Alles Gute kommt von oben: So sahen die Petersburger Autofahrer die Winterfreuden. Jetzt kommen statt Schnee die Eiszapfen von oben (Foto: TV)
Montag, 28.12.2009
Im Schnee gelähmt: Petersburg kommt nicht in Gang
St. Petersburg. Im Moment fällt kein Schnee mehr in Petersburg. Aber die Straßen sind immer noch nicht frei. Assoziationen mit Blockadezeiten kommen auf. Derweil droht die nächste Gefahr – Eiszapfen an den Dachkanten.
Die Fahrwege der größten Straßen sind zwar frei, aber auf vielen Bürgersteigen gibt es nur schmale Trampelpfade durch bis zu einen Meter hohe Schneeberge.
Die sich nur mühsam fortbewegenden, gegen die Kälte vermummten Menschen erinnern fatal an die schlechtesten Zeiten, die diese Stadt jemals erlebt hat – die Belagerung im Zweiten Weltkrieg.
So arg schlimm ist es natürlich und Gott sei Dank nicht, denn Heizungen und Wasserversorgung funktionieren, der Nahverkehr läuft, die Autos rollen, es gibt keine Hungersnot. Sogar zwei Metrostationen wurden unlängst eröffnet – die „Gorkowskaja“ nach der Reparatur und der Ausgang zur neuen Station “Swenigorodskaja“
Technisches Versagen
Die Stadtverwaltung gibt unumwunden zu – sie wird nicht fertig mit dem Schneechaos, das sich gebildet hat, nachdem Mutter Natur an Weihnachten eine ganze Wintermonatsnorm an „weißer Pracht“ über Petersburg ausgeschüttet hat.
Alle verfügbaren Räumfahrzeuge reichen nicht aus, um die Fortbewegung in der Stadt zu sichern. „Wir bräuchten vier bis fünf mal so viele Räumfahrzeuge als wir haben“, sagt ein Vertreter der Verwaltung des Zentralen Stadtbezirks gegenüber der Internetzeitung Fontanka.ru: „So schaffen wir das nicht.“
Die Schneeschieber sind ausgegangen, ehrlich... - so besagt ein Schild im Schaufenster eines Petersburger Geschäfts. (Foto: Fontanka.ru)
Auch der Einsatz von Freiwilligen und Soldaten bringt nicht das erwünschte Resultat. Jedem Bürger, der sich freiwillig zum Wintereinsatz meldet, war ein Schneeschieber versprochen worden. Aber die sind inzwischen Mangelware.
Kinder-Sandschippen und sogar Pfannen müssen herhalten, wenn die Bürger ihre hoffnungslos eingeschneiten Autos vom Schnee befreien und einsatzbereit machen wollen.
Die neue Gefahr kommt wieder von oben
Aber damit nicht genug – die Petersburger erwartet das nächste Übel: Wegen der Temperaturschwankungen von null bis minus X bilden sich an den Dachkanten gefährliche Eiszapfen. Und die haben die böse Eigenschaft, irgendwann herunterzufallen.
Auch hier fehlt es natürlich an Personal, die hängende Gefahr zu beseitigen. Wer also nicht auf den vereisten Straßen ausrutscht und sich wehtut, muss damit rechnen, etwas auf den Kopf zu bekommen.
Die Notaufnahmen der Petersburger Krankenhäuser sind schon jetzt überlastet – aber es könnte noch schlimmer kommen. So einen Winter mit so vielen Unbilden gab es lange nicht mehr. Bleibt zu hoffen, dass die Natur irgendwann ein Einsehen hat mit der geplagten Stadt.
Irgendwann werden die Unbilden ein Ende haben, aber die Wetterprognose verspricht für die nächsten Tage erst einmal Dauerfrost und Neuschnee...
Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)