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Kermen Bassangowa überlebte dank einer abenteuerlichen Aktion der Miliz. (Foto: spb.gpa.ru)
Kermen Bassangowa überlebte dank einer abenteuerlichen Aktion der Miliz. (Foto: spb.gpa.ru)
Mittwoch, 22.04.2009

Inszenierter Mord: Polizei foppt Auftraggeber

St. Petersburg. Die russische Polizei hat mit einem perfekt inszenierten Mordanschlag die Auftraggeber eines Killers überführt. Der Krimi spielt an einer Hochschule – und das „Opfer“ war deren schwangere Rektorin.

Gestern machte in Russland die Nachricht über einen brutalen Mord in St. Petersburg die Runde: Kermen Bassangowa, erst 35 Jahre alte Rektorin der Staatlichen Polar-Akademie, wurde von einem Messerstecher angegriffen, als sie abends nach der Arbeit in ihr Auto stieg.

Wenig später sei die schwangere Frau an den erlittenen Verletzungen im Krankenhaus gestorben, hieß es. Die Hintergründe der Tat seien noch offen.

Das Mordopfer war am nächsten Morgen wieder lebendig

Doch am nächsten Morgen erschien Bassangowa wieder völlig unversehrt an ihrem Arbeitsplatz in der Hochschule, die speziell für Studenten aus den kleinen Völkern im russischen Hohen Norden und in Sibirien eingerichtet wurde.

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• Totschlag im Dienst: 24 Jahre Haft für Kriminalbeamten (24.03.2009)
• Skurrile Morddrohung: Eine Axt für Echo Moskaus (06.02.2009)
• Ex-Afghanistankämpfer ermordet Bürgermeisterin (17.12.2008)
Wie sich zeigte, war der Mordanschlag samt anschließendem Polizeieinsatz, Spurensicherung, Abtransport des Opfers in ein Krankenhaus und der Todesmeldung ein Schauspiel. Selbst die Polizeiwache des betreffenden Stadtviertels sei nicht eingeweiht gewesen, um ein Platzen der Inszenierung zu vermeiden, erklärte heute die Ermittlungsbehörde.

„Held“ des Geschehens war – neben der Rektorin selbst – ein junger vorbestrafter Mann, der einen Mordauftrag zur Beseitigung Bassangowas erhalten hatte und sich darüber offenbart hatte. Die Kriminalpolizei hatte ihn zur Mitarbeit bei dem Spektakel überredet. Es sollte nur noch dazu dienen, die Auftraggeber des Mordes zu überführen.

Chauffeur der Rektorin als Geldbote für den Killer

Seinen zweiten Auftritt hatte der „Täter“ dann nur wenige Stunden später: Denn ganz in der Nähe des Tatorts sollte er nach Erfüllung seines Auftrags sein Honorar in Höhe von 500.000 Rubel in Empfang nehmen.

Überbringer des Mordlohnes war ein Akademie-Mitarbeiter – nämlich der 21 Jahre alte Fahrer der Rektorin, der zugleich Sohn des Fuhrparkleiters der Uni-Verwaltung ist.

Mutmaßlicher Auftraggeber: Der eigene Stellvertreter im Rektorat

Der Fahrer und sein 53-jähriger Vater wurden umgehend verhaftet. Ebenfalls noch in der Nacht hinter Gitter kam der 70 Jahre alte Prorektor der Hochschule, der seinerseits mit Bassangowas Vorgängerin auf dem Rektorenposten verheiratet ist. Die drei Kollegen und Mitarbeiter des vermeintlichen Mordopfers haben bereits Geständnisse abgelegt, teilten die Ermittler mit.

Wie die „wiederauferstandene“ Uni-Rektorin heute gegenüber der Presse berichtet, war sie in ihrer kurzen Amtszeit bereits Manipulationen und unsauberen Abrechnungen von Bauarbeiten im Umfang von sechs Mio. Rubel (ca. 135.000 Euro) auf die Spur gekommen.

Die darauf angesprochenen Kollegen hätten nur ausweichende Antworten gegeben, weshalb sie eine offizielle Unter- suchung durch die Aufsichtsbehörde einleitete. Als der „Mord“ geschah, war eine Kommis- sion aus Moskau gerade zur Prüfung eingetroffen.



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