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Dienstag, 28.05.2002
Kein Platz mehr für die Tram
St. Petersburg (rUFO/sb) St. Petersburg nennt sich immer noch stolz die „straßenbahnreichste Stadt der Welt“. Doch in den letzten Jahren verschwinden immer mehr Marschrouten der Elektrischen aus dem Stadtbild. Laut eines im Smolny erarbeiteten Papiers soll diese Tendenz demnächst massenhaften Charakter annehmen. Ein trauriges Geschenk zum im September anstehenden 95. Geburtstag der ersten Petersburger Straßenbahn.
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Die geplante Demontage der Schienen betrifft im laufenden Jahr vor allem die Wassili-Insel und die Petrograder Seite. Im Gespräch ist aber auch das Hafenviertel, Awtowo und die Wyborger Seite (Bolschoi Sampsoniewski Prospekt und Prospekt Engelsa). Die Intention dahinter ist klar: Das private Verkehrsaufkommen wird immer intensiver, und die behäbigen, klapprigen Ungetüme namens Tram samt ihren Schienensträngen nehmen zu viel Platz auf der Fahrbahn ein und bremsen den ohnehin zähen Verkehrsfluss.
Ein weiteres Argument für die Verkehrspolitiker: Auf den zentralen Magistralen gibt es inzwischen ein gut ausgebautes Netz an Sammeltaxis, die sozusagen parallel zur Elektrischen funktionieren. Ein Gegenargument: Längst nicht alle Passagiere erlauben sich den Luxus der Marschrutkis und ... auch die kommen nicht überall mit dem intensiven Passagieraufkommen zurecht.
In der Stadt wurden und werden die Straßenbahn-feindlichen Initiativen aus dem Smolny keineswegs immer widerstandslos hingenommen. So mussten 1999 unter dem Druck der Öffentlichkeit die Pläne fallengelassen werden, die Tram von der Troizki-Brücke zu verbannen. Und jetzt richteten 77 Anwohner der Dwinskaja uliza am Hafen einen Protest-Leserbrief an eine der städtischen Zeitungen, in dem sie die Straßenbahnverbindung vor ihrer Haustür als überlebenswichtig für ihr abgelegenes Wohnviertel verteidigen.
Auch die Direktoren der Tramparks, die in den letzten Tagen mit dem im Smolny ausgebrüteten „Protokoll der Abstimmung der Fristen zur Demontage von Straßenbahnschienen im Jahre 2002“ bedacht wurden, werden kaum still beobachten, wie ihnen nach und nach die Lebensgrundlage entzogen wird.
Eine andere Frage ist der äußerst desolate Zustand sowohl der Schienenstränge als auch des Fuhrparks der Elektrischen. Vielleicht wäre allen mehr damit gedient, wenn die Planer ihr Augenmerk mehr auf die Modernisierung dieses umweltfreundlichen Verkehrsmittels richten würden, statt zu radikalen und irreparablen Kürzungen zu greifen?
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