Trotz Timoschenko: Polen und Ukraine erwarten gute EM
Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
Startseite


Politisch motivierte Gewalttaten gegen junge Linke häufen sich. (Foto: stop-it.narod.ru)
Politisch motivierte Gewalttaten gegen junge Linke häufen sich. (Foto: stop-it.narod.ru)
Freitag, 18.11.2005

Entsetzen nach Tod eines jungen Antifaschisten

St. Petersburg. Am Sonntag wurde der Petersburger Student Timur Katscharawa auf offener Straße durch Messerstiche getötet – weil er Antifaschist war, sagen seine Kommilitonen. aktuell.RU erhielt ihren Offenen Brief.


Nach zahlreichen rassistischen Übergriffen auf Ausländer häufen sich in St. Petersburg nun politisch motivierte Gewalttaten gegen junge Linke und Antifaschisten: Am Mittwoch wurde eine Gruppe von jungen Leuten, die auf dem Rückweg von einer Veranstaltung zum „Tag der Toleranz“ war, in der Metrostation Tschernyschewskaja von anderen Jugendlichen angegriffen. Fünf Personen wurden verletzt. Die Angegriffenen gehören zur National-Bolschwistischen Partei (NBP), der „Avantgarde der Roten Jugend (AKM) und der Partei „Jabloko“.

Neutral aussehendes Prügel-Kommando

Wie die Zeitung „Kommersant“ heute berichtet, trugen die Angreifer schwarze Jacken und Kapuzenpullis, aber keine Erkennungszeichen. Sie hätten auch nicht wie Skinheads ausgesehen. Einer von ihnen hätte vor der Schlägerei noch gefragt: „Seid ihr die Nationalbolschewiken?“

Student vor Buchgeschäft getötet

Tragisch verlief jedoch ein ähnlicher Vorfall am Sonntag Abend: Zwei Petersburger Studenten und Antifaschismus-Aktivisten wurden auf offener Straße von Altersgenossen brutal angegriffen. Einer von ihnen, der 20 Jahre alte Timur Katschavara, starb nach fünf Messerstichen in den Hals noch am Tatort. Die Täter flohen und konnten bislang nicht ermittelt oder gefasst werden.

Timur Katscharava (Foto: stop-it.narod.ru)
Timur Katscharava (Foto: stop-it.narod.ru)
Die Redaktion von aktuell.RU erhielt heute einen auf Deutsch verfassten offenen Brief seiner Kommilitonen. Sie fordern alle Mitfühlenden auf, sich am Montag, den 21.11. (dem in Russland dafür traditionellen 9. Tag nach dem Tode eines Menschen) ab 18 Uhr am Tatort gegenüber der Metro-Station „Ploschtschad Wosstanija“ schweigend zum Gedenken an den jungen Pazifisten zu versammeln.

Offener Brief von Petersburger Studenten

„Am Sonntag, den 13. November, gegen 19 Uhr wurde bei der U-Bahnstation Wosstanija der Student der Philosophischen Fakultät der St. Petersburger Staatlichen Universität Timur Katscharava (geb.1985) von einer Gruppe von Jugendlichen (10-12 Leute) ermordet. Sonntags in der Stadtmitte, vor der Tür einer Buchhandlung, wo es immer sehr viele Leute gibt.

Timur, der an fünf Messerstichen in den Hals gestorben ist, war Musiker. Vor zwei Wochen war er von einer Gastspielreise nach Finnland und Schweden heimgekehrt. Er hatte an der Universität eine \\"Antifa\\"-Gruppe organisiert und war immer gegen Gewalt, Nazismus und Faschismus aufgetreten. 30 Minuten, bevor er ermordet wurde, hatten die Antifas ihre sonntägliche Aktion \\"Food not Bombs\\" im Zentrum der Stadt beendet, bei der sie warmes Essen an Obdachlose ausgegeben hatten. Timur hatte immer an verschiedenen Friedensbewegungen teilgenommen.

zum Gedenken:
• Webseite (achtsprachig) zum Gedenken an Timur Katscharava

aktuell.RU ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.
Sein Freund, der mit ihm war, wurde schwer geschlagen, blieb aber am Leben. Jetzt ist er im Krankenhaus. Wir wünschen ihm gute Besserung.

Zuerst hieß es in den Nachrichten nur, es sei ein Student der Staatlichen Universität getötet worden. Und kein Wort darüber, dass es ein Mord mit nazistischen Hintergrund war. Schrecklich ist, dass dies so vielen einfach egal ist. Sie werden vielleicht denken, er hätte selbst an einer Schlägerei teilgenommen.

Sie werden nie erfahren, dass Timur ein normaler Mensch war, kein Besessener, sondern vernünftig und ruhig. Agressiv konnte er einfach nicht sein. Danach kam in fast allen Nachrichtensendung etwas, auch Interviews mit seinen Freunden. Doch wenige von ihnen haben gewagt, etwas vor der Kamera zu sagen. Alle haben jetzt Angst.

An dem Ort, wo er getötet wurde, versammeln sich jeden Abend Studenten und andere Bürger. Man bringt Kerzen und Blumen. An der Wand des Gebäudes steht jetzt schwarz geschrieben "Timur, wir werden dich nie vergessen" und ein Vogel wurde hingezeichnet. Wir waren dort am Sonntag in der Nacht. Am Dienstag gab es dort schon sein Foto und Blumen. Um 18 Uhr kamen viele Leute dorthin. Viele von uns waren auch dabei.

Bei Russland-Aktuell
• Adoptionen durch Ausländer werden erschwert (29.06.2005)
• Knapp eine Million Ausländer illegal in Moskau (23.09.2005)
• Mordserie an ausländischen Studenten geht weiter (11.10.2005)
• Moskau: Erneut Ausländer auf der Straße getötet (31.10.2005)
Am Montag hat man das in den Nachrichten gezeigt, gestern und heute auch. In vielen Zeitungen gibt es jetzt kleinere und größere Artikel. An der Philosophischen Fakultat gibt es eine Gedenkstelle, dort liegen Blumen und es brennen Kerzen. An verschiedenen Fakultäten der Staatlichen Universität hat man sein Bild und einen Nekrolog aufgehängt. Man versucht alles zu machen, um nicht zu vergessen und nicht locker zu lassen. Natürlich, was passiert ist, kann nicht mit Worten beschrieben werden.

Vor allem war Timur einer von uns, ein Student, ein Jugendlicher, danach ein Russe und zudem noch Pazifist und Antifaschist. Er war sogar Vegetarianer und hat keiner Fliege etwas zuleide getan.

Das betrifft uns alle, man darf es nie vergessen.

Am Montag, den 21. November, kommen alle, die nicht gleichgültig sind, ab 18 Uhr zum Tatort (Ligowski Prospekt, bei der Buchhandlung \"Bukwojed\") und bringen Blumen und Kerzen mit. Um zusammen zu schweigen und an das Geschehen zu denken.

Studenten der Staatlichen Universität St. Petersburg

(-ld/rufo)


Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Freitag, 18.11.2005
Zurück zur Hauptseite







Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)




Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Petersburg intern
Schnelle Stadtnachrichten

24.05.2012Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
24.05.2012Alu-Zar Deripaska verliert Petersburger Großprojekt?
24.05.2012Vergewaltigtes Kind im Müllschlucker: 22,5 Jahre Haft
22.05.2012SPb.: Aus für Europa-Uferstraße und Ejfmans Tanzpalast?
18.05.2012Falschparken wird in St. Petersburg richtig teuer
17.05.2012SPB: Angriff auf Schwulen-Aktion trifft Gastarbeiter
17.05.2012USA zu Auslieferung von Viktor But prinzipiell bereit
15.05.2012Öffentlicher Nahverkehr in Petersburg wird teurer
15.05.2012Petersburg: „Kommunalkas“ noch im 22. Jahrhundert?
14.05.2012Bau von Petersburger Chinatown um drei Jahre verlängert
10.05.2012Erdölmagnat kauft Petersburger Flugterminal Pulkovo-2
09.05.2012Tag des Sieges – große Feiern in ganz Russland
04.05.2012Lenoblast vor Gouverneurs-Wechsel: Serdjukow muss gehen
04.05.2012Erstes Urteil wg. „Schwulenpropaganda“ in Petersburg
03.05.2012G20: Petersburger Konstantinpalast wird herausgeputzt

Mehr Petersburg bei www.petersburg.aktuell.ru >>>


Schnell gefunden
Petersburg Kultur
Petersburg Wirtschaft
Petersburg Architektur
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH








Die Top-Themen
St.Petersburg
Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
Kopf der Woche
Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi
Kommentar
G-8 u ASEAN: russische-amerikanische Beziehungsprobleme
Moskau
Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche
Thema der Woche
Ämtertausch vollendet: Medwedew ist Premierminister
Kaliningrad
AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Freitag, 25. Mai
01:03 

Russland Geschichte: Aus finstersten Tiefen

Donnerstag, 24. Mai
18:22 

ESC: udmurtische Äffin sagt Sieg der Babuschki voraus

17:57 

Russland verliert Raketen-Radarstation in Aserbaidschan

17:22 

Trotz Timoschenko: Polen und Ukraine erwarten gute EM

16:14 

Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns zeigen!“

15:04 

Alu-Zar Deripaska verliert Petersburger Großprojekt?

13:58 

Minister verspricht Abschleppdienst per Helikopter

12:42 

Irak: Vier russische Biker sitzen in Militär-Gefängnis

12:13 

Vergewaltigtes Kind im Müllschlucker: 22,5 Jahre Haft

10:53 

Kremlwache kauft Atomschlag-sichere Kinder-Wiegen

09:23 

Demonstrantenführer Udalzow wieder auf freiem Fuß

01:03 

Geschichte Russland: Die „Aurora“ läuft vom Stapel

Mittwoch, 23. Mai
18:23 

Moskauer sollen eigene Speakers Corners bestimmen

17:53 

Ukraine lehnt Behandlung von Häftlingen im Ausland ab

17:13 

Verletzte bei Bruchlandung von Militärflugzeug

16:24 

Vor der EM: Sportjournalist pöbelt über Nationalspieler

15:11 

Tschetschenische Saurier-Eier sind profane Steine

13:51 

Kapitalflucht aus Russland kann auf 100 Mrd. USD steigen

12:35 

Anti-Alkoholkampagne: Wodka in Jakutien nur nachmittags

12:04 

Rosneft-Boss Setschin – der Mann, der Yukos beerbte

10:20 

Russlands Pop-Omas singen sich ins Finale des ESC

08:53 

Gorbatschow dementiert Gerüchte über seinen Tod

01:03 

Russland Geschichte: Schachkönig Karpow geboren

Dienstag, 22. Mai
18:33 

Späte Wiedergutmachung: Beutekunst zurück in Russland

17:55 

Studienplätze: Bildungsminister hat schlechten Einstand

17:22 

Medwedew jetzt offiziell Mitglied der Kreml-Partei

16:09 

Ukrainische Fußballerfrauen: sexy Posen für den Sieg!

15:17 

SPb.: Aus für Europa-Uferstraße und Ejfmans Tanzpalast?

13:41 

Viermal lebenslänglich im Prozess um Zuganschlag

12:49 

Medwedew führt Regierung der Stellvertreter an

11:15 

Alte Minister erhalten warmes Plätzchen bei Putin

10:11 

Gouverneur von Karelien Nelidow vorzeitig entlassen

09:04 

Weltkriegsveteran tötet Einbrecher im Handgemenge

01:03 

Geschichte Russland: Tretjakow-Galerie gegründet

Montag, 21. Mai
19:16 

Olympia in London: Kein Wodka im Beisein von Sportlern

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com