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Montag, 26.01.2004
Der Leningrader Tag des Sieges
St. Petersburg. Am 27. Januar jährt sich zum 60. Mal der Tag, an dem die Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg aufgehoben wurde. St. Petersburg begeht das Jubiläum mit einer ganzen Reihe von Feierlichkeiten. Die Überlebenden der Blockade erhalten außer Worten des Dankes eine Medaille und einen einmaligen finanziellen Zuschuss zu ihrer bescheidenen Rente.
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Mehr als eine Million Menschen starben während dieser fast 900 Tage andauernden schwersten Prüfung in der Geschichte der Stadt – die meisten an Hunger. Wie viele es genau waren, weiß bis heute niemand. Klar ist nur, dass die zu sowjetischer Zeit genannte Zahl von 632.253 (sie figurierte erstmals auf dem Hauptkriegsverbrecherprozess 1946 in Nürnberg) zu niedrig angesetzt war.
Heute leben in Petersburg noch 268.000 Menschen, die die Tragödie der Belagerung Leningrads durch die Wehrmachtstruppen erleben mussten. In diesen Tagen sind sie traditionell in Ehren. Auf unzähligen Feiern sind Politiker und Beamte um besonders herzliche Worte für die „Blokadniki“ bemüht.
Anlässlich des runden Jubiläums erhalten die Veteranen in diesem Jahr eine Medaille „Zu Ehren des 60. Jahrestages der vollständigen Befreiung Leningrads von der faschistischen Belagerung“. Die Witwen von während der Verteidigung der Stadt Gefallenen bekommen zudem 450 Rubel ausgezahlt, die Verteidiger Leningrads 900 – einen symbolischen Rubel für jeden Tag der Belagerung. Für viele ist dies ein willkommener Zuschuss zu der meist kargen Rente.
Außer dem traditionellen Salutschießen am Abend des 27. Januar an der Newa finden in diesem Jahr eine Menge Sonderveranstaltungen statt. Bereits am Montag trifft ein Sonderzug aus Moskau mit zwölf Fackeln aus den Heldenstädten ein, die am Grabmal des unbekannten Soldaten an der Kremlmauer entfacht wurden. Nach einem feierlichen Umzug durch die Stadt werden sie im Museum des Denkmals für die heldenhaften Verteidiger Leningrads am Platz des Sieges untergebracht. Am Abend (ab 19 Uhr) wird auf dem Schlossplatz das Mysterienspiel „Kranz der Erinnerung“ gezeigt, das der bekannte Regisseur Alexander Sokurow gemeinsam mit der Ermitage und dem Mariinski-Theater inszeniert.
Am Dienstag finden die traditionellen Kranzniederlegungen auf den Friedhöfen statt, auf denen die Blockadeopfer begraben sind. Die Hauptfeierlichkeiten sind auch in diesem Jahr auf dem Piskarjowskoje-Friedhof im Norden der Stadt angesetzt. Um 11.05 Uhr wird dort eine Schweigeminute ausgerufen, worauf in den Betrieben für kurze Zeit die Arbeit eingestellt wird und der gesamte Nahverkehr (außer der Metro) zum Stillstand kommt.
Um 15 Uhr beginnt im Konzertsaal „Oktjabrski“ ein Festkonzert für die Veteranen, bei dem Russlands Präsident Wladimir Putin eine Rede halten wird. Am Abend werden die Fackeln auf den Rostralsäulen entzündet, wie vor sechzig Jahren wird zu Ehren des Leningrader Siegestages Salut geschossen.
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Unter den vielfältigen Ausstellungen sind zwei von besonderem Interesse, denn sie befassen sich mit der Blockade aus der Perspektive der Belagerer. Die Sicht der Ereignisse von der anderen Seite der Front ist eine neue Facette in der Darstellung der Kriegsereignisse. Die Museums-Bibliothek „Bücher der belagerten Stadt“ am Gagarin-Prospekt zeigt Bücher zum Thema, die in Deutschland erschienen sind und in Petersburg so gut wie unbekannt sind.
Das Museum des Denkmals auf dem Platz des Sieges hat gemeinsam mit dem Petersburger Goethe-Institut die Fotoausstellung „Sologubowka. Russland“ organisiert. Sie zeigt Bilder von der Eröffnung der orthodoxen Mariä-Entschlafens-Kirche auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Sologubowka im Leningrader Gebiet. Und im Theater des jungen Zuschauers ist am 27. und 28. Januar das Stück „Weihnachten 1942“ zu sehen, das auf Briefen von deutschen Soldaten aus Stalingrad basiert. (sb/.rufo)
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