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| Die Eröffnungsfeier ließ vergessen, dass man sich hier auf einem Kranenhaus-Areal befindet (Foto: eva/rufo) | |
Mittwoch, 24.10.2007
Erstes russisches Wohnheim für Aidswaisen eröffnet
St. Petersburg. In der Infektionsklinik Ust-Ischora bietet nun ein Kinderwohnheim HIV-positiven Waisenkindern ein würdiges Zuhause. Der Bau ist auch ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Verständnis für Aidskranke.
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Die Feier begann mit einem Auftritt der Kinder – kleine Matrioschkas und Matrosen tanzten zu Klaviermusik durch den Saal und eroberten mit ihrem Charme im Sturm alle Zuschauerherzen. Äußerlich sind es ganz normale Kinder, die singen, und lachen – der lebensgefährliche HIV-Virus, den jedes von ihnen in sich trägt, ist unsichtbar.
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| Chefarzt Ewgeni Woronin ist faktisch der Vater des ganzen Heimes (Foto: eva/rufo) |
„Jedes dieser Kinder hat vermutlich mehr in seinem Leben durchgemacht als die meisten hier im Saal“, begann der Chefarzt der Klinik Ewgeni Woronin seine Ansprache, in der er von jenen Kindern erzählte, die nach der Geburt abgelehnt wurden, deren Eltern an Aids starben oder die wegen sozialer Probleme von ihnen weggenommen werden mussten.
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Kindern ohne Nestwärme
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| Der neue Wohntrakt bietet den HIV-Kindern eine würdige Unterkunft (Foto: eva/rufo) | |
Aus allen Teilen Russlands wurden sie zur vorübergehenden Behandlung in das Hospital geschickt, das bis zu 130 Plätze bietet. Während andere Kinder jedoch von ihren Eltern oder Verwandten nach der Behandlung abgeholt wurden, wussten sie nicht, wohin sie zurückkehren sollten. Dem Gesetz nach sind russische Kinderheime und Waisenhäuser zwar zur Aufnahme verpflichtet, doch häufig weigern sie sich, HIV-infizierte Kinder in ihre Obhut zu nehmen. Die Chancen, Adoptiveltern zu finden, stehen für sie ebenfalls denkbar schlecht.
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Da die Waisen oft starke Verhaltensstörungen aufwiesen, versuchte man einige von ihnen als „geistig behindert“ in Heime abzuschieben. „Sie konnten nicht lächeln“, so Jewgeni Woronin, „Sie kannten das einfach nicht, näherte man sich ihnen doch überall nur mit dem Mundschutz. „Nach etwa zwei Monaten in unserer Betreuung konnten wir uns dann über das erste Lächeln freuen,“ sagt der Chefarzt des Krankenhauses über seine Schützlinge. „Es ist fast unvorstellbar, welche Kräfte ein Kind freisetzt, wenn es Liebe und Zuneigung erhält.“
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Medizin hat große Fortschritte gemacht
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Woronin wies außerdem auf die großen Fortschritte in der Behandlung von Aids hin, die dank der Forschung gemacht werden konnten: „Bei einem Kind aus unserer Klinik war die Behandlung so erfolgreich, dass der Virus kaum mehr nachgewiesen werden konnte.“
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| jochen Seefried aus München sammelte das Geld für den Bau (Foto: eva/rufo) | |
Unter den Gästen war auch ein hoch zufriedener Jochen Seefried, der vor fünf Jahren erstmals mit dem Schicksal der Kinder konfrontiert wurde und sich seither mit aller Energie bemühte, im Rahmen des Münchner Fonds „HIV-Waisenkinder e.V.“ das Geld für ein neues Zuhause aufzutreiben. Das Projekt fand die Unterstützung der„Sir Peter Ustinov Stiftung“, die sich mit 800.000 Euro beteiligte.
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Zu Ehren des 2004 verstorbenen Schauspielers, dessen Sohn Igor ebenfalls an der Feier teilnahm, trägt das Haus den Namen „Sir Peter Ustinov Waisenhaus“. 25 bis 30 Kinder im Vorschulalter leben von nun an unter der Obhut von Ärzten und Pädagogen in dem neuen Trakt – jedes von ihnen kriegt ein eigenes Zimmer. Für die medizinische Versorgung der HIV-infizierten Kinder sorgt aber weiterhin der russische Staat.
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Prominent besetzte Feier
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Neben dem „Schutzengel“ von Sir Peter Ustinov wacht auch das Uno-Kinderhilfswerk Unicef über die Aidswaisen. Welch hohen Stellenwert die Klinik für die internationale Organisation einnimmt, bewies die prominente Abordnung, die an der Eröffnung teilnahm. Neben dem Unicef-Beauftragten für Russland und Weißrussland Karel de Roy nahm auch die ehemalige Miss Universe und Unicef-Botschafterin des guten Willens, Oxana Fjodorowna, an der Veranstaltung teil.
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Die engagierte Schönheitskönigin nahm in ihrer Ansprache kein Blatt vor den Mund. Dieses Wohnheim habe mit deutschen Privatgeldern finanziert werden müssen, weil der russische Staat und die Gesellschaft die Krankheit und seine Opfer ignorierten.
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Sie wünsche sich, dass auch jene Russen, die vermögend seien, in Zukunft vermehrt ihre soziale Verantwortung wahrnehmen würden.
(Miriam Voerkelius/ Eugen von Arb/SPZ)
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