Mittwoch, 21.09.2005

Ein humanes Leben für obdachlose Tiere?

Ob es den Straßenhunden im Tierheim besser gefällt, muss bezweifelt werden (Foto: Swetlizki/.rufo)
St. Petersburg. Den Petersburger streunenden Hunden und Katzen droht nicht mehr die Todesspritze. So will es ein von der Stadtregierung verabschiedetes Konzept. Doch die Probleme sind keineswegs aus der Welt.
Laut Juri Andrejew, dem Leiter des städtischen Veterinärdienstes, gibt es heute etwa 5.000 obdachlose Hunde und Katzen in der Stadt. Entgegen früher diskutierter Vorhaben, die Tiere einzufangen und einzuschläfern, wurde nun beschlossen, sie zu sterilisieren und wieder auszusetzen. Nur Tiere, die Krankheiten übertragen könnten, sollen getötet werden.

Wie die Tiere, so die Menschen

Gouverneurin Valentina Matwijenko plädierte am Dienstag bei einer Sitzung der Stadtregierung für eine humane Umgangsweise mit den streunenden Vierbeinern. Mit den Worten: „Wenn wir uns human gegenüber heimatlosen Tieren verhalten, wird es bei uns auch keine obdachlosen Menschen mehr geben“, brachte sie eine der dringendsten sozialen Fragen der Megapolis auf den Punkt, denn im Verhältnis zu „Randgruppen“ dieser oder jener Art spiegelt sich der Zustand der modernen Gesellschaft wider.

Petersburg verfügt zurzeit lediglich über in einziges Tierheim, ein zweites ist im Bau. Die Diskussion um den Bau eines dritten Asyls will die Gouverneurin erst einmal beenden und abwarten, wie sich die Lage nach der Inbetriebnahme des zweiten Hauses gestalten wird.

Das Tierheim ist indessen bereits zur Zielscheibe der Kritik geworden, da Unterbringung und Verpflegung Einiges zu wünschen übriglassen. Kein Wunder, dass manche Tierliebhaber in ihren Wohnungen „Privatasyle“ eingerichtet haben. Derartige Eigeninitiativen führen natürlich zu Konfrontationen mit den Nachbarn, für die die Massenansammlung von Hunden und/oder Katzen zu einem ständigen Ärgernis werden.

Petersburg bekommt endlich einen Tierfriedhof

Ein weiteres Problem ist bisher die illegale Beisetzung von Tierkadavern auf dem Territorium der Stadt (russland-aktuell berichtete). Inzwischen wurde jedoch ein sechs Hektar großes Gelände für einen Tierfriedhof bereitgestellt, und auch ein Investor, der die veranschlagten 2,5 Millionen Dollar bereitstellen will, ist bereits gefunden.

(sb/.rufo)