St. Petersburg. Hoch hinaus wollen Metro-Bauer wie -Planer im buchstäblichen und im übertragenen Sinne: Zum einen sollen die Züge in den Neubauvierteln bald überirdisch fahren. Zum anderen werden neue Wege aus der Finanzierungsmisere gesucht. Eine mögliche Lösung ist die teilweise Privatisierung von mehreren Metrostationen.
Auf einer Sitzung im Smolny wurden am Mittwoch die neuesten Pläne zum Ausbau der Petersburger Metro vorgestellt. Schon im nächsten Jahr soll die Station „Komendantski Prospekt“ fertiggestellt werden, 2007 folgt die Inbetriebnahme der Stationen „Parnasskaja“ und eines zweiten Ausgangs aus der „Baltijskaja“, der direkt zu der geplanten Einkaufszone am Warschauer Bahnhof führen soll.
2008 soll dann endlich der U-Bahnhof „Admiraltejskaja“ eröffnet werden. Er besitzt schon seit Jahren eine fertige Halle unter der Erde, an der die Züge zwischen „Sadowoja“ und „Sportiwnaja“ ohne Halt vorbeirauschen. Aus Denkmalschutzgründen konnte lange nicht entschieden werden, an welcher Stelle im unteren Teil des Newski Prospekts der Ausgang angelegt werden soll. Im Smolny neigt man zu der umstrittenen Variante, das Vestibül an Stelle des Hauses Kirpitschny pereulok 1/4 anzulegen.
Ebenfalls 2008 erhält die Station „Sportiwnaja“ einen zweiten Ausgang, der auf dem anderen Newa-Ufer auf der Wassili-Insel eingerichtet werden soll. Dies hätte eine erhebliche Entlastung der „Wassileostrowskaja“ zur Folge, die von allen benutzt wird, die zur Uni, in die vielen Museen und andere im Akademikerviertel an der Landspitze der Wassili-Insel beheimatete Forschungsinstitute und Archive und Bibliotheken etc. wollen. „Wassileostrowskaja“ steht regelmäßig vor dem Kollaps, besonders in der Stoßzeit am Abend.
Eine Neuerung beim Petersburger Metrobau ist die Idee, in den Neubauvierteln die Züge über der Erde fahren zu lassen. Damit könnten bis zu 60 Prozent der Baukosten eingespart werden. Linien dieser Art bieten sich in Weiterführung der gelben Linie Richtung Norden, im Südwesten und in Verlängerung der roten Linie hinter der Station „Kuptschino“ an.
Pläne gibt es also reichlich, aber wie immer hakt ihre Realisierung an der Finanzierung. Gouverneurin Valentina Matwijenko möchte jährlich drei Milliarden Rubel Staatsgeld in die Metro fließen lassen. 2004 sollen es gar vier Milliarden sein, wovon eine Milliarde ausschließlich für die endgültige Wiederherstellung der unterbrochenen Linie im Nordwesten der Stadt vorgesehen ist. Bei diesem Schema stützt sich die Stadtregierung allerdings auf eine Finanzierung aus dem föderalen Haushalt und dem Stadtsäckel zu gleichen Anteil – 50 Prozent fließen aus Moskau, 50 Prozent bringt Petersburg selbst auf.
So war es wenigstens im Jubiläumsjahr versprochen worden. Doch das ist lange her und geschah vielleicht im Taumel der Feststimmung, denn nun geizt die Zentrale wieder mit dem Geld – wie üblich. Bisher flossen nur 20 Prozent der erhofften Summe aus Moskau. Angesichts dieser unerfreulichen Tatsache sieht sich die Stadt gezwungen, das ambitiöse Entwicklungs-Programm für die Metro, das 2000/2001 ausgearbeitet und auf Ministeriums-Ebene abgesegnet worden war, zusammenzustreichen.
Viele Beteiligte sind aber auch bei dem verkürzten Programm skeptisch, ob dieses finanzierbar ist. Matwijenko in ihrer typischen resoluten Art will davon nichts hören. Sie wies das Komitee für Wirtschaftsentwicklung, Industriepolitik und Handel an, die veranschlagten drei Milliarden pro Jahr aufzutreiben; das Finanzkomitee erhielt seinerseits den Befehl, diese Summe in den Haushaltsentwurf für 2005 aufzunehmen.
Aber wo soll das Geld nun wirklich herkommen? Die Tageszeitung „Delowoi Peterburg“ schreibt, dass Matwijenko ihre Beamten anwies, innerhalb von zwei Wochen ein Programm auszuarbeiten, nach dem zehn Stationen der Petersburger U-Bahn teilweise in Privatbesitz übergehen könnten. Um welche Stationen es sich konkret handelt, ist bisher nicht bekannt. Die zu gewinnenden privaten Investoren sollen Geld geben für die Rekonstruktion und im Gegengriff Flächen zur eigenen Nutzung erhalten.
Und zum Schluss ein wenig Statistik: Laut „Iswestija“ hat die Petersburger Metro eine Gesamtlänge von 99,5 Kilometern, besitzt 58 Stationen, befördert pro Tag 2.429.200 Passagiere (im Schnitt 51 Personen pro Waggon). Am längsten ist mit 43 Minuten die Fahrtzeit auf der zweiten (blauen) Linie, auf der vierten (gelben) Linie dauert eine Fahrt von „Staraja Derewnja“ bis „Ul. Dybenko“ oder umgekehrt ganze 32 Minuten. Nach Expertenmeinung liegt die Petersburger U-Bahn in ihrer Entwicklung um 20 Jahre zurück; ca. die Hälfte aller Einwohner der Stadt leben außerhalb des Metro-Einzugsbereichs. (sb/.rufo)
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Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)