Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Syrien-Einigung: Das dicke Ende kommt noch
Startseite


Ein Bauplatz mit elitärer Aussicht auf die Eremitage: Kommen hier jetzt Gerichtsgebäude hin? (Foto: dp.ru)
Ein Bauplatz mit elitärer Aussicht auf die Eremitage: Kommen hier jetzt Gerichtsgebäude hin? (Foto: dp.ru)
Dienstag, 30.10.2012

Russlands oberste Gerichte ziehen ans Europa-Ufer

St. Petersburg. Das Oberste Gericht und das Oberste Schiedsgericht sollen Medienberichten zufolge aus Moskau an die Newa umziehen. Standort wird vermutlich das „Europa-Ufer“ – schräg gegenüber von Eremitage und Strelka.

St. Petersburg soll noch ein bisschen mehr Hauptstadt werden: Wie die Zeitung „Kommersant“ gestern berichtete, gab es in der letzten Woche im Kreml eine Unterredung mit den Vorsitzenden des Obersten Gerichtes und des Obersten Schiedsgerichtes. Dabei sei den Richtern verkündet worden, dass beschlossen worden sei, ihre Gerichte von Moskau nach St. Petersburg zu verlagern.

Russisches Flottenkommando wieder in St. Petersburg
Morgen, am 31. Oktober, wird auf der Admiralität feierlich die Andreas-Flagge gehisst. Mit diesem Akt wird offiziell der Umzug des Stabes der russischen Kriegsmarine von Moskau nach St. Petersburg für vollzogen erklärt.
Pläne, die höchste Gerichtsbarkeit aus der Hauptstadt nach St. Petersburg zu verlagern, gibt es in Russland schon seit 2003. Doch umgesetzt wurde nur der Umzug des Verfassungsgerichts.

Zuletzt standen die beiden anderen obersten Instanzen auf der Liste jener Hauptstadt-Institute, die in den von Moskau frisch eingemeindeten Umland-Sektor ausgesiedelt werden sollten.

Hauptstadt-Auszug, -Umbau oder -Umzug?


Die vom seinerzeitigen Präsidenten Dmitri Medwedew propagierte Idee vom Bau einer neuen Satelliten-Hauptstadt vor den Toren Moskaus hakelt aber seit dem Amtswechsel im Kreml sichtlich. Wladimir Putin hat sich bereits für die Idee stark gemacht, besser direkt neben dem Kreml (auf dem Gelände des früheren Hotels „Rossija“) ein Parlamentszentrum zu bauen. Außerdem scheint nun auch wieder Schwung in das Projekt der ersten Putin-Ära zu kommen, die oberste Ebene der Judikative nach Petersburg auszulagern.

Einen Standort für die beiden Gerichtshöfe scheint man im Kreml auch schon gefunden zu haben – wenn gleich es offiziell dazu noch keinen Kommentar gibt: Es soll sich, so die Zeitung unter Berufung auf Insiderinformationen, um das sogenannte „Europa-Ufer“ auf der Petrograder Seite handeln.

Gerichtssäle statt VIP-Viertel "Europa-Ufer"


Bislang war dies das anspruchsvollste aktuelle städtebauliche Projekt im Petersburger Stadtzentrum: Auf einem Areal, auf dem sich früher ein Chemie-Institut befand, wollte eine Tochtergesellschaft der Bank VTB für etwa 1,5 Mrd. Euro ein hochnobles neues Quartal bauen – mit Fußgängerzone am Ufer, schönstem Ausblick auf Petersburgs Postkartenpanorama und einem „Tanzpalast“ für die Truppe von Boris Eifman.

Bei Russland-Aktuell
• SPb.: Aus für Europa-Uferstraße und Ejfmans Tanzpalast? (22.05.2012)
• Deutsches Architekturbüro baut Uferstraße Europas (11.03.2009)
• Umzug der Marine nach Petersburg verzögert sich (19.06.2009)
• Verfassungsgericht startet mit großen Hindernissen (27.05.2008)
• Trotz „Groß-Moskau“: Regierungsviertel am Kreml? (18.10.2012)
Doch letzte Woche stoppte der Investor, ohne konkrete Gründe zu nennen, die Finanzierung der Arbeiten. Gegenwärtig sind die alten Gebäude dort weitgehend abgerissen, aufgehäufte Erde und geshredderter Beton ragen wie Dünen über den Bauzaun hinaus.

Kontaminierter Bauschutt aufgehäuft


Denn so perfekt der Bauplatz auch gelegen ist, so heftig sind seine Erblasten: Das Chemie-Institut GIPCh entwickelte dort nämlich über Jahrzehnte mitten in der Petersburger City Treibstoffe für Raketen – und hat dabei Grund und Gebäude verseucht. Das Material muss erst dekontaminiert werden, bevor es entsorgt werden kann.

VTB-Development (an dessen Spitze Sergej Matwijenko, der Sohn der früheren Gouverneurin von St. Petersburg und heutigen Föderationsratsvorsitzenden, Valentina Matwijenko, steht) finanzierte außer dem Abriss auch den Umzug des Institutes sowie ein als Bedingung gestelltes Wohnungsbauprojekt für den Inlandsgeheimdienst FSB. Laut fontanka.ru hat die Bank bisher etwa 10 Mrd. Rubel (250 Mio. Euro) in das Projekt investiert.

VTB und Kreml schon handelseinig?


Nach Informationen der beiden Medien haben sich der Kreml und die mehrheitlich staatseigene Bank hinter den Kulissen aber bereits darüber verständigt, dass das Projekt – wohl gegen eine entsprechende Entschädigung - an die Präsidentenverwaltung abgegeben wird. Die Petersburger Stadtverwaltung hat wohl auch nichts dagegen - schließlich hat sie unter Gouverneur Georgi Poltawtschenko geradezu planmäßig alle teuren Großprojekte der Matwijenko-Ära gecancelt.
Dies wird wohl bedeuten, dass von der bisherigen Konzeption des Viertels mit einer Mischnutzung aus teuren Wohn- und Büroflächen samt Tanzpalast nicht viel übrig bleibt, wenn nun zwei gerichtliche Amtsbauten integriert werden sollen. Bislang gab es allerdings noch keine Detailplanungen, sondern nur einen Master-Plan der weithin anerkannten Architekten Sergej Tschoban und Jewgeni Gerassimow.

Der Kreml-Baumeister wird zum Stadtplaner


Die Präsidentenverwaltung unter Wladimir Koschin hat in St. Petersburg einige Erfahrung mit Großprojekten: Sie war federführend bei der Verwandlung des Konstantin-Palasts in Strelna in ein G8-taugliches Kongresszentrum sowie der Sanierung der Gebäude von Senat und Synod für das Verfassungsgericht. Für Staatsgäste und die Verfassungsrichter wurden zudem noch noble Villen-Kolonien errichtet.

Mit der Planung eines ganzen Stadtviertels von Null an war die Baudirektion des Kremls aber noch nie betraut – was daraus wird, muss sich noch zeigen. Und diese Aufgabe ist angesichts der Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zu Eremitage, Strelka und Peter-Pauls-Festung mehr als verantwortungsvoll.

Ein neues Milliardengrab für Steuergelder?


Angesichts der aktuellen Entwicklung ist nun zunächst einmal damit zu rechnen, dass den Petersburgern der Bauzaun um die Brache und die Schuttberge einfach noch eine Weile länger erhalten bleiben als bislang erwartet.

Und es stellt sich natürlich die Frage nach den Kosten: Wie viel Steuergelder kostet den Staat dieses Umzugs- und Neubauprojekt – und welchen Nutzen hat er eigentlich davon? Der Umzug des Verfassungsgerichtes summierte sich letztlich auf üppige 5,3 Mrd. Rubel (ca. 132 Mio. Euro) – bei dem neuen Projekt würde schon allein der Bauplatz fast das Doppelte kosten.

Vielleicht endet deshalb auch alles mit der ungewollten Verwirklichung des Wunsches vieler Petersburger Stadtbildschützer: Wenn nämlich letztlich auf dem Filetstück gar nichts gebaut werden sollte, könnte man dort einfach einen Park anlegen.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Beachten Sie unbedingt die >>> Regeln für Leserkommentare. Sie können hier oder auch im Forum ( www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Dienstag, 30.10.2012
Zurück zur Hauptseite







Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)

Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Petersburg intern
Schnelle Stadtnachrichten

31.10.2015224 Tote: Absturz über Ägypten schockiert Russland
19.09.2015Ermordete Zarenkinder werden in St. Petersburg beigesetzt
13.09.2015Neuer russischer Ostseehafen: Bronka geht in Betrieb
13.09.2015Neuer russischer Ostseehafen: Bronka geht in Betrieb
19.05.2015St. Petersburg macht sich klein – im Maßstab 1:87
22.03.2015Opel ade: General Motors räumt den russischen Markt
31.01.2015St. Petersburg: Deutsche Visa auf der Petrograder Seite
23.04.2014Petersburger Wasserbusse fahren 2014 auf längerer Linie
26.03.2014Flughafen-Umzug beendet: Pulkovo-2 wird stillgelegt
04.12.2013Deutschland-Flüge eröffnen neues Terminal in Pulkowo
21.11.2013Bedingt frei: Greenpeace-Aktivisten verlassen Gefängnisse
20.11.2013Wechselberg stiftet Petersburg ein Faberge-Museum
19.11.2013Greenpeace-Fall: Ärztin und Fotograf kommen frei
13.11.2013Pussy-Riot-Sängerin und Greenpeace-Aktivisten verlegt
08.11.2013Deutsche Lastwagen aus Petersburg: MAN-Werk eröffnet

Mehr Petersburg bei www.petersburg.aktuell.ru >>>


Schnell gefunden
Petersburg Kultur
Petersburg Wirtschaft
Petersburg Architektur
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
Kommentar
Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Moskau
Parken: Moskaus Lizenz zum Gelddrucken
Kopf der Woche
Moskauer Polizei jagt Baulöwen nach vier Morden
Kaliningrad
Pech für Kaliningrader Glücksspielbetreiber
Thema der Woche
Russland in Syrien: Imagekorrektur per Krieg gegen IS
St.Petersburg
Ermordete Zarenkinder werden in St. Petersburg beigesetzt

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.sotschi.ru
www.wladiwostok.ru, www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.zeit.ru





top us casino sites for you!! casino payment solutions http://www.playonlineblackjack.us.com/ best us deposit bonus casinos Dragon Orb and many more the newest online slot play trusted online casinos still accepting U.S. players best online blackjack review Do you want to play real money slots 24/7?) Click to grab your slots bonus - up to $2500) best online casinos for usa players + Play the best casino games + Claim generous slots bonuses I found the best online casino bonus us friendly ever. Play online casino games with the best bonuses. TOP USA Casinos accepting credit cards - Visa, Mastercard, Amex - reliable deposits. One of the most popular casino sites among slots lovers. Start playing Polar Explorer, one of RTG's newest slots machines at rtgbrands. slots games how to win in vegas slots best online casino allow us customers big bonus online gambling sites