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| Der Schlossplatz und das Generalstabsgebäude (Foto: Deeg/.rufo) | |
Mittwoch, 05.10.2005
Grünes Licht für Mega-Kinofestival
St. Petersburg. Im Juli 2006 gibt es zwei Wochen Kino pur auf Petersburgs Paradeplatz. Die Stadtregierung gab dazu jetzt ihren Segen. Der Streit um die Nutzung des Schlossplatzes ist damit aber nicht beigelegt.
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Das von dem bekannten Festivalmacher Mark Rudinstein erdachte Mammutunternehmen „Goldener Engel“ soll vom 18. bis 31. Juli 2006 moderne europäische Filme präsentieren. Geplant sind sechs provisorische Kinosäle, ein Amphitheater mit 1.700 Plätzen, Cafes und Restaurants sowie zwei Zelte für die beiden genuin Petersburger Filmfestivals „Message to Man“ und „Vivat Russian Cinema!“.
So weit, so gut. Gegen Kinokultur vom Feinsten in Russlands Kulturhauptstadt hat niemand etwas einzuwenden, wäre da nicht… der Veranstaltungsort. Der Schlossplatz als Austragungsstätte von Massenveranstaltungen ist seit geraumer Zeit Gegenstand von hitzigen Diskussionen.
Moderne Zeiten
Zu sowjetischen Zeiten war der Schlossplatz so etwas wie eine heilige Kuh und unberührbar für das Volksvergnügen. Abgesehen von den Kundgebungen zum 1. Mai und 7. November, bestach er durch seine fast menschenleeren, von den Petersburger Hauptbaustilen Barock und Klassizismus eingerahmten Weiten.
Neue Zeiten bringen neue Regeln, und der Schlossplatz rückte immer mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein attraktiverer Ort für stark frequentierte Veranstaltungen ist kaum zu finden. Historisches Ambiente vereint mit modernster Rock- und Pop-Beschallung ist schick und „in“.
Brennende Quadriga und zerschlagene Flaschen
Die ersten Zweifel über die Zweckmäßigkeit solcher Massenveranstaltungen kamen Anfang 2001 auf, als während einer rauschenden Silvesterfeier durch einen Feuerwerkskörper die gerade erst restaurierte Quadriga auf dem Triumphbogen des Generalsstabsgebäudes in Brand geriet.
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Frisch in der Erinnerung ist auch die Jubiläumsfeier von 2003, als nach der zentralen Feier in der Nacht auf den 28. Mai der ganze Platz mit Scherben zerschlagener Bierflaschen übersät war.
Sokurow fürchtet um Piotrowski
Die neueste Tendenz, auf dem Schlossplatz Rockkonzerte zu veranstalten, rief schließlich den Direktor der Ermitage, Michail Piotrowski, auf den Plan. Sein Museum leidet unter der von den Bässen ausgelösten Vibration. Piotrowski ist kategorisch gegen die Nutzung des Platzes vor seiner Haustür für moderne Massenevents.
Vor kurzem bekam er unerwartete und sehr vehemente Schützenhilfe von dem berühmten Filmregisseur Alexander Sokurow. In einem offenen Brief an Gouverneurin Valentina Matwijenko schlug er bis zur Verabschiedung eines Sondergesetzes über den Schlossplatz ein Moratorium für Großveranstaltungen vor.
Seiner Meinung nach ist gar Piotrowskis Leben in Gefahr, denn er sei für „Kaufleute und Banditen“ das Haupthindernis, vom Schlossplatz vollends Besitz zu ergreifen. „Das Chaos muss aufgehalten werden!“, appellierte er dramatisch an die Stadtherrin.
Matwijenko gibt ihren Segen
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All dieses Pathos nutzte indes nichts – am Dienstag veranstaltete die Stadtregierung eine Anhörung mit allen Beteiligten im Smolny und gab dem „Goldenen Engel“ ihren Segen. Matwijenko rief Piotrowski und Sokurow auf, dem Organisationskomitee des Festivals beizutreten.
Sokurow dementierte dies allerdings im Anschluss an die Sitzung. Piotrowski hatte eine lange Unterhaltung mit Festivalmacher Rudinstein. Der teilte dem „Kommersant“ mit, man habe sich „in einem schwierigen Gespräch“ darauf geeinigt, die Nutzung des Platzes während des Festivals gemeinsam vorzubereiten.
Obwohl die „modernen Zeiten“ einen Sieg errangen, bleibt bei den Gegnern des Megaunternehmens viel Unbehagen zurück. Eine Fortsetzung des Konflikts ist so gut wie garantiert.
(-sb/.rufo)
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