Dienstag, 07.05.2013

Klappbrücke als Turngerät: “Roofer” stoppt Schiffsverkehr

Kein Kurzschluss in der Oberleitung auf der hochgezogenen Troizki-Brücke - sondern ein Mann mit Fackel (Foto: fontranka.ru)
St. Petersburg. Wenn nachts in St. Petersburg die Brücken hoch klappen, hat auf ihnen niemand mehr etwas zu suchen. Einen Extrem-Kletterer störte das nicht: Er zog dort seine Show ab – und entkam sogar den Ordnungshütern.
Als in der Nacht auf Montag wie üblich die Fahrbahn der Troizki-Brücke hoch geklappt wurde, um den Schiffsverkehr passieren zu lassen, zeigte sich ganz oben auf dem 43 Meter senkrecht in den Himmel ragenden Brückenelement plötzlich ein Mensch.

Und er schien sich da oben pudelwohl zu fühlen: Er kletterte auf eine der nun waagrecht stehenden Oberleitungs-Stützen, baumelte eine Weile lang an nur einem Arm dort herum – und zündete zur Gaudi der Schaulustigen auch noch ein bangalisches Feuer, das er in der anderen Hand hielt.

Schiffsverkehr für eine Stunde gestoppt


Von der Kletter- und Pyrotechnik-Show weitaus weniger begeistert war das städtische Unternehmen Mostotrest, das wegen des Kletterkünstlers für eine Stunde den Schiffsverkehr auf der Newa stoppen ließ.

Der Akrobat war den ansonsten recht resolut gegen Last-Minute-Querulanten vorgehenden Brücken-Hochklappern schlichtweg entgangen, weil er vor der Sperrung der Brücke übers Geländer geklettert war und sich im Tragwerk des Brückenteils versteckt hatte. Als die Brücke dann samt ihres blinden Passagiers hochgeklappt war, konnte er im Gebälk wie an einer Leiter aufsteigen.

Fluchtweg durchs Wasser


Nachdem der Schiffsverkehr angehalten war, ließ man die Brücke wieder herunter, um den „Hooligan“ (so die Sprachwahl in einer Mitteilung der Stadtverwaltung) abzupflücken. Doch der hatte für diesen Fall einen Plan B vorbereitet: Er zog sich aus und sprang in die eiskalte Newa.

Als er an einer zum Wasser führenden Treppe an Land krabbelte, rannten zwar schon Polizisten herbei, doch der Klettermaxe war fixer: Ein Motorradfahrer hatte dort auf ihn gewartet – und beide suchten mit hohem Tempo das Weite, berichteten Augenzeugen.

Internetnutzer identifizierten den affenhaften Kletterer als jenen jungen Ukrainer, der unter dem Pseudonym „Mustang Wanted“ im Internet immer wieder schwindelerregende Videos von aberwitzigen Balanceakten auf Geländern, Wolkenkratzern und Funkmasten präsentiert – und zwar grundsätzlich ohne Sicherheitsseil.

Das Baumeln an einem Arm ist dabei schon so etwas wie ein Markenzeichen dieses „Roofers“ – wie sich die in Russland recht rege Szene der Ultra-Schwindelfreien nennt.

Mostotrest hat allerdings Anzeige erstattet. Sollte der Roofer ermittelt werden, könnte ihm eine Schadenersatzklage wegen der Unterbrechung des Schiffsverkehrs drohen.