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Ein erstes Baugerüst am Kamenoostrowski-Palast (Foto: fontanka.ru)
Ein erstes Baugerüst am Kamenoostrowski-Palast (Foto: fontanka.ru)
Montag, 18.02.2008

Militär überlässt St. Petersburg einen Zarenpalast

St. Petersburg. Der vielleicht am schönsten gelegene Palast Petersburgs soll saniert und wieder zugänglich gemacht werden: Der Kamenoostrowski-Palast auf der Steininsel diente bislang als Sanatorium der Luftwaffe.

Am Nordrand der historischen Innenstadt liegt der Steininsel-Palast malerisch auf der Ostspitze der Steininsel direkt am Wasser. Errichtet worden war diese klassizistische Residenz in den 1770er Jahren im Auftrag von Katharina der Großen für ihren Sohn Paul – wobei bis heute unklar ist, wer der Architekt war. Nur der Bauleiter in Person von Juri Velten ist bekannt.

Die letzten Jahrzehnte diente die einstige Lieblingsresidenz von Zar Alexander I. der russischen Luftwaffe als Familien-Erholungsheim – eine wenig sinnvolle Nutzung für ein denkmalgeschütztes Schloss mitten in einer Großstadt. Unter diesen Bedingungen drohte der schleichende Verfall des Baudenkmals - zumal dieses zum letzten Mal gründlich vor 117 Jahren saniert worden war.

Beziehungen statt Geld sicherten der Stadt den Palast


Der Stadt gelang es im letzten Jahr, mit den Militärs eine verhältnismäßig billige Lösung zur Übergabe auszuhandeln, schließlich ist die Steininsel der begehrteste Baugrund für Villen der Multimillionärs-Kategorie in der Stadt: Lediglich ein Wohnblock weit außerhalb der Stadt wechselte als Gegenleistung den Besitzer.

Das Gebäude ist nunmehr in städtischem Besitz, ein Bauunternehmen vom Fach bekam auch schon einen Auftrag über ca. 2,7 Mio. Euro zur Untersuchung, Planung sowie denkmalschützerischen Sicherung des Gebäudes.

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Klein-Strelna auf der kleinen Strelka


In Sachen Nutzung hat die Stadtverwaltung jetzt ihr Konzept vorgestellt. Es soll ähnlich wie beim Konstantin-Palast in Strelna sein, den die Kreml-Verwaltung vor dem 300. Stadtgeburtstag 2003 aus einer Ruine in einen „Kongresspalast“ umrüsten ließ, der auch einem G8-Gipfel würdig war: Also eine Mischung aus Repräsentationsräumen für Empfänge, Vertragsunterzeichungen, Präsentationen und musealen Flächen, die für Ausstellungen genutzt werden können.

Der alte Küchen-Flügel auf dem Palast-Areal soll dabei zu einem kleinen Hotel umgebaut werden – ohne Sterne-Kategorien, mehr für den Dienstgebrauch, heißt es im Smolny.

Nach Meinung von Vera Dementjewa, der Leiterin der Petersburger Denkmalschutzbehörde, wird die Sanierung des Steininsel-Palastes 350 bis 450 Mio. Rubel (ca. 10 bis 12,5 Mio. Euro) kosten. Dies betrifft aber nur die Wiederherstellung des Gebäudes selbst – mit allen Außenanlagen, Nebengebäuden und technischer Ausstattung erwarten Fachleute das Sechs- bis Achtfache an Kosten.

Das Militär erwies Denkmalschutz-Geist


Unübliches Lob gab es von den Denkmalschützern und Bauexperten für die sonst in dieser Branche als wenig zimperlich geltenden Militärs: Von einem in die alten Stuckdecken integrierten fünfzackigen Stern und der allgegenwärtigen Ölfarbe auf den Wänden einmal abgesehen, hätten sie die Palast–Interieurs äußerst sorgfältig behandelt.

Brutale Umbauten mit unwiederbringlichen Verlusten habe es nicht gegeben. Selbst Deckengemälde, Kronleuchter und viele historische Möbel sind erhalten geblieben – und sei es in Räumen, die bis dato für Massagen genutzt wurden.

Wenn jetzt erst einmal die Sowjet-Farbschichten abgekratzt und die Fundamente trocken gelegt werden, hoffen die Bau-Historiker anhand von Indizien auch „eines der spannendsten architektonischen Rätsel nicht nur Petersburgs, sondern auch Russlands“ zu lösen: die Frage, welcher der damals in der Stadt aktiven Baumeister diesen Palast entworfen hat.



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