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| Seit Samstag herrscht in Petersburg wieder lückenloser Metroverkehr. Foto: Deeg/.rufo | |
Montag, 28.06.2004
Metro: Glückwunsch, die Türen öffnen sich!
St. Petersburg. Nach knapp neun Jahren können die rund 500.000 Bewohner der nordwestlichen Stadtteile endlich aufatmen: Seit Samstag Abend fährt die rote Metrolinie wieder ohne Unterbrechungen. Kein Geringerer als Russlands Präsident Wladimir Putin gab den Startschuss für die Wiederaufnahme des Verkehrs zwischen Lesnaja und Pl. Mushestwa.
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Die Zeremonie erfolgte allerdings unter Ausschluss des gemeinen Volkes – Putin nebst Begleitung (Gouverneurin Valentina Matwijenko, Präsidenten-Bevollmächtiger Ilja Klebanow und Stadtparlaments-Vorsitzender Wadim Tjulpanow) kamen per Hubschrauber, fuhren in einem Sonderwaggon die wiederhergestellte Strecke ab und flogen dann schnurstracks weiter zum Konstantin-Palast nach Strelna.
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Es war 19 Uhr 20, als die Metrostationen Lesnaja und Pl. Mushestwa ihre Türen öffneten und die glücklichen Petersburger einließen. Der fast neun Jahre andauernde Alptraum für fast eine halbe Million Bürger ist zu Ende. Jetzt geht die Fahrt zur und von der Arbeit wieder schneller, jetzt ist es vorbei mit der Drängelei vor und der unerträglichen Enge in den Bussen. Der dicht besiedelte Stadtteil Grashdanka hat wieder lückenlose Verbindung zum Rest der Welt.
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Glücklich sind auch die Metrobauer, die ihre technisch ungeheuer komplizierte Aufgabe im Endeffekt doch gelöst haben. Als im Dezember 1995 ein unterirdischer Fluss den Tunnel zwischen den Stationen Lesnaja und Pl. Mushestwa zu überfluten drohte und daraufhin mit dem Bau von Umgehungstunneln begonnen wurde, ahnte niemand, wie langwierig, teuer und schwierig das Unterfangen war, die entstandene Lücke in der roten Metrolinie zu flicken.
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Jahre vergingen – mal gab die Tunnel-Baumaschine „Viktoria“ ihren Geist auf, mal ging das Geld aus, mal kam es zu Konflikten mit dem italienischen Auftragnehmer. Dann sollte die Wiederherstellung des Verkehrs ein Geschenk zum 300. Jubiläum von St. Petersburg werden. Auch daraus wurde bekanntlich nichts.
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Orden für die Helden oder Reif für das Guinnessbuch
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Aber nun ist es geschafft. Und damit die viele und lange Arbeit nicht unverdient wie Rauch verpufft, gab es am Samstag Abend eine Menge Orden. Diese Zeremonie fand bereits im Konstantin-Palast in Strelna statt. 25 Metrobauer wurden von Putin persönlich mit den Orden „Für Verdienste um das Vaterland“, dem „Ehren-Orden“ und dem „Freundschafts-Orden“ ausgezeichnet. Dabei versicherte er ihnen, sie hätten „eine große und wichtige Arbeit für Petersburg geleistet“, die von Experten in aller Welt als einzigartig eingestuft werde.
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Auf die Worte des Präsidenten, er habe die Hoffnung, die neuen Tunnel würden der Stadt sehr lange dienen, hatte die Gouverneurin eine schnelle Antwort parat: „Wir geben die Garantie, dass sie hundert Jahre halten.“ Angesichts der Besonderheiten des PetersburgerBodens und der daraus resultierenden „Überraschungen“ war das allerdings eine äußerst mutige Äußerung.
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Weiterhin meinte Matwijenko, die Langzeit-Baustelle gehöre in das Guinnessbuch der Rekorde, denn nach der aufgewendeten Zeit und den ausgegebenen Mitteln hätte sie in der Welt nicht ihresgleichen. Wadim Tjulpanow, Speaker des Stadtparlaments, schloss sich den Glückwünschen an und gab den Rat, außer dem üblichen „Vorsicht, die Türen schließen“ auf der Station Pl. Mushestwa auch noch „Glückwunsch, die Türen öffnen sich!“ anzusagen.
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Bei aller Freude über die erfolgreiche Beendigung der Metro-Lücken-Zeit ließ Matwijenko die Gelegenheit nicht ungenutzt, Putin noch einmal an sein Versprechen zu erinnern, Geld für den Ausbau des Petersburger Verkehrsystems locker zu machen. Wie aktuell.RU unlängst berichtete, hinkt die föderale Finanzierung der Umgehungsautobahn und besonders des Hochwasserschutzdammes mächtig hinterher.
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Letzterer ist unserer Meinung nach ein viel aussichtsreicherer Kandidat für das Guinnessbuch – seit dem ersten Spatenstich sind mittlerweile 25 Jahre vergangen und ein Ende des Jahrhundertprojekts aus der Endzeit des Sowjetsystems ist noch lange nicht abzusehen. (sb/.rufo)
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