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Blutige Neujahrsgrüße aus der rechtsextremen Szene im Internet machen der Petersburger Miliz Sorgen. (Foto: Fontanka.ru)
Blutige Neujahrsgrüße aus der rechtsextremen Szene im Internet machen der Petersburger Miliz Sorgen. (Foto: Fontanka.ru)
Montag, 18.01.2010

Nazistischer Videoclip im Internet zeigt Ausländermord

St. Petersburg. Neu ist es nicht, wenn Nazis im Internet mit Videoaufnahmen für „ihre Sache“ werben. Neu ist aber, dass der Mitschnitt eines tatsächlich begangenen Mordes ins Netz gestellt wird. Die Petersburger Miliz ermittelt.

Zunächst gratuliert eine Gruppierung mit dem klingenden Namen „Nationalsozialismus – White Power“ den „Mitkämpfern“ zum Neuen Jahr und ruft sie zu „weiterem Terror“ auf. Und dann folgt ein kurzer Film, in dem gezeigt wird, wie zwei junge Männer über einen Dritten herfallen. Und: Die Gruppe übernimmt explizit die Verantwortung für das Verbrechen.

Bei der Petersburger Miliz staunte man nicht schlecht, denn was da gezeigt wurde, war nichts anderes als der Mord an einem Ghanaer am 25. Dezember letzten Jahres im Moskauer Stadtbezirk. Wegen der Silvesterlaune, die um die Zeit im ganzen Land vorherrscht, wurde der Vorfall kaum in der Presse erwähnt.

Der Student war am Abend des 25. Dezember auf offener Straße überfallen worden und hatte etwa 40 Messerstiche abbekommen. Er starb am frühen Morgen des nächsten Tages in einem Petersburger Krankenhaus.

„Die Braunen sind besiegt“? Wohl doch nicht


Erst im letzten Jahr hatte die Petersburger Miliz voller Stolz erklärt, es gäbe keine einzige rechtsextreme Gruppe mehr in der Stadt, die physische Gewalt gegen Ausländer anwendet. Das scheint aber doch nicht der Fall zu sein, wie spätestens jetzt klar wird.

Bei Russland-Aktuell
• Neonazis oder Islamisten - wer sprengte den Expresszug? (29.11.2009)
• Mord an Antifaschisten führt ins rechtsradikale Lager (17.11.2009)
• Rache: Russische Neonazis töteten Anwalt Markelow (05.11.2009)
• Antifaschistischer Film schon zum zweiten Mal verboten (04.06.2009)
• Konjunktur für den Rechtsradikalismus in Russland (18.04.2008)
Die Gruppierung, die im Internet mit ihrer bösen Tat prahlt, sieht sich offensichtlich als Nachfolgerin der „Bande Borowikow-Wojewodin“, die vor knapp vier Jahren ausgehoben worden war. Ihr Anführer Dmitri Borowikow war bei der Festnahme getötet worden und gilt seitdem als Leitfigur und Symbol der Petersburger rechtsextremen Szene.

Am Ende ihres Videoclips heben die Nazis ein Plakat mit seinem Konterfei in die Höhe. Damit wollen sie signalisieren: Der Kampf „mit den Gegnern des weißen Glaubens“ (O-Ton) geht weiter.

Die Petersburger Miliz will jetzt über die Domäne der Internet-Seite auf die Spur der Verantwortlichen kommen. Ein Polizeiexperte erklärte gegenüber der Internet-Zeitung Fontanka.ru, es sei technisch gar kein Problem, die verstellte Stimme des Sprechers in dem Clip zu entzerren und dann mit den Verdächtigen abzugleichen.

Der Kampf gegen den militanten Rechtsextremismus in St. Petersburg scheint damit in eine neue Runde zu gehen. „Die Braunen sind besiegt“ war wohl leider doch ein vorschnelles Urteil der Petersburger Rechtschutzorgane.



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