern, Spielzeug und Süßigkeiten, die die Teilnehmer zum Abschluss einer „Taurischen Kinderversammlung“ im Taurischen Palast erhielten. 150 Kinder, die sich bei Wettbewerben oder in Kunst-Zirkeln besonders ausgezeichnet hatten, waren dabei zu Kursen mit Künstlern und Tänzern eingeladen worden und hatten gemeinsam einen Zeichentrickfilm montiert.
Veranstalter war die im Taurischen Palast tagende Parlamentarische Versammlung der GUS-Staaten, ein Freundeskreis des Palastes, ein Kulturfond sowie eine Veranstaltungsagentur. Wer genau die Broschüre mit dem Gebet beigesteuert hatte, konnte fontanka.ru nicht ermitteln.
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Für den Zaren wurde früher viel gebetet Kirchenvertreter betonten, dass es in Russland durchaus üblich gewesen sei, für den Zaren zu beten – so wie Gläubige für jeden Getauften beten können. Allerdings sollten zur Verbreitung vorgesehene Texte von Gebeten vom Patriarchen gebilligt werden, was in diesem Fall nicht geschah.
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„Das ist offensichtlich eine Initiative von Weltlichen. Die Organisatoren hätten sich vorher mit der Kirche beraten oder ein Gebet mit allgemeinerem Inhalt herausgeben sollen“, so Erzpriester Artjomi Skripkin, der Leiter der Jugend-Abteilung der St. Petersburger Eparchie.
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Der Politologe Wladimir Gelman erklärte, das Gebet sei nur ernst zunehmen, wenn dies von der russisch-orthodoxen Kirche autorisiert und verbreitet würde. Er hoffe, dass es soweit nicht komme.
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Vorerst gelte deshalb das Sprichwort von dem einen Dummkopf, der einen Stein ins Wasser wirft – den auch zehn Kluge nicht mehr herausholen können. Der Politologe Valeri Ostrowski bezeichnete das Gebet als „banale Provokation“.
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