Dienstag, 15.10.2013

Sberbank akzeptierte falsche 5000er-Scheine in Millionenhöhe

Derartige kleine Rubelscheine sind bei russischen Banken weiterhin unverdächtig (Foto: ld/.rufo)
Moskau/St. Petersburg. Geldfälscher haben die Sberbank um über 16 Mio. Rubel (370.000 Euro) geschädigt, in dem sie falsche Rubelnoten an Geldautomaten einzahlten. Doch sieben Mann der Bande sitzen jetzt bereits hinter Gittern.
In den letzten Tagen hatten mehrere russische Banken mitgeteilt, dass sie vorübergehend die Annahme von 5000-Rubel-Scheinen (Gegenwert ca. 115 Euro) an ihren Geldautomaten aussetzen. Der Grund dafür war ein ungewöhnlicher Raubzug, mit dem Geldfälscher in den letzten Tagen zunächst in Moskau und dann in St. Petersburg Russlands größter Bank, der Sberbank, Millionen abgeluchst haben.

Die Täter hatten einen ungewöhnlichen Vertriebskanal für ihre 5000er-Blüten entdeckt: Sie zahlten sie an Geldautomaten auf Sberbank-Konten ein, für die sie Kundenkarten hatten. Nachdem das Geld auf den Konten gutgeschrieben war, wurde es an anderen Geldautomaten wieder abgehoben – nun aber schon in sauberen, echten Scheinen.

In der Moskauer Region wurden seit Beginn des Masseneinwurfs von Blüten in Geldautomaten auf diese Weise etwa 15 Mio. Rubel ergaunert.

Blüten waren computergerecht - aber ohne Seriennummer


Offenbar hatte die Geldfälscherbande sehr genaue Kenntnisse darüber, wie und welche Echtheits-Merkmale die „Bankomaten“ bei der Geldannahme prüfen – möglicherweise hatten sie zuvor einmal irgendwo in Russland einen Geldautomaten zu Studienzwecken gestohlen.

Denn originellerweise hätten sie ihr Falschgeld keinem fachkundigen Kassier unterjubeln können: Es handelte sich um relativ plumpe Fälschungen, angefertigt auf minderwertigem Papier mittels Computerdrucker. Auf den Scheinen fehlte sogar die Seriennummer – aber dafür waren jene Prüfmerkmale, auf die die Geldautomaten achteten, sehr gut herausgearbeitet.

Usbekische Bande dank Fahndungsfotos gestellt


Andererseits sind Geldautomaten nicht ganz so dämlich, wie sich dies die Falschmünzer offenbar dachten: Bekanntlich wird jede Person, die sich daran bedient, von einer Videokamera aufgenommen. So hatten die von der Sberbank alarmierten Fahnder schnell eine Porträtgalerie der an dem Manöver beteiligten Personen beieinander – allesamt mit deutlichen asiatischen Gesichtszügen.

Nachdem am 10. Oktober diese schon bekannten Gesichter auch mehrere Geldautomaten in St. Petersburg mit insgesamt 1,25 Mio. „Rubel“ gefüttert hatten, wurden Fahndungsfotos an die Bediensteten der Bahnhöfe und des Flughafens ausgegeben. Zwei Tage später wollten dann in Pulkowo sieben Usbeken, alle aus der Provinz Samarkand und zwischen 22 und 32 Jahren alt, zu Flügen nach Moskau sowie nach Taschkent einchecken.

Doch dazu kam es nicht, die Verdächtigen wurden festgenommen. Nach Angaben der Webzeitung fontanka.ru haben einige von ihnen bereits Geständnisse abgelegt. Ein Bandenmitglied sei wegen Geldfälscherei bereits einmal in Wologda zu einer Haftstrafe verurteilt gewesen.

Automaten-Falschgeld angeblich aus Dagestan


Ihren Aussagen zufolge haben die Usbeken die Blüten Anfang Oktober in Moskau von Dagestanern erworben – und dabei für 10 Mio. falsche Rubel 2,2 Mio. echte Rubel bezahlt. Wenn dies so stimmt, bedeutet dies allerdings, dass noch weitere Automaten-Betrüger ihr Unwesen treiben – schließlich summiert sich die bereits sichergestellte Falschgeldmenge auf 16,25 Mio. Rubel. Im März dieses Jahres war bereits einmal eine aus Dagestan kommende Falschgeld-Partie in Höhe von 50 Mio. Rubel im Gebiet Rjasan sicher gestellt worden.

Neben der Sberbank haben in den letzten Tagen auch die VTB 24, die Alfa Bank und die Bank Moskwy die Annahme von 5000-Rubel-Scheinen durch Geldautomaten blockiert. Bei der Sberbank soll die Sperre aber nur noch eine Woche dauern, teilte sie mit.

Bis dahin sollen die Geldannahme-Geräte mit einem Programm-Update ausgerüstet sein, dass derartigen Gaunern nicht mehr auf den Leim gehen soll.