Dienstag, 18.05.2010

Petersburg bekommt erstes Mandelstam-Denkmal

Nadeshda Mandelstam bewahrte das literarische Erbe ihres Mannes. (Foto: teatr-gorodovoy.spb.ru)
St. Petersburg. Dank eines niederländischen Künstlerehepaares wird in St. Petersburg am 25. Mai das erste Denkmal für den berühmten Dichter Ossip Mandelstam und seine Frau Nadeshda enthüllt.
Es ist das erste Denkmal für Ossip Mandelstam in St. Petersburg und das erste überhaupt, in dem das Ehepaar vereint ist. Das Monument wird im Rahmen der „Mandelstam-Tage“ am 25. Mai im Hof der Petersburger Universität enthüllt.

Initiatoren des Denkmals waren die Holländer Hanneke de Munck und Sietse Bakker. Die Bildhauerin De Munck fertigte die Bronze-Skulptur an, ihr Ehemann verwendet seit Jahren in seinem Schaffen Auszüge aus Mandelstam-Gedichten.

Für das freie Schaffen und die Liebe


„Dieses Denkmal für die Liebe ist ein Zeichen der Achtung vor dem großen Dichter und seiner Gattin Nadeshda für ihre Treue zum freien Schaffen und ihre Hingabe füreinander“, heißt es in einer Presseerklärung.

Die beiden Künstler wollen ihr „Projekt der Liebe“ in den Niederlanden beenden – dort soll ein zweites Denkmal für die Mandelstams entstehen, das ebenfalls auf dem Gelände einer Universität aufgestellt werden soll. Damit sollen die „kulturellen Verbindungen zwischen Russland und Holland unterstützt werden“.

Ein genuin Petersburgischer Dichter


Ossip Mandelstam gehört zu den bekanntesten Dichtern des so genannten „Silbernen Zeitalters“ der russischen Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zusammen mit der „Dichterfürstin“ Anna Achmatowa ist er der wichtigste Vertreter der akmeistischen Schule.

Nach der Revolution von 1917 erlitt er das typische Schicksal der schöpferischen Intelligenz jener Zeit: Seine Schaffensfreiheit wurde immer weiter eingeschränkt, nach der Veröffentlichung des Stalinkritischen Gedichts „Wir Lebenden spüren den Boden nicht mehr“ folgten Haft und Verbannung.

Im Gedächtnis bewahrt


1938 starb er in einem Übergangslager auf dem Weg in die Verbannung in den russischen Fernen Osten. Seiner Frau Nadeshda ist es zu verdanken, dass sein Schaffen nicht in Vergessenheit geriet.

Viele Gedichte lernte sie auswendig und brachte sie so durch die Zeiten der politischen Repressionen, bis in den 1960er Jahren eine Veröffentlichung möglich wurde. Nadeshda Mandelstam wurde im Westen mit ihren Memoiren „Das Jahrhundert der Wölfe“ und „Generation ohne Tränen“ bekannt.

Sie starb 1981 in Moskau, erst im Zuge der Perestroika konnten ihre Werke und die ihres Mannes vollständig in Russland herausgegeben werden.