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So könnte in wenigen Jahren das Newa-Ufer am Smolny aussehen. (Foto: mr7.ru)
So könnte in wenigen Jahren das Newa-Ufer am Smolny aussehen. (Foto: mr7.ru)
Freitag, 25.09.2009

Petersburger Prominente gegen Gazprom-Wolkenkratzer

St. Petersburg. In Petersburg formiert sich die Öffentlichkeit zum Protest gegen die Entscheidung der Stadtregierung, den 400 Meter hohen Gazprom-Büroturm zu genehmigen. Prominente schreiben einen Brief an Medwedew.

„Auf der Seite der Gegner ist das Gesetz, die UNESCO und die öffentliche Meinung; auf der Seite der Befürworter steht das Geld von Gazprom und… das Geld von Gazprom“, bringt die Internetzeitung „Moi Rajon“ die prekäre Lage in der Newa-Metropole auf den Punkt.

Noch ein hässliches Monster


Gouverneurin Valentina Matwijenko verhehlt auch gar nicht, dass es ihr bei der Entscheidung um wirtschaftliche Vorteile und die weitere Ansiedlung von potenten Steuerzahlern geht.

Ein weiteres Argument der „Turmbejaher“ – auch der Eiffelturm in Paris, heute ein anerkanntes Meisterwerk der Industrie-Architektur, sei zunächst als „hässliches Monster“ abgelehnt worden.

Eine riesengroße Nadel


Nach der Entscheidung vom 22. September, für Gazprom eine Ausnahme in der Bauhöhenregelung zu machen, haben prominente Petersburger in einem Brief den russischen Präsidenten gebeten, „sich sofort in die Situation um den Wolkenkratzer im Ochta-Center einzumischen“.

Die „riesige Nadel“ verstoße gegen das Gesetz und führe zum „Ausscheiden Petersburgs aus der UNESCO-Kulturerbeliste“. Die berühmten Ansichten der Stadt würden verschandelt und die „Himmelslinie der Horizontalen“ zerstört.

Unterschrieben haben den Brief unter anderem der Schauspieler Oleg Basilaschwili, Box-Weltmeister Nikolai Walujew, die Liedermacher Alexander Gorodnizki und Alexander Dolski, der Musiker Juri Schewtschuk und der Regisseur Juri Mamin.

Mit von der Partie sind auch Mitglieder der Parteien „Jabloko“ und „Gerechtes Russland“ sowie die Bürgerinitiativen „Lebendige Stadt“, „Ochta-Bogen“ und „Solidarität“.

Bei Russland-Aktuell
• Petersburg verkauft Anteile an Ochta-Center unter Preis (23.09.2009)
• Gazprom-City: Matwijenko hat das letzte Wort? (18.09.2009)
• Insolvente Werften: Steigt Gazprom bei Wadan ein? (12.08.2009)
• Gazprom überlegt Einfrieren des Stockmann-Projekts (22.07.2009)

UNESCO warnt Russland


Die UNESCO hat Russland bereits gewarnt: Sollte der Wolkenkratzer direkt gegenüber dem Smolny-Ensemble am Newa-Ufer gebaut werden, könnte Petersburg in die Liste der bedrohten Kulturerbeobjekte wechseln.

Der Sekretär der russischen UNESCO-Kommission Grigori Ordschonikidse hofft, die russische Regierung würde sich nun einmischen und die Entscheidung der Stadt rückgängig machen. Die Baugenehmigung widerspricht sowohl dem Gesetz für Grundstücksnutzung und Bebauung als auch dem Gesetz über die denkmalgeschützten Objekte des Kulturerbes.

Das ewige Spiel


Mit Freude hat nur eine einzige Organisation auf das Verdikt von Matwijenko reagiert – das Architekturbüro RMJM, das im Dezember 2006 den Wettbewerb um den Entwurf des Wolkenkratzers gewonnen hatte.

Die Londoner Architekten finden, die „verdrehte Nadel“ würde mit den vielen anderen Turmspitzen der Stadt harmonisieren. Sie hätten sich „inspirieren lassen von fließendem Wasser und dem ewigen Spiel des Lichts, der Spiegelungen und der Brechungen“.

"Das ewige Spiel" kann aber auch anders interpretiert werden - wer die Musik bezahlt, bestimmt, was gespielt wird. Das scheint Gazprom gut verinnerlicht zu haben, denn nur so tritt der Gasgigant in den letzten Jahren auf.


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Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)




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