 |
|
| Die Petersburger Katze sechzig Jahre nach Aufhebung der Belagerung. Foto: Deeg | |
Mittwoch, 21.01.2004
Ein Denkmal für die Blockade-Katze
St. Petersburg. Am 27. Januar jährt sich zum 60. Mal der Tag der endgültigen Aufhebung der Belagerung von Leningrad im Zweiten Weltkrieg. Aus diesem Anlass finden in St. Petersburg bereits in dieser Woche viele Feiern statt. Aber nicht nur der menschlichen Opfer und Überlebenden dieser Tragödie wird gedacht. Schüler schlagen jetzt vor, der Blockade-Katze ein Denkmal zu setzen.
|
|
Die Idee kommt nicht von ungefähr. Noch vor Aufhebung der Blockade sollen 1943 vier Eisenbahnwaggons voller Katzen aus dem Gebiet Jaroslawl an die Newa befördert worden sein. Ihre Aufgabe war der Kampf gegen die ungeheure Rattenplage in der Stadt. Da alle Katzen im grausamen Hungerwinter 1941/1942 aufgegessen worden waren, konnte man der Nager nicht mehr Herr werden, die alles Essbare verschlangen und die Gefahr einer Seuche heraufbeschworen.
Historisch belegt ist der Katzen-Import nicht, schreibt die Tageszeitung „Iswestija“. Der Kunstlehrer Alexander Miljukow war jedoch Augenzeuge, wie die Menschen Schlange standen, um eine Katze zu ergattern: „Sie waren sofort vergriffen, und viele gingen leer aus.“ Selbst das damals so rare Brot wurde gegen die begehrte „Ware“ getauscht.
Miljukows Schüler im Rehabilitations-Zentrum „Detskije Djuny“ kamen dann auch auf die Idee, der Blockade-Katze ein Denkmal zu setzen. Über fünfzig Entwürfe wurden bereits angefertigt. „Ich habe einen Kater auf einem Sack Getreide mit einer Ratte im Maul gezeichnet“, sagt die 16jährige Katja Woloschina. „Das ist kein verwöhnter Hauskater. Er ist ein wenig struppig, vom Leben gebeutelt und stark.“
|
Miljukow meint, das Denkmal passe an jeden beliebigen Ort in der Stadt, aber am besten stände es dort, wo während der Belagerung Mehlsilos waren. Der Sockel solle nur so hoch sein, dass Kinder es bequem betrachten könnten. Dann könnten Omas mit ihren Enkeln dort vorbeispazieren und erzählen, wie die Katzen die Leningrader davor bewahrten, dass die Ratten ihnen das letzte Brot wegfraßen.
Ob die Geschichte mit der Katzen-Einfuhr stimmt oder nur eine Legende ist, interessiert die jungen Künstler aus Djuny überhaupt nicht. „Wenn das nicht wahr ist, woher kamen denn die Katzen in Leningrad gleich nach dem Ende der Blockade?“
Über die Feiern anlässlich des 60. Jahrestages der Aufhebung der Belagerung wird aktuell.ru zu Beginn nächster Woche ausführlich berichten. (sb/.rufo)
|
|
|
|
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>