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Wohin die Newa fließt ist klar,doch wohin flossen die aus der Eremitage gestohlenen Exponate? (Foto: ld/rufo)
Wohin die Newa fließt ist klar,doch wohin flossen die aus der Eremitage gestohlenen Exponate? (Foto: ld/rufo)
Montag, 14.08.2006

Eremitage-Raub: Spuren der Beute nach Deutschland?

St. Petersburg. Ein Zehntel der aus der Eremitage gestohlenen Exponate ist inzwischen wieder aufgetaucht. Als mutmaßlicher Initiator des Kunstdiebstahls wird jetzt ein Historiker und Deutschland-Fachmann verdächtigt.

Ein Unbekannter hat heute vor einer für Kunstfahndung zuständigen Polizeiwache ein Paket mit einem vierteiligen Silber-Service abgelegt, das zu den aus der Eremitage verschwundenen 221 Exponaten gehört. Damit stieg die Zahl des von Antiquitätenhändlern und anonym gebliebenen Besitzern zurückgegebenen Diebesgutes auf 21.

Angeblicher Initiator ein Universitätsdozent


Die Ermittlungen führen unterdessen zu immer neuen Erkenntnissen und auch Verdächtigen: Am Donnerstag wurde ein 38 Jahre alter Geschichtsdozent der Staatsuniversität festgenommen. Er soll nach Aussagen des Ehemanns der für den gestohlenen Bestand zuständigen und inzwischen gestorbenen Museumskuratorin das Ehepaar Sawadski 1997 zum Diebstahl der wertvollen Museumsstücke angestiftet haben.

Bei Russland-Aktuell
• Hauptverdächtiger des Eremitage-Raubs festgenommen (11.08.2006)
• Diebstahlserie in Russlands Museenwelt (11.08.2006)
• Eremitage-Raub-Verdächtiger in U-Haft verletzt (09.08.2006)
• Eremitage-Raub: Zwei Verdächtige festgenommen (08.08.2006)
• Eremitage-Raub: Ikone aus dem Müll gezogen? (04.08.2006)
Zwei Jahre lang soll der damalige Arbeitskollege Sawadskis den Verkauf der aus der Eremitage herausgeschmugelten Exponaten übernommen haben, bevor sich die „Geschäftspartner“ zerstritten. Sawadski selbst gestand bereits den Verkauf von 53 Objekten an Petersburger Leihhäuser und Antiquitätengeschäfte.

Der Historiker bestreitet allerdings sein Schuld und sicherte den Ermittlern seine volle Unterstützung bei der Aufklärung des spektakulären Kunstraubs zu. Da es sich bei ihm um einen Fachmann für deutsch-russische Beziehungen handelt, der entsprechend oft auch dienstlich nach Deutschland reiste, mutmaßt die „Iswestija“ heute, dass ein Teil der Beute auch auf diesem Weg außer Landes gebracht wurde – vorausgesetzt, der Vorwurf gegen den Geschichtskenner erhärtet sich.

Kustodin soll selbst Kunstwerke verkauft haben


Aus den Aussagen eines Petersburger Antiquitätenhändlers, der ebenfalls ein Beutestück zurückgab, ergab sich unterdessen, dass die zu Beginn der Überprüfungen in ihrem Bestand an einem Herzschlag gestorbene Eremitage-Mitarbeiterin Larissa Sawadskaja mehrfach selbst Kunstobjekte zum Kauf angeboten habe. Sie hätte dabei behauptet, die Wertgegenstände stammten aus dem Besitz eines Bekannten, der nach einem Autounfall viel Geld für seine Behandlung benötige.

Piotrowski entschuldigt sich


Der Händler gab an, keine Ahnung davon gehabt zu haben, dass eine Museumsmitarbeiterin vor ihm stand.

Eremitage-Direktor Michail Piotrowski bat heute auf einer Sitzung des russischen Museumsverbandes seine kollegen um Verzeihung für das Geschehen. Seinen freiwilligen Rücktritt hat Piotrowski aber schon vor einigen Tagen ausgeschlossen.

(ld/.rufo)


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