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Dussmann übernahm im viertel Kolomna die Zuständigkeit für viele unsanierte Altbauten - wie hier am Prjaschka-Ufer (Foto: ld/rufo)
Dussmann übernahm im viertel Kolomna die Zuständigkeit für viele unsanierte Altbauten - wie hier am Prjaschka-Ufer (Foto: ld/rufo)
Donnerstag, 30.08.2007

Firma Dussmann zieht sich aus Petersburg zurück

St. Petersburg. Still und heimlich zieht sich der deutsche Service-Konzern Peter Dussmann aus seinem Petersburger Hausverwaltungsprojekt zurück. Eine undurchsichtige Affäre um versickertes Geld und Wasser findet ihr Ende.

Es tönte wie ein Märchen, als die Petersburger Stadtregierung unter Valentina Matwijenko Ende 2004 verkündete, der deutsche Dienstleistungs-Konzern Peter Dussmann werde im heruntergekommenen Viertel Kolomna des Admiralitätsbezirks die Hausverwaltung übernehmen.

Die russische Tochterfirma des bekannten Berliner Konzerns sollte in insgesamt 104 Wohnhäusern die Versorgung mit Strom, Wasser und Gas regeln und dazu für Sauberkeit und Ordnung in den Treppenhäusern und Höfen sorgen. Mit Investitionen von zwei Millionen Euro, einer Mechanisierung der Reinigungsdienste und einer Reorganisation der Unterhaltsdienste versprach Dussmann, Kolomna in ein beispielhaftes Viertel zu verwandeln. Dabei sollten weder Arbeitsplätze abgebaut, noch Gebühren erhöht werden – und nach drei Jahren sollte dieses "Experiment" sogar Gewinne abwerfen.

Die ideale Image-Kampagne



Unsanierter Hinterhof in Kolomna: Hier gab es viel zu tun - zu viel? (Foto: ld/rufo)
Unsanierter Hinterhof in Kolomna: Hier gab es viel zu tun - zu viel? (Foto: ld/rufo)
Für die Stadtverwaltung war das Projekt die ideale Image-Kampagne: Das alte, schmuddlige Petersburg sollte sich dank deutscher Ordnung und Sauberkeit in ein attraktives, dynamisches Geschäftszentrum verwandeln. Zudem lieferte Dussmann der Regierung Matwijenko das perfekte Beispiel für Reformen im Bereich der ehemals staatlichen Wohnungsverwaltungen in den Stadtbezirken. Diese waren zwar auf dem Papier privatisiert und umbenannt worden, haben aber bis heute faktisch eine Monopolstellung.

Der Euphorie der Regierung standen von Anfang an viele skeptisch gegenüber. Man fragte sich zu Recht, ob es Dussmann gelingen würde, die Situation in den vielen alten Wohnhäusern, die einen überdurchschnittlichen Anteil an Kommunalwohnungen enthalten, in den Griff zu kriegen.

Wie würden sich die im Sozialismus entstandenen Zwangswohngemeinschaften, wo man zwar über eigene Wohnräume verfügt, aber Küche, Toilette und Telefon meist gemeinsam nutzt, an individuelle Strom- und Wasserrechnungen gewöhnen? Würden sich Dussmanns "Hausmeister", die nach westlichem Modell für Ordnung in den Wohnhäusern sorgen sollten, gegenüber den oft zerstrittenen Bewohner-Kollektiven durchsetzen?

Nach zwei Jahren Heißwasser-Skandal



Zwei Jahre blieb es erstaunlich ruhig. Der Betrieb unter dem Direktor der russischen Dussmann-Tocher Alexander Wolodkow schien zu funktionieren. Der Chef des Admiralitätsbezirks Junis Lukmanow, einer der Hauptinitiatoren des Projekts, stieg inzwischen zum Vorsitzenden des städtischen Komitees für Wohnungswesen auf.

Doch im Juli entbrannte ein Skandal, als einem Teil der Bewohner des Dussmann-Bezirks einfach das heiße Wasser abgestellt wurde. Während die Wasserwerke behaupteten, den Hahn wegen Schulden in Millionenhöhe zugedreht zu haben, bestanden die Opfer fest darauf, ihre Gebühren rechtzeitig bezahlt zu haben.

Laut Fontanka.ru waren 20 Millionen Rubel (rund 570.000 Euro) in den Rohren der Dussmann-Verwaltung spurlos verschwunden. Während die verbitterten Bewohner die Firma attackierten, beschuldigte deren neue Direktorin Olga Karimowa ihren Vorgänger, das Geld unterschlagen zu haben und drohte mit einem Gerichtsverfahren.

Dussmann: Petersburger Projekt unrentabel



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Offenbar waren die Gebühren bereits acht bis neun Monate lang nicht an die Wasserwerke überwiesen worden – ein Riesenskandal bahnte sich an. Doch statt den dubiosen Fall aufzuklären, erklärte der Dussmann-Konzern vergangene Woche seinen Rückzug aus dem Petersburger Projekt – im Einverständnis mit der Stadtverwaltung und mit der Begründung, es sei unrentabel. Der Tageszeitung „Kommersant“ zufolge scheiterten zuvor bereits ähnliche Versuche des Dussmann-Konzerns in Lugansk und Odessa.

Mittlerweile fließt in Kolomna wieder heißes Wasser und die Verwaltung wird demnächst an eine andere Firma übergeben. Doch hinterlässt die Affäre viele offene Fragen. Das Schicksal der verschwundenen Gelder bleibt ebenso ungeklärt wie die Machenschaften der Petersburger Dussmann-Niederlassung in den letzten zwei Jahren.

Zwar erwies sie sich in einem Teil der Häuser als durchaus korrekte Verwalterin. Die Bewohner anderer Liegenschaften hingegen beschwerten sich darüber, dass sie neben den normalen Kosten zusätzliche Abgaben für Reparaturen hätten bezahlen müssen.

Was ist aus den Versprechungen geworden?



Hinzu kommt, dass sich der Anblick Kolomnas trotz stellenweiser Sanierung nicht wesentlich von jenem vor drei Jahren unterscheidet. Viele der Liegenschaften und Hinterhöfe sind schmutzig und sanierungsbedürftig wie zuvor. Auch werden einige der Häuser ganz offensichtlich illegal von Fremdarbeitern bewohnt, die sich ihr Wasser mit Eimern an öffentlichen Wasserstellen holen. Was ist aus den Versprechen von 2004 geworden?

Die Zeitschrift "Gorod" hält das ganze Projekt für ein politisches Manöver, mit dem einerseits das Image der Regierung Matwijenko und der Partei "Einiges Russland" aufpoliert und andererseits der Aufstieg Lukmanows gesichert wurde.
Jetzt, nachdem die Dussmann-Saubermänner ihre Schuldigkeit als Steigbügelhalter getan haben, können sie gehen.


(eva/.rufo)


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