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An der Fontanka 145 in St. Petersburg wird ein Haus abgerissen - die Bürger sind empört und wehren sich. (Foto: Wassiljewa/.rufo)
An der Fontanka 145 in St. Petersburg wird ein Haus abgerissen - die Bürger sind empört und wehren sich. (Foto: Wassiljewa/.rufo)
Dienstag, 07.02.2012

Häuserkampf in SPb.: Konflikt um Abrisshaus eskaliert

St. Petersburg. Am Fontanka-Ufer 145 spielt sich ein Drama ab. Denkmalschützer stürzen sich unter die Abrissbirne. Ein historisches Haus wird abgetragen – ohne Genehmigung und unter Stillschweigen der Stadtverwaltung.

Es begann vor einem Monat, als Russland im Ganzen und Petersburg im Besonderen im Neujahrs-Feiertagstiefschlaf lagen. An dem seit Jahrzehnten leerstehenden Haus an der Fontanka Nr. 145 begann eine Baufirma klammheimlich mit dem illegalen Abriss.

Aktivisten der radikalen Denkmalschutzgruppe ERA (Ökologie der gewöhnlichen/einfachen Architektur) setzten sich zur Wehr – mehrmals gelang es ihnen, die Arbeiten zu blockieren. Sie mobilisierten andere Denkmalschützer und schrieben Briefe – an die Petersburger Stadtregierung, an das Denkmalschutzamt, sogar ins russische Kulturministerium in Moskau.

Fotogalerie (Foto anklicken)
Drama um Häuserabriss an der Fontanka in St. Petersburg

Lebendiges Schild gegen den Abriss


Vom Gesetzesbuchstaben her ist der Abriss unerlaubt – es gibt weder eine Baugenehmigung noch ein Gutachten, das dem alten Gebäude gefährliche Baufälligkeit bescheinigt. Und doch geht der Abriss weiter, unter dem (jetzt bereits) verdächtigen Schweigen der Verantwortlichen im Smolny.

Jetzt droht eine Eskalation – Aktivisten von ERA haben sich vor wenigen Tagen als „lebendiges Schild“ vor die Abrissbagger gestellt und sind bereit, dies erneut zu tun. Die verantwortliche Baufirma macht trotzdem weiter und wehrt sich aggressiv gegen jede Einmischung. Gegen Beamte der Stadtteilverwaltung und sogar Polizisten zettelten sie unlängst sogar ein Handgemenge an.

Happenings und Diskotheken


Das Haus am Ufer des Fontanka-Flusses hat wahrlich ein schweres Schicksal – Ende der 1980er Jahre wurde es entsiedelt und sollte saniert werden. Anfang der 1990er Jahre hatten Künstler und Musiker einen Teil der leeren Räume besetzt und dort Happenings und Diskotheken veranstaltet. Dann passierte nichts mehr – das Anfang des 19. Jahrhunderts erbaute Haus war Wind und Wetter ausgesetzt und verfiel immer mehr.

Bei Russland-Aktuell
• Historisches Gebäude soll Blumenbeet Platz machen (31.08.2010)
• Moskauer Denkmalschützer kämpfen gegen die Abrissbirne (16.06.2010)
• Weltkulturerbe St. Petersburg – wie lange noch? (30.03.2010)
Dabei hatte es in den letzen zwei Jahrzehnten verschiedene Besitzer, die allesamt die Verpflichtung zur Instandsetzung hatten, aber allesamt nichts dafür taten, und das völlig unbestraft. Erst gehörte das Haus der Leningrader Militärbasis, dann unterstand es dem Fonds für Bau- und Sanierungswesen. 2007 ordnete die Stadtregierung an, dort ein Rehabilitationszentrum für Behinderte einzurichten

Ein Jahr später tauchte plötzlich die Firma „Gewerbebau-Consult“ auf – sie sollte ein Dreisternehotel aus dem inzwischen reichlich lädierten Gebäude zaubern (Russland-Aktuell berichtete). Aber auch daraus wurde nichts. Dagegen machte sich das Unternehmen, das mit Vizegouverneur Juri Moltschanow in Verbindung gebracht wird, an den Abriss.

Bei Russland-Aktuell
• Skandal in Moskau: Konstruktivismus-Denkmal abgerissen (18.11.2011)
• Kreml errichtet „Chinesische Mauer“ in Moskau (27.10.2011)
• Petersburg: endlich Restaurierung für Nikolaus-Markt (04.08.2011)
• Matwijenko will St. Petersburg ent-denkmalschützen (27.01.2011)
• Alt-Petersburg bleibt vom Gazprom-Turm verschont (07.12.2010)

Reste der einstigen Pracht


Wer die Möglichkeit hatte, sich das Haus in den letzten Jahren von innen anzusehen, hat eine schön-schaurige Begegnung hinter sich. Reste von ausladendem Stuckdekor an den Wänden und Decken, freischwebende geländerlose Treppen, riesige Räume, in denen die einstige Einteilung in „Kommunalwohnungs-Zellen“ noch an den Decken nachzuvollziehen ist.

Darja Wassiljewa von ERA ist mit der Kamera durch das Haus gezogen und hat die Reste der einstigen Pracht festgehalten. „Das war eins der schönsten Häuser von St. Petersburg“, sagt sie. „Der Stuckdekor im Stile der italienischen Renaissance konnte mit Palastverzierungen mithalten.“ Laut Darja hieß das Haus im vorrevolutionären Volksmund „Klein-Versailles“.

Von Versailles und Renaissance ist nicht mehr viel übrig – die vom Investor beauftragte Abrissfirma hat bereits die Hofflügel zum großen Teil abgetragen. Jetzt geht es darum, das Vorderhaus zu retten. Die Denkmalschützer fordern, das Gebäude unter staatlichen Schutz zu stellen. Warum es vor Jahren überhaupt aus der Liste der Schutzobjekte verschwunden ist, bleibt vorerst ein Rätsel…

Für Dienstagabend ist ein Treffen aller interessierten und besorgten Bürger vor dem Haus anberaumt. Dort wird über das weitere Vorgehen beraten. Wie es aussieht, ist der Kampf leider schon fast verloren.



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