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| Touristen müssen in Petersburgs Straßen ständig vor Taschendieben auf der Hut sein. (foto: von Arb/.rufo) | |
Mittwoch, 03.08.2005
Kriminalität als Bremsklotz für Piters Tourismus
St. Petersburg. Nach dem Raubüberfall auf den britischen Botschafter wurde ein Verdächtiger festgenommen. Die Episode zeigt jedoch nur die Spitze des Eisbergs – in Petersburg grassieren Überfälle auf Ausländer.
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Ende Juli hatte eine Bande auf dem Newski Prospekt den englischen Botschafter Anthony Brenton eingekreist und ihm neben seiner Brieftasche auch seine Kreditkarte und seinen Diplomatenpass entrissen. Bei dem Handgemenge wurde auch seine Frau Susan verletzt, die sich für ihren Mann zur Wehr setzte. Die Polizei, die wegen der Prominenz des Opfers unter enormen Erfolgsdruck geriet, hat nun laut Fontanka.ru einen 36jährigen Mongolen, der sich illegal in der Stadt aufhielt, sowie einen Jugendlichen verhaftet.
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Man kann den Dieben bei der “Arbeit” zuschauen
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Als die russischen Medien den Überfall als spektakuläre Meldung verbreiteten, hatte das Petersburger Publikum jedoch höchstens ein Achselzucken dafür übrig. Außer dass diesmal ein Diplomat Opfer eines Diebstahls wurde, sahen die Petersburger daran nichts Außergewöhnliches.Wer die englischsprachige St. Peterburg Times aufschlägt, versteht, wie alltäglich Verbrechen gegenüber Ausländern sind. Auf ihren Leserbriefseiten kann man gleich reihenweise empörte Einsendungen von Touristen studieren, die im “Venedig des Nordens” überfallen oder von Taschendieben um Geld und Kreditkarten erleichtert wurden.
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Einige von ihnen schwören, nie wieder an diesen Ort zurückzukehren. Besonders die Metro scheint im Stadtzentrum während der Saison regelrecht von Dieben aller Art verseucht zu sein. Mit etwas geübtem Blick (und eigener Erfahrung als Opfer) kann man während der Rush Hour den Taschendieben in den Stationen “Newski Prospekt”, “Gostini Dwor” und “Majakowskaja” direkt bei ihrer “Arbeit” zuschauen.
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Diebe und Polizei unter einer Decke?
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Ganz offensichtlich geben sie sich wenig Mühe, versteckt zu operieren, obschon es an den Haltestellen, entlang der Korridore und Rolltreppen vor Überwachungskameras und Polizei nur so wimmelt. In den Berichten ist immer wieder von bandenmäßigen Überfällen in den Zügen die Rede, bei denen das Opfer von einem Teil der Gang festgehalten wird, während die übrigen Mitglieder ihre ebenso rasche wie gründliche “Leibesvisitation” vornehmen. Die Unverfrorenheit der Gauner wie auch die ganz offensichtliche Unlust der Polizei, einzugreifen, läßt vermuten, daß Gesetzeshüter und Diebesbanden zumindest stellenweise unter einer Decke stecken.
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Warum zur Polizei gehen?
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Dadurch ist auch leicht zu erklären, warum bis auf wenige Ausnahmen niemand einen Diebstahl bei der Polizei meldet – weshalb denn zur Polizei gehen, wenn es sowieso nichts bringt? In einem Artikel zu diesem Thema meldete die Zeitung “Iswestia” kürzlich, dass bei der Petersburger Polizei in diesem Jahr rund 300 Anzeigen zu Verbrechen gegenüber Ausländern eingegangen seien – eine Zahl, hinter der sich ohne Zweifel eine hohe Dunkelziffer verbirgt. Neben Raub und Diebstahl steht diese Ziffer auch für die oft rassistisch motivierte brutale Gewalt gegen Ausländern. Auch sie schreckt über die Grenzen hinaus potentielle Gäste ab und ist ein enormer Bremsklotz für die Tourismusbranche.
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(eva/.rufo)
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