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| Durch die neue Kläranlage fließt weniger Schmutz in die Ostsee (Foto: Deeg/.rufo) | |
Donnerstag, 22.09.2005
Neue Kläranlage: Petersburg schont die Ostsee
St. Petersburg. Viel Prominenz für ein anrüchiges Projekt: Die Präsidenten Russlands, Finnlands und der schwedische Premierminister eröffnen heute in Petersburg eine Kläranlage, die der Ostsee eine Menge Dreck erspart.
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St. Petersburg, mit fünf Millionen Einwohnern die mit Abstand größte Stadt an der Ostsee, entließ bislang ein Viertel ihrer Abwässer ungeklärt in das Baltische Meer. Mit der Inbetriebnahme der sogenannten „Südost-Kläranlage“ wird der Anteil der gereinigten Abwässer nun auf 85 Prozent erhöht. Damit entspricht St. Petersburg den ökologischen Anforderungen der Helsinki-Konvention zum Schutz der Ostsee, erklärte die Gouverneurin der Stadt, Valentina Matwijenko.
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Nach Angaben der Petersburger Wasserwerke „Wodokanal“ werden dem europäischen Beinahe-Binnenmeer durch die neue Kläranlage jährlich 21.000 Tonnen Feststoffe, 23.000 Tonnen Sauerstoff verzehrender organischer Materialien, 3200 Tonnen Stickstoff und 520 Tonnen Phosphor erspart.
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Die Ostsee-Nachbarn lassen sich nicht lumpen
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Genauso stolz wie auf die dort angewandte moderne Abwasseraufbereitungs-Technik ist die Petersburger Stadtverwaltung aber auch auf das Modell, mit dem die Finanzierung des Projektes gelang: Nachdem der Staat in den 90er Jahren den noch zu Sowjetzeiten begonnen Bau wegen Geldmangels eingefroren hatte, war den Stadtvätern klar geworden, dass das Projekt allein aus Budgetmitteln wohl nie zum Abschluss kommen wird. Wegen des hohen ökologischen Nutzens gelang es jedoch, vor allem die Ostsee-Nachbarn Schweden und Finnland an der Verwirklichung der 174 Millionen Euro teuren Anlage zu interessieren.
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Neues Finanzierungs-Schema
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So wurde erstmals in Russland für ein öffentliches Infrastrukturprojekt das Modell einer international angelegten staatlich-privaten Partnerschaft geschaffen, an der sich insgesamt 14 Organisationen beteiligten. Aus den verschiedensten Fördertöpfen der Nachbarstaaten und der EU kamen 51 Millionen Euro an Zuschüssen zusammen. Den Löwenanteil finanzierten europäische Banken unter Führung der EBRD. Wodokanal steuerte zunächst nur 6 Millionen Euro bei, muss den Verträgen zufolge aber die Anlage samt Schuldzinsen bis 2017 bei einem eigens dafür geschaffenen internationalen Trägerkonsortium zurückkaufen.
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Kleiner Nordgipfel an der Kläranlage
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Auch wenn der russische Staat durch diese Konstruktion letztlich gar nicht mehr direkt an der Finanzierung des Projektes beteiligt war, ließ Wladimir Putin es sich nicht nehmen, dieses Modell einer gutnachbarschaftlichen Zusammenarbeit zum Wohle der Umwelt persönlich einzuweihen – und dazu seine finnische Amtskollegin Tarja Halonen und den schwedischen Premier Göran Persson einzuladen. Schließlich liegt auf Kreml-Initiative restaurierte prachtvolle Konstantins-Palast, der designierte Schauplatz des G8-Gipfels 2006, nur ein paar Fahrminuten von der Modell-Kläranlage entfernt.
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Die Petersburger Stadtregierung hofft im übrigen, bis zum Jahre 2010 die vollständige Reinigung der städtischen Abwässer zu erreichen. Der Bau des dafür nötigen Ringkanals im Norden der Stadt wird aber weitere 150 Millionen Euro verschlingen. Immerhin hat der russische Staat diesem Projekt schon seine Beteiligung zugesagt.
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(ld/rufo)
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