Mittwoch, 11.03.2009

Deutsches Architekturbüro baut Uferstraße Europas

Klassische Fassaden zur Newa hin: Der Siegerentwurf für die Europa-Uferstraße. (Foto: fontanka.ru)
St. Petersburg. Das deutsch-russische Büro „NPS Tschoban Voss“ hat den Zuschlag für die Europa-Uferstraße bekommen. Der ausgewählte Entwurf ist aufgerufen, „die architektonischen Traditionen Petersburgs fortzusetzen“.
Jewgeni Gerassimow und Sergej Tschoban, zwei in Deutschland ansässige Petersburger, standen eigentlich schon als Sieger fest, bevor die Jury am Dienstag nach fünfstündiger Sitzung ihr Urteil fällte.

Administrative Hebel

Teilnehmer an der Prozedur sprachen von „administrativen Ressourcen“, die da eingesetzt wurden, oder deutlicher ausgedrückt: Sergej Matwijenko, Sohn der Gouverneurin, hatte im Vorfeld offen seine Sympathie für den Entwurf des Architekturbüros „NPS Tschoban Voss“ bekundet.

Matwijenko ist zudem Chef des Projekt-Auftraggebers „VTB-Development“. Dieser Ableger der russischen Außenhandelsbank finanziert bereits ein anderes Projekt von Tschoban und Gerassimow in St. Petersburg: Das neue Newski-Rathaus neben dem Smolny. Trotz der Krise soll im Herbst 2009 mit dem Bau dieses Objekts begonnen werden.

Fertig, wenn die Krise vorbei ist

Inwieweit die Finanz- und Wirtschaftskrise sich auf die Umsetzung der Bebauung der Europa-Uferstraße an der Kleinen Newa auswirken wird, kann natürlich niemand einschätzen. Andrej Kostin, Leiter der VneshTorgBank und Mitglied der Jury, scherzte: „2016, wenn die Wirtschaftskrise vorbei ist, wird alles fertig sein“. Und bemerkte: „Ich denke aber, die Krise ist früher vorbei.“

Tatsächlich ist geplant, spätestens 2015 den Tanzpalast für die Ejfman-Balletttruppe zu beenden und 2016 dann den Gesamtkomplex aus Elitewohnungen, Geschäfts- und Bürohäusern, Hotels und einem unterirdischen Parkhaus fertig zu stellen.

Der Tanzpalast wird das Zentrum der ganzen Anlage bilden; für ihn wird ein Extrawettbewerb ausgeschrieben, der Ende März ausgerufen wird. Der Palast soll als erstes vollendet sein, „weil der Maestro schon so lange wartet“, wie Kostin es formulierte.

Botta geht wieder leer aus

Die drei ausländischen Architekturbüros – Mario Botta aus Lugano, Jose Rafael Moneo aus Madrid und David Chipperfield aus London – hatten bei der Wahl der besten Variante für die Europa-Uferstraße das Nachsehen. Leer ging auch das Petersburger „Studio 44“ von Nikita Jawejn aus.

Damit verpassen sie die Chance, „in Zukunft in einer Reihe mit Rossi und Rastrelli" genannt zu werden, wie Valentina Matwijenko es formulierte. Für Mario Botta ist die Pleite besonders bitter, denn er scheitert in St. Petersburg zum wiederholten Mal.

Er trägt es aber durchaus mit Humor. Es sei für ihn kein Problem und er werde gleich am kommenden Wettbewerb um den Tanzpalast teilnehmen. Warum? „Weil mir die Stadt und die Frauen in ihr gefallen.“