St. Petersburg. Ein St. Petersburger Gericht hat eine Gruppe Jugendlicher wegen eines brutalen Überfalls auf zwei Zigeunerinnen aus Tadschikistan und deren Töchter zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Frauen überlebten schwer verletzt, ein sechsjähriges Kind starb jedoch einige Stunden nach der Attacke. Als Motiv entschied das Gericht: Rassenhass.
Schon kurz nach der Bluttat am 21. September 2003 hatte die Polizei sieben Jugendliche als Täter ermittelt. Sie wohnten in Häusern nahe des Zigeunerlagers an der Bahnstation Datschnoje im Petersburger Südwesten. Eine Zugehörigkeit zu den Skinheads oder anderen extremistischen Organisationen war ihnen nicht nachzuweisen. Es war ein Zuviel an Bier und Langeweile, was sie entschließen ließ, das schon seit einigen Jahren in der Nähe bestehende Lager der Ljuli – einem Zigeunervolk aus Tadschikistan – zu überfallen.
Bis zu den Zelten und Verschlägen kamen sie jedoch nicht: Schon auf dem Weg fielen die jungen Männer mit einem Messer, einem kleinen Beil, einer Metallkette und einem Stock über die beiden Frauen und die fünf und sieben Jahre alten Mädchen her. Dann ergriffen die Täter die Flucht.
Zwei 17 Jahre alte Angeklagten erhielten nun zehn Jahre Haft: Der eine hatte die fünf Jahre alte Nulifar Sangojewa mit 40 Messerstichen und zehn Kettenhieben getötet – nach Ansicht des Gerichts mit besonderer Grausamkeit. Der andere hatte die Frauen mit dem Trecking-Beil angegriffen. Ein weiterer Mittäter wurde zu sieben Jahren Lagerhaft verurteilt. Die beiden jüngsten Angeklagten, darunter ein 15-jähriger, wurden für zweieinhalb Jahre in eine Besserungsanstalt eingewiesen.
Bei zwei Mittätern, die sich reuig und geständig gezeigt hatten, ließ die Schöffen-Jury bedingt Gnade walten. Das Motiv „Rassenhass“ wurde ihnen nicht unterstellt. Sie kamen mit Bewährungsstrafen von fünf und sechs Jahren davon.
Rassistisch motivierte Überfälle jugendlicher Schlägertrupps auf Ausländer – seien es kaukasische Händler, asiatische Studenten oder wie in noch einem weiteren Fall, ein Vater mit zwei Kindern aus Tadschikistan – haben sich in den letzten zwei Jahren in St. Petersburg signifikant gehäuft. Erst vor wenigen Tagen wurden drei chinesische Offiziere, die in Zivil in der Stadt unterwegs waren, auf offener Straße zusammengeschlagen. Wegen des Mordes an einem anderen tadschikischen Kind wird demnächst ein weiterer solcher Prozess in St. Petersburg beginnen.
(ld/.rufo)
Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)