Wenn Dächer und Regenrinnen voller Eis sind, sucht sich das Wasser andere Wege nach unten (Foto: ld/.rufo)
Dienstag, 16.03.2010
Dachschaden bei Putin: Schneealarm für Beamte
St. Petersburg. Die Schnee-Unbill dieses Winters macht vor nichts Halt: Selbst in die Petersburger Wohnung von Premier Putin auf der Wassili-Insel floss Schmelzwasser. Daraufhin machten die Behörden tabula rasa.
Haus Nr. 17 auf der 2. Linie der Wassili-Insel ist ein Petersburger Altbau wie tausende andere. Mit einem Unterschied: In diesem Haus gehört die Wohnung Nr. 24 Wladimir Putin. Keine besondere, sie hat nur 78 Quadratmeter Fläche – aber es doch die einzige, die er in seiner letzten offiziellen Eigentumsdeklaration aufführte.
Nicht nur in der Größe, auch in einem anderen Aspekt unterscheidet sich diese Wohnung wenig von anderen in der Stadt: Die Schneemassen auf dem Dach und im Hof des betreffenden Hauses waren bislang schlecht bis gar nicht weggeräumt worden – schließlich wohnt dort inzwischen weder Putin noch sonst jemand aus seinem Umfeld.
Schneeschmelze: Bei den Putins wölbt sich das Parkett
Doch letze Woche holte ein Beauftragter des Regierungs-Chefs die monatliche Nebenkosten-Rechnung ab und sah dabei in der leeren Wohnung nach dem Rechten - und war gar nicht amüsiert: Wie die Nachbarn erzählten, hat Schmelzwasser in Putins durchschnittsbürgerlichen Gemächern das Parkett aufgeworfen.
Die Hausgenossen wunderte das nicht weiter: Die anderen Bewohner der obersten Etagen des fünfstöckigen Hauses hatten sich schon mehrfach bei der Hausverwaltung beklagt, dass der tauende Schnee bei ihnen von der Decke tropft.
Unter Petersburgs Blechdächern wird es feucht und nass
Doch nichts geschah - schließlich gibt es dieses Problem allerorten in der Stadt. Als nun jedoch Putins Leibwohnungsverwalter zum Telefon griff, rüttelte dies die kommunalen Dienste der Wassili-Insel jedoch mächtig auf.
Radlader und Muldenkipper statt Schneepflüge - anders ist in diesem Winter dem Schnee nicht beizukommen (Foto: ld/.rufo)
Noch in der gleichen Nacht fuhr eine Schneeräumbrigade vor, die mit der weißen Pracht kurzen Prozess machte: „Vor unserem Haus rückte eine Unmenge Technik an – so etwas haben wir weder hier noch sonst irgendwo im Stadtteil gesehen: Abschleppwagen, kleine und große Traktoren, Bagger, Muldenkipper - etwa 20 Fahrzeuge. Aufs Dach wurde ein Dutzend Alpinisten gejagt. Die ganze Nacht über machte man das Dach piccobello sauber und danach noch der Hof…“ berichteten Putins Hausgenossen der „Nowaja Gazeta“.
Und der Stadtteil-Chef führt die Aufsicht
Besonders amüsierte die Anwohner der Umstand, dass der acht Stunden dauernde Kampfeinsatz vom Stadtteil-Verwaltungschef Wladimir Omelnizki nebst einiger Stellvertreter persönlich beaufsichtigt wurde. Einige Wassili-Insulaner nutzen diesen Umstand, um den Beamten ihre Meinung zur Qualität der Anti-Schnee-Arbeiten an anderen, mit weniger hochrangigen Wohnungsbesitzern gesegneten Adressen zu sagen.
Bei der zuständigen Wohnungsverwaltung will man natürlich nichts davon wissen, dass diese Aktion irgendetwas mit Putin zu tun habe: „Keine höhere Gewalt. In den Wohnungen in der obersten Etage gab es Wassereinbrüche. Deshalb wurde der Schnee entfernt. Tagsüber wurde an anderen Adressen gearbeitet, bis zur 2. Linie kam man eben erst nachts“, so eine dortige Sekretärin gegenüber der Zeitung.
Wenn die Nacht zum Tage wird
In der Tat, derartige mit schwerer Technik ausgestattete Roll- und Räumkommandos kann man zumindest in anderen Petersburger Stadtteilen nachts durchaus einmal antreffen. Aber dass der „Schneeabwurf“ von den Dächern sonst immer nur tagsüber erfolgt, ist durchaus der Erwähnung wert.
Genauso wie der Umstand, dass bislang kaum ein Hinterhof in Petersburg von den aufgehäuften Schneemassen – der Wetterdienst registrierte in diesem Rekordwinter bis letzte Woche immmerhin 2,15 Meter Schnee - befreit wurde. Geschweige denn unter persönlicher Aufsicht eines Stadtteilchefs.
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Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)