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Personen- und Sachschaden waren eher gering, als 2007 bei Mcdonald`s am Newski eine Bombe platzte (foto: fontanka.ru)
Personen- und Sachschaden waren eher gering, als 2007 bei Mcdonald`s am Newski eine Bombe platzte (foto: fontanka.ru)
Dienstag, 13.01.2009

Harte Strafe für den Bombenleger bei McDonald’s

St. Petersburg. Ein Petersburger Gericht hat den Haupttäter des letztjährigen Bombenanschlags auf ein McDonald`s-Restaurant wegen Terrorismus zu 15 Jahren Haft verurteilt. Ein Mittäter erhielt sechs Jahre.

Die Explosion in dem Schnellimbiss an der belebten Ecke des Newski und des Wladimirski Prospektes verlief relativ glimpflich: Zehn Menschen, darunter auch ein deutscher Tourist, erlitten leichte Verletzungen. Dennoch sorgte sie im Februar 2007 für gehöriges Aufsehen in St. Petersburg – schließlich war die nordrussische Metropole auch in den unruhigsten Jahren Russlands immer von Terroranschlägen verschont geblieben.

Nun fielen im Prozess gegen die Täter die Urteile: Der 27 Jahre alte Lagerarbeiter Fjodor Kowaltschuk wurde zu 15 Jahren strenger Haft verurteilt, ein Mittäter zu sechs Jahren. Ein dritter Angeklagter erhielt sieben Jahre auf Bewährung, der vierte Beschuldigte wurde freigesprochen.

Bombe aus Solidarität mit Putin


Kowaltschuk hatte die Verantwortung für den Anschlag alleine übernommen. Er gestand, die „möglichst harmlose“ Bombe nach im Internet gefundenen Rezepten und Anleitungen selbst gebaut zu haben. Als Motiv nannte er Empörung über die harschen Reaktionen der westlichen Presse auf die berühmte Rede Wladimir Putins auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

McDonald’s habe er als Ziel gezählt, weil diese Kette seiner Meinung nach die Verkörperung des amerikanischen Lebensstil sei, der auf diese Weise auch den Russen aufgezwungen werden solle. Kowaltschuk ging dabei sehr vorsichtig und professionell vor: So kaufte er sich vor der Tat eigens Second-Hand-Kleidung, die er danach sofort wegwarf.

Vorspiel: Bombe gegen Antifaschisten-Aktion


Auch waren in dem Fall die Verbindungen zu dem immer wieder in Gewalt und Blutvergießen ausartenden Konflikt zwischen jungen Rechtsextremisten und Antifaschisten in St. Petersburg nicht zu übersehen: Zwei Wochen zuvor hatten der gleiche Täterkreis eine baugleiche Bombe unter einem Blumenkiosk ganz in der Nähe gezündet.

Bei Russland-Aktuell
• Petersburger Bombenleger wollte „Putin unterstützen“ (26.11.2008)
• Bombenalarm bei McDonalds in Petersburg (01.06.2007)
• Prozessbeginn im Mordfall Timur Katscharawa (24.05.2007)
• Bombe am Newski: Extremismus, aber kein Terrorismus (20.02.2007)
• McDonald’s-Bombe: Deutscher Verletzter wieder entlassen (19.02.2007)
Der Anschlag sollte sich eigentlich gegen eine dort stattfindende Aktion der „Antifa“ richten, die auf dem Wladimirski-Platz unter dem Motto „Essen statt Bomben“ Lebensmittel an Obdachlose ausgab. Doch an diesem Tag hatten sich die Wohltäter verspätet.

Dieser Anschlag wurde im Laufe des Prozesses aber nur noch als „Rowdytum“ gewertet, was aber einem damals minderjährigen zweiten Täter dennoch eine reale Haftstrafe von sechs Jahren einbrachte.

Fahndungserfolg verhindert weiteren rechten Terror


Die Polizei hatte die Gruppe durch einen eingeschleusten Fahnders überführt – und so vermutlich weitere Anschläge verhindert. Nach Angaben eines Sprechers der Ermittlungsbehörde plante der Terror-Zirkel zu diesem Zeitpunkt noch zwei weitere Bombenexplosionen – auf das „Kino-Haus“ während eines antifaschistischen Filmfestivals und auf einen von Polizeischülern genutzten Bus.

Bislang ist offen, ob Anklage oder Verteidigung das Urteil des Geschworenengerichts anfechten wollen.



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