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| Erzbischof G. Kretschmar (foto: Deeg) | |
Dienstag, 21.01.2003
Bundesdeutsche Ehren für Erzbischof Kretschmar
Von Susanne Brammerloh (St. Petersburg). Dem Oberhaupt der Ev.-Luth. Kirche in Russland, der Ukraine, Kasachstan und Mittelasien (ELKRAS), Prof. Dr. Georg Kretschmar, wurde in der Petersburger Petrikirche das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Der deutsche Botschafter in Moskau, Hans Friedrich von Ploetz, der die Auszeichnung überbrachte, würdigte dabei die große Lebensleistung des Kirchenmannes.
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Obwohl auch in Deutschland Staat und Kirche getrennt seien, fügte er verschmitzt hinzu, passe die Verleihung an keinen besseren Ort als diese Kirche, die den Haupttätigkeitsplatz des Gewürdigten symbolisiere.
Der inzwischen 77 Jahre alte Erzbischof Kretschmar kann ganz gewiss auf einen langen und fruchtbaren Lebensweg zurückblicken. 1989 kam er in die damalige Sowjetunion, nach Riga, um seinen Dienst in der wiederentstehenden lutherischen Kirche aufzunehmen. Zuvor hatte er zweieinhalb Jahrzehnte als Professor der Theologie zunächst in Tübingen, dann in Hamburg und zuletzt in München Kirchengeschichte und Neues Testament gelehrt. Sein langes Engagement für kirchliche Fragen in der Sowjetunion zeigt sich auch in der Tatsache, dass er von 1959 bis 1991 Mitglied einer Kommission der Evangelischen Kirche Deutschland war, die den Dialog mit dem Moskauer Patriarchat der Russisch-orthodoxen Kirche führte.
Als er sich 1989 entschied, den Schritt auf das wackelige Terrain der gerade in den Zustand der Auslösung übergehenden Sowjetunion zu wagen, hätte Kretschmar gerade in Rente gehen können. Doch einem stillen Ruhestand zieht er einen nun schon „anderthalb Jahrzehnte währenden Unruhestand“ vor, wie von Ploetz in seiner Laudatio betonte. Bis 1993 wirkte er in Riga, zog dann mit dem Bischofssitz nach Petersburg um, wo er 1994 die Nachfolge von Bischof Kalnins antrat. Seit 1999 ist er Erzbischof der ELKRAS, die in ihrer territorialen Ausweitung die größte ev.-luth. Kirche der Welt darstellt.
Kretschmar sagte in seiner Dankesrede, die Moskauer Lutheraner könnten es ihm ja immer noch nicht ganz verzeihen, dass der Bischofssitz nicht in der heutigen, sondern der alten Hauptstadt Russlands seinen Platz gefunden habe. Aber für den Erzbischof ist Petersburg nicht viel mehr als eine Basis, von der er sich allwöchentlich auf Reise begibt durch sein riesengroßes Aufgabengebiet zwischen Kaliningrad und Wladiwostok, Archangelsk und Odessa. Das ist wahrhaft kein Ruhestand, und an sich schon eine enorme Leistung.
(sb/rUFO)
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