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In ihrer Freizeit spielt Vera Saxophon - hier im Hof des Kulturzentrums Puschkinskaja-10 in St. Petersburg. (Foto: von Arb/.rufo)
In ihrer Freizeit spielt Vera Saxophon - hier im Hof des Kulturzentrums Puschkinskaja-10 in St. Petersburg. (Foto: von Arb/.rufo)
Freitag, 01.10.2010

Nina, Uliana und Emma – Petersburger Kinder Teil II

St. Petersburg. Wie lebt eine mit einem Russen verheiratete deutsche Mutter mit drei kleinen Töchtern in St. Petersburg? Gibt es da nicht auch mal Reibereien? Dies und manches andere mehr erzählt Teil II unserer Reportage.

Veras Mann Igor hätte es ganz gern gesehen, wenn die Kleinen einen Kindergarten besuchen würden. Das ist in Russland ja der Normalfall; es gibt kaum einen Menschen, der nicht diese Vorschulinstanz durchlaufen hätte.

Bei Russland-Aktuell
• Nina, Uliana und Emma: dt.-russ. Kinder in Petersburg (29.09.2010)

Der Kefir in der Mikrowelle


Vera war dagegen, weil es ihr da zu grob zugeht. Igor sah das irgendwann ein. Aber nicht immer setzt sich Vera durch, natürlich.

Igor hat zum Beispiel ganz andere Vorstellungen von der Ernährung als sie: Er stellt schon mal einen Kefir zum Aufwärmen in die Mikrowelle, weil die meisten Russen davon überzeugt sind, dass Kinder von Getränken direkt aus dem Kühlschrank krank werden.

Das findet Vera zumindest „befremdend“. Dass die Kinder abends nichts Warmes essen sollen, findet wiederum Igor seltsam. Er ist es von Haus aus anders gewöhnt. In Russland wird in einer „normalen Familie“ einfach zwei Mal am Tag warm gegessen.

Igor ist die große Ausnahme


Was die Erziehung angeht, können sich die beiden arrangieren. Vera hat gelernt: „Die Frau sollte sich nicht einmischen, wenn der Vater mit den Kindern spielt. Frauen und Männer gehen ganz einfach unterschiedlich mit Kindern um. Das liegt nicht mal an der verschiedenen Mentalität.“

Für russische Verhältnisse ist Igor dann aber doch die Ausnahme, denn er kocht, kauft ein und passt auf die Kinder auf – z. B. wenn Vera Schwimmen geht. Das tut sie eisern zwei Mal in der Woche; ohne die 2.500 Meter pro Schwimmbadbesuch kann sie sich ihr Leben nicht vorstellen.

Igor bei der Arbeit: vorn die Kamera, hinten das Kind. (Foto: Dorn/.rufo)
Igor bei der Arbeit: vorn die Kamera, hinten das Kind. (Foto: Dorn/.rufo)

Hochschwanger im Schwitzbad


Genauso wenig wie ein Leben ohne Besuch in der Banja, dem russischen Dampfbad. Einmal in der Woche geht sie hin, früher allein, dann während der Schwangerschaften und jetzt mit den Kindern im Anhang.

„Einen Tag vor der Geburt von Uliana und später auch Emma war ich noch in der Banja, bei meinem Erstling Nina waren es immerhin drei Tage vorher“, erzählt Vera.

"Die Frauen dort staunten nicht schlecht, wenn ich da mit meinem dicken Bauch regelmäßig auftauchte. Und jetzt nehme ich die Kinder immer mit. Ich ernte eigentlich nur positive Reaktionen, auch weil die Kinder so selbständig sind.

Wenn ich im Schwitzraum sitze, beschäftigen sie sich allein, plantschen zum Beispiel unter der Dusche. Die Frauen in der Banja waren zuerst erstaunt, aber im Grunde lasse ich mit meinen Kindern eine alte Tradition wiederaufleben, denn in Russland war es früher üblich, die Kinder ins Bad mitzunehmen.“

Kinderwagen als Waffe gegen Raser


Natürlich ist das Leben mit drei kleinen Kindern in Petersburg nicht immer ein Zuckerlecken. Vera ist eine optimistische, lebensbejahende Frau, aber die Probleme sind ihr natürlich auch bewusst. Nehmen wir nur den ruppigen Umgang im Straßenverkehr.

So brav in einer Reihe stehen die drei Mädels äußerst selten... (Foto: Dorn/.rufo)
So brav in einer Reihe stehen die drei Mädels äußerst selten... (Foto: Dorn/.rufo)
Vera hat da eine erstaunliche Erfahrung gemacht: „Wenn du mit einem Kinderwagen am Straßenrand stehst, dann werden selbst die rücksichtslosesten Raser zahm – sie halten an und lassen dich anstandslos die Straße überqueren.

In der Metro und im Bus sind die Menschen sehr hilfsbereit. Es findet sich immer jemand, der dir hilft, den Kinderwagen von der oft hohen und unbequemen Bordsteinkante in den Bus zu wuppen. Und selbst in der Stoßzeit in der Metro versuchen die Leute, dich vor dem Gedrängel zu schützen.“

Von Hunden, Katzen, Alkoholikern und Pennern


Probleme gibt es auf dem Spielplatz. Streunende Hunde machen Vera Angst; Katzenkacke in der Sandkiste findet sie eine Zumutung, und die dummen Sprüche von Pennern, die da herumlungern, gehen ihr oftmals auf die Nerven.

Ein Rätsel ist immer noch: Wieso liegt in den Sandkisten kein vernünftiger Sand? Es ist das gleiche Zeug, was auch auf den Wegen gestreut ist. Wieso nimmt sich nicht mal irgendwer ein Herz und holt eine Fuhre feinen Sand vom Strand am Finnischen Meerbusen, wo es davon mehr als genug gibt? Haben sie am Ende Angst, dass das gute Zeug geklaut werden könnte???

Natur und Kultur


Schade ist natürlich, dass es in der Riesenstadt St. Petersburg so wenig Natur vor der Haustür gibt. Vera hat allerdings das Glück, ganz in der Nähe des heimeligen Gartens hinter der Akademie der Künste zu wohnen.

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„Da gibt es sogar Ponys und Pferde im Garten“, sagt sie. Sie ist fast jeden Tag mit Nina, Uliana und Emma dort. Der Kontakt zur Natur ist also doch gegeben. Zur Kultur sowieso, denn die atmet jeder Petersburger ja mit der Luft ein, an ihr kommt er gar nicht vorbei.

„Die Kultur hier ist ganz natürlich gegenwärtig, die wird nebenbei mitgenommen“, sagt Vera. „Nina hat auch schon Interesse an der Eremitage. Wenn ich mir die Zeit freischaufeln kann, will ich unbedingt demnächst hin mit ihr – einfach durchgehen und schauen.“

“Zurück nach Deutschland? Das steht nicht zur Debatte!“


Ohne die traditionelle Frage an Deutsche im Ausland wollte ich den Abend nicht beenden. Obwohl ich vorher wusste, wie die Antwort auf die Frage: „Hast du vor, nach Deutschland zurückzugehen?“, lauten würde.

„Das steht nicht zur Debatte“, so Vera. „Das wäre nur für mich eine Rückkehr, für die vier anderen wäre es ein völliger Neuanfang. Und ich habe mich hier in den fast 13 Jahren, die ich inzwischen in Petersburg bin, völlig eingelebt. Ich fühle mich gar nicht mehr als Ausländerin, bin hier aufgenommen und anerkannt.“



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Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

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ML_89 20.10.2010 - 16:09

Gut geschriebener Artikel,in Zukunft bitte mehr solcher Geschichten.


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