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Am Newski und drumherum ist die Dichte der Petersburger Bevölkerung traditionell am größten. Foto: Deeg/.rufo
Am Newski und drumherum ist die Dichte der Petersburger Bevölkerung traditionell am größten. Foto: Deeg/.rufo
Freitag, 01.10.2004

Bevölkerungsschwund in Petersburg und anderswo

St. Petersburg. Mit einer wenig erfreulichen Mitteilung trat der Leiter des Gesundheitskomitees der Petersburger Stadtregierung, Wladimir Sholobow, in dieser Woche an die Öffentlichkeit. Laut neuester Untersuchungen soll die Bevölkerung der Nördlichen Hauptstadt bis 2010 um zehn Prozent schrumpfen. Nach offiziellen Prognosen wird die Einwohnerzahl 2025 nur noch 3,5 Millionen Menschen betragen.

Sholobow nannte diese beunruhigenden Zahlen im Rahmen der Vorstellung eines Programms zur Entwicklung der medizinischen Versorgung der Stadt. Laut des Beamten aus dem Smolny werden 2010 ca. 29 Prozent aller Petersburger Rentner sein. Zurzeit stellen die 40- bis 49-Jährigen den Löwenanteil an der Bevölkerung. Die Tendenz ist also eindeutig: Petersburg, eine schon lange demographisch „alte“ Stadt, wird in den nächsten Jahren immer älter werden.

1988 war an den Ufern der Newa der fünfmillionste Bürger geboren worden. Doch dann kam der Zerfall der Sowjetunion, der große Umbruch, die Finanzkrisen, die wirtschaftliche Instabilität der 1990er Jahre. Die Geburtenrate ging immer mehr zurück, die Sterblichkeit nahm zu – und die Bevölkerung begann zu schwinden. Heute hat Petersburg nur noch 4,65 Millionen Einwohner.

Schützer ohne Schutzbefohlene

Petersburg mag in demographischer Hinsicht ein Extremfall sein (hier werden die wenigstens Kinder geboren und sterben die meisten Menschen an Krebs und überdurchschnittlich viele an Herz-Kreislauferkrankungen). Und doch sind die rückläufigen Tendenzen ein überall im Land zu beobachtendes Problem.

Ein analytischer Bericht von Gazeta.ru sieht einen der Gründe für den Bevölkerungsschwund in der prinzipiellen Umorientierung der Prioritäten. Putins erste Amtszeit zeigte Initiativen zur demographischen Stabilisierung (finanzielle Anreize zur Familiengründung, Verbesserung der medizinischen Versorgung, Erleichterung der Immigration), die nötige Finanzierung blieb jedoch in den Ansätzen stecken. Heute gehe es aber statt um Förderung der Mutterschaft um die Stärkung der Sicherheit. Die Folge – immer mehr Gelder fließen in Verteidigung und innere Sicherheit, immer weniger in den sozialen Sektor.

So wird Russland bald bis an die Zähne gewappnet sein vor den Bedrohungen der Gegenwart, aber wen werden die Rechtsschützer dann noch schützen können, frotzelt Gazeta.ru. Denn mit den erhöhten Ausgaben für die Sicherheit gehen zugleich die Gelder für einen besseren Gesundheitsschutz und die Familienförderung immer mehr zurück. Und damit in Perspektive auch die Bevölkerung. Am Ende bleiben die Schützer ohne Schutzbefohlene zurück. Das kann wohl kaum der Sinn der Sache sein. (sb/.rufo)



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