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Der umfangreiche Polizeieinsatz liess eher an einen Terrorakt denken (Foto: fontanka.ru)
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Dienstag, 20.02.2007

Bombe am Newski: Extremismus, aber kein Terrorismus

St. Petersburg. Ein Terroranschlag sieht anders aus – nur darin ist man sich in Petersburg gegenwertig bei der Bewertung der Bombenexplosion vom Sonntag Abend in einer Mc Donald’s-Filiale am Newski Prospekt einig.

„Wir haben keinen Grund zur Annahme, dass dies eine irgendwie organisierte Aktion war. Vermutlich handelt es sich um Rowdytum extremistischen Charakters“ erklärte gestern das Stadtoberhaupt Valentina Matwijenko. Die Gouverneurin hofft, dass die Tat bald aufgeklärt sein wird und dass dies keine nennenswerten Probleme darstellen sollte: „Da hängen doch überall Videokameras.“

Seitens des Staates äußerte sich gestern auch noch Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu zu dem Vorfall – rein von der technischen Seite her: Nur weil in dem Schnellrestaurant alles vorbildhaft entsprechend der Brandschutzvorschriften eingerichtet war, wäre kein Feuer ausgebrochen. Auch ging es wohl nur deshalb mit sechs Leichtverletzten ab, weil die Verbundglas-Fensterscheiben nicht splitterten, sondern nur sprangen und sich ausbeulten.

Anlass, die Opposition an die Leine zu nehmen


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• McDonald’s-Bombe: Deutscher Verletzter wieder entlassen (19.02.2007)
• 559 Festnahmen bei rechten Demos in Moskau (06.11.2006)
• Petersburger Miliz hebt Neonazigruppe aus (25.05.2006)
Allerdings fürchen nun Vertreter oppositioneller Kreise, dass der Anschlag zum Vorwand genommen wird, vor den Kommunalwahlen am 11. März der Staats- und Stadtmacht nicht genehme Veranstaltungen zu verbieten und kritische Oppositionsgruppen noch strenger zu behandeln.

So könnte der für den 3. März geplante „Marsch der Nichteinverstandenen“ unter Hinweis auf die gespannte Lage verboten werden. Auch in rechten Kreisen fürchtet man, die Tat könne nun „irgendeinem Patrioten angehängt werden“, so der Duma-Abgeordnete Dmitri Rogosin.

Allerdings gibt es durchaus Grund zur Annahme, dass die Explosion nicht durch einen wirren Einzeltäter zufällig an diesem Ort und zu dieser Zeit geschah. Genau zwei Wochen zuvor war ganz in der Nähe bereits ein Blumenkiosk gesprengt worden – was schon damals von den Ermittlern mit der von Antifaschisten jeden Sonntag Abend durchgeführten Aktion „Brot statt Bomben“ in Verbindung gebracht wurde.

McDonald’s ist Zielscheibe von links und rechts


Von russischen Medien befragte Vertreter von Antiglobalisten-Gruppen beteuerten, nichts mit der Bombe zu tun zu haben. McDonald’s ist in diesen Kreisen zwar durchaus ein internationales Feindbild, aber üblicherweise belässt man es bei Gewaltaktionen gegen die Kette Farbbeutelattacken oder eingeschlagenenen Scheiben und greift nicht die Besucher an. Eine inzwischen abgeurteilte rechtsextreme Schlägergruppe hatte allerdings 2003 genau diese Filiale am Newski Prospekt mit Baseballschlägern gestürmt und die Einrichtung zertrümmert.

Waren Schrauben an der Bombe?


Parallel zu der von der Polizei herausgegebenen Information, dass der Sprengsatz mit etwa 75 Grammm TNT-Äquivalent eher schwach war, gab es aber auch noch eine bedenkliche Neuigkeit aus inoffiziellen Quellen: Angeblich war die Bombe doch mit einer Ummantelung versehen, die Schraubenmuttern und Metallspäne enthielt - und damit ein doch Mordinstrument.

„Das ist einfach nur ein Wunder, dass niemanden die Muttern am Kopf trafen“, zitiert die Iswestija einen Polizisten. Nach einer anderen Version soll es sich bei den am Tatort aufgefundenen Schrauben und Metallteilen aber nur um Fragmente des gesprengten Tisches oder Mülleimers handeln, wo die Bombe versteckt war.

Insgesamt scheinen die Petersburger Behörden den zunächst von der Staatsanwaltschaft als „Mordversuch“ beurteilten Anschlag insgesamt jetzt doch wieder deutlich tiefer zu hängen. (ld/rufo)


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