Eine ganze Reihe historisch wertvoller Bauten steht am Newa-Ufer. Petersburg gehört zum Weltkulturerbe. Noch! (Foto: Ballin/.rufo)
Mittwoch, 30.07.2008
Bringt Petersburg sich um sein UNESCO-Erbe?
St. Petersburg. Um die Zukunft des historischen Erbes ging es gestern bei einem Rundtischgespräch im Eremitage-Theater. Das Thema ist hochaktuell, könnte die UNESCO Petersburg doch von ihrer Kulturerbeliste streichen.
Bei dem vom „Weltclub der Petersburger“ organisierten Runden Tisch ging es darum, ob die städtische „Strategie der Bewahrung des Kulturerbes“ den Anforderungen der UNESCO entspricht. Dabei kamen interessante Details ans Licht.
Ist Petersburg überhaupt ein „Objekt“ der UNESCO?
Anfang Juli hatte das Weltkulturerbekomitee der UNESCO Petersburg offiziell dazu aufgefordert, dem umstrittenen Bau des knapp 400 Meter hohen „Ochta-Centers“ zu entsagen. Andernfalls, drohte UNESCO-Chef Mario Barbosa, würde die nächste Hauptversammlung im Juli 2009 darüber befinden, ob es nicht besser wäre, Petersburg von der Weltkulturerbeliste zu streichen.
Die Leiter der Petersburger Denkmalschutzbehörde sind indessen der Meinung, die UNESCO hätte gar kein Recht, zu Sanktionen zu greifen, denn Petersburg sei de facto noch gar kein „Objekt“ der Weltkulturerbeliste.
Veraltete Inventarliste bei der UNESCO
Zwar hätte die UdSSR noch Ende der 1980er Jahre den Aufnahmeantrag gestellt, aber die Bestätigung desselben hätte man „zum letzten mal Anfang der 1990er Jahre in den Amtsräumen gesehen“, so Denkmalschutz-Chefin Vera Dementjewa.
2005 habe die UNESCO dann endlich eine Inventarisierungsliste der zu schützenden Objekte geschickt, die umfasse aber einerseits Objekte, die es nicht mehr gibt (so etwa die Tiergehege in Gatschina und Pawlowsk), und andererseits fehlten wichtige Objekte wie etwa die Tschesme-Kirche oder die Baudenkmäler des Konstruktivismus am Pr. Statschek.
Baustopp für Hochhäuser in der historischen Innenstadt
Um Ordnung in die veralteten Karten und Schemata zu bringen, will die Stadt bis zum 1. Februar eine aktualisierte Liste der zu schützenden Objekte erarbeiten, über die die UNESCO dann im Juli 2009 beraten wird.
Ganz freiwillig tut sie das nicht, denn die Frist hat die UNESCO selbst gesetzt, die endlich Klarheit haben darüber haben will, was es mit St. Petersburg als Weltkulturerbestadt eigentlich auf sich hat.
Nach der Diskussion am gestrigen Runden Tisch zu urteilen, geht es den Beteiligten aber weniger um die Streitereien der städtischen Beamten mit einer internationalen Instanz als um ganz konkrete Maßnahmen zur Erhaltung des von immer mehr Hochbauten bedrohten historischen Stadtbildes.
So schlug der Künstler Iwan Uralow, einst Hauptkünstler von St. Petersburg, ein zeitweiliges Moratorium für die Errichtung von Hochhäusern in der Innenstadt vor, bis alle Lücken aus der entsprechenden Gesetzgebung getilgt seien.
„Bis die Stadt die Bauhöhe endlich reglementiert hat, ist die Innenstadt schon vollgebaut mit Hochhäusern“, so Uralow. Und was würde die UNESCO dann sagen? Die Leiterin des Denkmalschutzamtes, Vera Dementjewa, weiß darauf auch keine Antwort, verweist nur auf andere Städte, mit denen die UNESCO auch hart ins Gericht geht. Wie mit Dresden etwa, sei unsererseits hinzugefügt.
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Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)