St. Petersburg. Während sich in Petersburg viele Menschen im Geheimen freuen, dass der umstrittene Friedensturm vom Heumarkt verschwindet, gehen die Autoren des Werks auf die Barrikaden und drohen mit einer Klage.
Wie Russland- Aktuell bereits berichtete, sind mehrere Glaspaneele an dem Denkmal durch die anomale Sommerhitze rissig geworden. Deshalb entschied sich die Stadt, den Turm abzutragen und gründlich zu untersuchen.
Marek Halter, der Ehemann der Bildhauerin und Autorin des Projekts, ist mit diesem Gang der Dinge alles andere als einverstanden. Ihn empört vor allem, dass niemand die Erschaffer des Friedensturms über die Demontage informiert hat.
Ein Symbol wie die Lenin-Berge in Moskau?
„Dieser Turm steht heute in jedem Reiseführer, in allen Sprachen, er ist wie die Lenin-Berge in Moskau ein Ort, wo Hochzeitspaare sich fotografieren lassen“, zitiert RIA Novosti Halter. Diese Aussage ist – gelinde gesagt – eine Übertreibung.
Weder sind jemals Hochzeitspaare am Sockel des direkt neben der viel befahrenen Sadowaja-Straße stehenden Stele gesichtet worden noch lässt sich das Monument auch nur annähernd mit der herrlichen Aussichtsplattform auf den Moskauer Sperlingsbergen vergleichen.
Im Bewusstsein der Petersburger hat der Friedensturm jedenfalls keinen festen Platz. Die meisten beachten ihn einfach nicht, wenn sie auf dem Heumarkt unterwegs sind. 2003 war er eigentlich nur deshalb aufgestellt worden, weil er angeblich ein Geschenk des französischen Präsidenten zum 300. Gründungsjubiläum von St. Petersburg war.
Wie sich später herausstellte, war das Geschenk eine Privatinitiative französischer Unternehmer. Den Platz auf dem Heumarkt wählte die Stadt Petersburg dann selbst aus. Die Wahl ist logisch, denn das Denkmal, auf dem in 32 Sprachen das Wort „Frieden“ verewigt ist, steht auf dem ehemaligen Platz des Friedens – so hieß der Heumarkt zu Sowjetzeiten.
Petersburger Freunde hätten ihm erzählt, dass mehrere Glaspaneele von der Hitze Risse bekommen haben. Dann habe es plötzlich geheißen, der gesamte Turm werde abgetragen. „Das ist genauso, wenn Sie mit einem kranken Finger ins Krankenhaus gehen und da wird der ganze Arm amputiert“, empört sich Halter.
Er möchte jetzt die „französische und russische Öffentlichkeit“ mobilisieren und hat dafür Briefe an Politiker und Kulturschaffende verschickt. Das Ziel: Die Demontage soll gestoppt werden (sie ist für den heutigen Dienstag vorgesehen).
„Ich verstehe – wenn drei, vier Glastafeln (…) rissig sind, müssen sie ausgewechselt werden. Aber dann werden sie ausgewechselt und nicht das ganze Denkmal demontiert“, so Halter. Man hätte die Autoren informieren und sie um die Anfertigung neuer Paneele bitten müssen.
Zur Not werde er vor Gericht ziehen, hoffe aber, dass es so weit nicht kommt: „Im Moment ist alles möglich – die Stahlkonstruktion steht noch, es müssen nur die paar Tafeln repariert werden, die durch die Hitze geplatzt sind.“
Wie es aussieht, kann sich Petersburg dem von Anfang an umstrittenen und dann so gut wie vergessenen Friedensturm doch nicht so leicht entledigen wie gedacht und gehofft.
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Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)