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Unter diesem Logo startet Sonntag in Petersburg das Motorradfahren für die Versöhnung,
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Montag, 14.06.2010

Deutsche und russische Biker fahren für den Frieden

St. Petersburg. Am kommenden Wochenende kommt es zu einem einmaligen Ereignis: Deutsche und russische Motorradfahrer fahren von Petersburg an ehemalige Kriegsschauplätze, um ihren Willen zur Versöhnung zu bekunden.

Die Motorrad-Aktion ist eine Initiative des deutschen Pastors Matthias Zierold, der für die lutherische Petrikirche in St. Petersburg zuständig ist. Selbst ein leidenschaftlicher Motorradfahrer, stellt er nun diesen Event auf die Beine, den es in dieser Form in Russland noch nie gegeben hat.
Im Internet
• Die Website von Motomanija

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Als Mitveranstalter tritt die russische Motorradzeitschrift "Motomanija" auf, die das Leben der "Biker" beleuchtet, wie die Motorradfahrer sich auf neurussisch selbst nennen.

Russland- Aktuell sprach mit Pastor Zierold und erfuhr interessante Einzelheiten zu der Fahrt, die am kommenden Sonntag um 10 Uhr vom Isaakplatz aus startet.

Vater Wjatscheslaw hat die zündende Idee


Eigentlich war ein Motorradgottesdienst vor der Petrikirche am Newski Prospekt geplant, der gemeinsam mit einem orthodoxen Priester abgehalten werden sollte. Aber dem machte die russisch-orthodoxe Kirche einen Strich durch die Rechnung – ein orthodoxer Geistlicher darf keine Liturgie mit einem Lutheraner zelebrieren.

Was also tun? Vater Wjatscheslaw, ein leidenschaftlicher Biker, der eine orthodoxe Gemeinde in Petersburg leitet und der Kirche auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Sologubowka vorsteht, hatte die zündende Idee: Wenn schon keinen Gottesdienst, dann eben einen gemeinsamen Motorkorso.

Pastor Zierold hat viel Erfahrung in der christlichen Motorradarbeit. Das Foto zeigt eine Aktion in Thüringen. (Foto: Zierold)
Pastor Zierold hat viel Erfahrung in der christlichen Motorradarbeit. Das Foto zeigt eine Aktion in Thüringen. (Foto: Zierold)

“Kein zweiter Einmarsch“


Gesagt, getan? Leider nicht, denn nun musste ein Hindernis überwunden werden, mit dem keiner gerechnet hatte. Pastor Zierold hatte sich bei dem Datum – 20. Juni – eigentlich nicht viel gedacht. Es war einfach der einzige Tag, auf den sich die 100 Biker, die aus Deutschland kommen wollen, hatten einigen können.

In Petersburg weckte das Datum jedoch ganz ungute Assoziationen. Am 22. Juni wird jedes Jahr des Überfalls Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion gedacht. Und ausgerechnet dann wollen deutsche Biker die Stadt unsicher machen?

Bei Russland-Aktuell
• Drittes Internationales Biker-Treffen mit Miss-Wahl (20.06.2007)
• Kaliningrad: 150.000 Zuschauer bei Biker-Treffen (07.08.2006)
• Moskauer Sommer: PS-Monster und Motorrad-Bräute (02.08.2005)
• Moskauer Biker überrollen St. Petersburg (08.08.2003)
• Mit Vollgas für den Herrn (24.06.2003)
„Die befürchteten so was wie einen zweiten Einmarsch“, sagt Matthias Zierold. „Das ist in Russland ein ganz emotionales Datum, dabei hatte ich mir nichts Böses dabei gedacht.“ Es bedurfte viel Überzeugungsarbeit – auch und gerade seitens der Partnerstadt Hamburg -, um die Petersburger Stadtregierung von Sinn und Zweck der Aktion zu überzeugen.

Die hatte am Anfang ganz erschrocken gefragt: "Was ist denn das - ein Motorradgottesdienst?" Vielleicht sollte Hamburg seinen Partner demnächst einmal einladen, wenn Zehntausende Biker am Michel den legendären MoGo zelebrieren...

Gedenken an die Opfer des Krieges


Denn eigentlich passt das Datum doch hervorragend für eine Veranstaltung, die sich als Geste der Versöhnung versteht. Davon zeugen auch die Schauplätze, die besucht werden. Nach einem Motorkorso über Petersburgs Hauptstraße geht es Richtung Ladoga-See, an den einstigen Brückenkopf von Newskaja Dubrowka.

Während der Belagerung von Leningrad im Zweiten Weltkrieg fielen hier hunderttausende Sowjetsoldaten in erbitterten Kämpfen mit der deutschen Wehrmacht. Am Kriegerdenkmal, das an diese blutigen Ereignisse erinnert, wird Vater Wjatscheslaw eine kurze Gedenkandacht zelebrieren.

Wer mitmachen will, sollte…
…am 20. Juni um 9 Uhr zum Isaak-Platz kommen und sich anmelden. Voraussetzung ist ein eigener Helm. Wer einen Sozius braucht, kann am Samstag um 18 Uhr in den Wochenschluss-Gottesdienst in der Petrikirche kommen und Kontakt aufnehmen. Dort gibt es am Abend zudem das Sommerfest des Petersburger Goethe-Instituts.
In Petersburg ist an diesem Wochenende übrigens „der Bär los“ – die Weißen Nächte erreichen ihren ultimativen Höhepunkt (Sommersonnenwende), die Schulabgänger feiern in der Nacht auf Sonntag ihr Riesenfest „Alyje parusa“. Über den Newski flaniert die halbe Stadt und keiner geht ins Bett. Herzlich willkommen!
Danach fährt der Tross weiter nach Sologubowka. Dort steht ein Besuch des Friedensparks und des deutschen Soldatenfriedhofs an. Im Anschluss gibt es eine Konzert und eine gemeinsame Mahlzeit. Pastor Zierold hofft, dass sich dabei ein reger Erfahrungsaustausch ergibt und sich die Teilnehmer näher kennenlernen.

Gruß aus Hamburg


In Sologubowka ist dann auch hoher Besuch angesagt: Es kommen die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen, der deutsche Generalkonsul in St. Petersburg, Peter Schaller, sowie Vertreter der Petersburger Stadtregierung.

Und noch einmal zu Hamburg: Aus Petersburgs Partnerstadt kommt eine ganze Gruppe Biker, die eine richtige Motorradgottesdienst-Tournee unternimmt. Erst gestern ging der berühmte MoGo am Michel über die Bühne, nächstes Wochenende sind sie in Petersburg dabei, und dann fahren sie nahtlos weiter zum Motorradgottesdienst in Kiel am 27. Juni, wo sie Grüße aus Russland übermitteln werden.

Ängste vor Chaoten und Betrunkenen


Aus Deutschland werden 80 Motorräder erwartet, insgesamt 100 Personen. Manche sind schon angekommen, andere sind noch unterwegs, weitere starten in dieser Woche. Wie viele russische Teilnehmer es im Endeffekt geben wird, weiß auch Pastor Zierold nicht.

„Es wurde nicht viel Werbung gemacht, aus Angst vor Chaoten und Hooligans“, sagt er. Man merkt in jedem Detail, dass eine solche Aktion für Russland etwas ganz Neues ist. Und doch hofft der Pastor, dass sich daraus eine Tradition entwickeln kann: „Es ist auf jeden Fall ein schöner Startpunkt für eine jährliche Aktion.“

Seine Gemeinde ist übrigens „ganz begeistert und neugierig“. Dem Tross aus Motorrädern werden dann auch ein paar Kleinbusse folgen – mit Gemeindegliedern an Bord, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollen.



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