|
Mittwoch, 14.11.2001
Elbflorenz und Nordvenedig – Freundschaft ewig!
St. Petersburg (sb) Genau 40 Jahre ist es her, seit (damals noch) Leningrad und Dresden im Herbst 1961 ihre Städtepartnerschaft schlossen. Aus diesem Anlass machte sich eine 50köpfige Delegation von der Newa auf an die Elbe, um erstens gebührend zu feiern und zweitens neue Wege ausfindig zu machen, wie man die etwas schläfrigen Beziehungen wieder auffrischen könnte.
|
|
Dresden gehörte damals zu den ersten Städten, mit denen Leningrad in partnerschaftliche Beziehungen trat. Eine Rolle spielte dabei sicherlich die von oben angeordnete Versöhnung zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern. Beide Städte hatten im Zweiten Weltkrieg erheblichen Schaden davon getragen, beide waren Kulturmetropolen ihrer Länder und auch die Struktur ihrer Industrie wies gewisse Parallelen auf. Da war es eher zweitrangig, dass die Stadt an der Newa als „nördlichste Millionenstadt der Welt“ gleich zehn Mal so viele Bewohner aufwies wie ihre (dafür fast drei Mal so alte) Schwester an der Elbe.
In DDR- und Sowjetzeiten lief alles reichlich glatt – regelmäßige „Tage der Freundschaft“, direkte Kontakte zwischen Unternehmen und Kulturaustausch waren an der Tagesordnung. In Leningrad erschien eine Dresdner Strasse auf dem Stadtplan, in Dresden dementsprechend eine Leningrader Strasse. Doch trug dies wenig zum lebendigen Austausch und zur Freundschaft auf persönlicher Ebene zwischen den Einwohnern beider Städte bei, sondern behielt einen offiziösen, leicht staubigen Beigeschmack.
Mit der Perestroika schlief dann auch diese Art der Kommunikation ein. 1991 schickten die Dresdner den Leningradern Lebensmittelpakete, aber ansonsten waren beide Seiten zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie Freundschaft hätten pflegen können. Das Überleben im grossen Umbruch war jahrelang der erste Punkt auf der jeweiligen Tagesordnung.
Nun soll alles anders werden – die aktiv gepflegte Städtepartnerschaft mit Hamburg gibt schliesslich ein Vorbild. Oberbürgermeister Ingolf Rossberg und Vize-Gouverneur Michail Michailowski sind wild entschlossen, frischen Wind in die gealterte Freundschaft zu bringen. Bei dem jetzigen Treffen in Dresden sind außer Vertretern der Stadtregierungen Geschäftsleute und Hochschuldirektoren dabei – alle auf der Suche nach neuen Partnern. Eine Russisch-deutsche Kooperationsbörse knüpft bereits Kontakte zwischen Unternehmen. All das wird von Konzerten und Kunstausstellungen umrahmt.
Zu den Zukunftsplänen gehört u.a. eine ständige Vertretung Dresdens und ein Handelszentrum in St. Petersburg. In Dresden zerbricht man sich derweil den Kopf, welchen Beitrag es zu den anstehenden 300-Jahr-Feiern der Gründung von Petersburg leisten könnte. Den Petersburgern steht ähnliches bevor, denn das 800. Stadtjubiläum von Dresden wird im Jahre 2006 folgen.
|
|
|
|
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>