 |
|
| Ferum Trophy 2002 (foto: ld/rufo) | |
Dienstag, 25.03.2003
Schlaglochrallye geht in die zweite Runde
St. Petersburg. Zum zweiten Mal findet auf der „schlechtesten Straße von St. Petersburg“ ein Autorennen statt. Die Veranstaltung ist absolut demokratisch: Der Austragungsort wurde durch eine Abstimmung im Internet ermittelt. Die Teilnahme ist kostenlos und offen für jeden, der bereit ist, auf der mörderischen Piste sein Auto zu ruinieren.
|
|
Paris-Dakar ist out – in St. Petersburg gibt es die „Ferum Trophy“: Die Aufgabe bei diesem Autorennen ist denkbar einfach: Es gilt eine schnurgerade innerstädtische Straße so schnell wie möglich zu durchfahren. Wäre da nicht ein Problem: Die Straße ist als solche nicht zu erkennen – ganz besonders zu dieser gesegneten Jahreszeit, wenn Pfützen und eine dicke Matschschicht die Piste bedecken. Schmelzwasser-Canyons, kraterartige Schlaglöcher, Kanalschächte und aus dem Boden ragende Schrottteile sorgen auf der auserwählten Trasse für perfekte Offroad-Bedingungen.
|
|
 |
| Ferum Trophy 2002 (foto:ld/rufo) |
Letztes Jahr gingen 64 Autos auf dem Laboratorny Prospekt an den Start. Drei kamen nicht ans Ziel: Ein Suzuki Vitara knallte gegen einen Laternenpfahl, zwei Ladas blieben mit geplatzem Kühler respektive gebrochener Radaufhängung auf der Strecke. Alle anderen Teilnehmer meisterten die Distanz mit Können und Würde – jahrelanges Fahrtraining auf den Petersburger Magistralen machte sich bemerkbar.
Dieses Jahr findet das Rennen am 5. April um 18 Uhr auf der Noworossijskaja uliza (zwischen Politechnitscheskaja ul. und Grashdanski Pr.) in der Nähe des Ploschtschad Muschestwa statt. Laut Co-Veranstalter Sergej Gurenkow vom Nachtclub Ferum ist diese Piste „noch schlechter als der Laboratorny Prospekt“, das Rennen verspreche deshalb „interessant“ zu werden. Ermittelt wurde der Austragungsort durch eine Internet-Abstimmung unter den Lesern der Zeitung „Delowoj Peterburg“.
Deren Redaktion hatte im letzten Frühjahr die Schnapsidee, nicht nur die schlechtesten Straßen der Stadt zu wählen, sondern dort auch noch ein Rennen zu veranstalten. Allerdings bestand die Verkehrspolizei damals dann darauf, den Wettbewerb aus Sicherheitsgründen von einer der gewählten belebten Magistralen auf eine leicht abzusperrende Trasse zu verlegen.
|
Die Stadtverwaltung nahm die durchaus als Kritik gedachte Aktion mit Humor: Gouverneur Wladimir Jakowlew – beziehungsweise sein Fahrer – zeigte Mut und liess sich zum Auftakt des Rennens in seinem 7er BMW über die Rennstrecke chauffieren. Das zeigte Wirkung: Einen Monat später wurde der Laboratorny Prospekt in eine normale Straße verwandelt.
Die Idee, Petersburgs völlig zerrüttete Straßen für die Leser-Blatt-Bindung einzusetzen, ist übrigens nicht neu: Die erste Wahl der schlechtesten Straße der Stadt wurde von der Zeitschrift „Awtomobil“ vor genau 100 Jahren durchgeführt: 1903 fiel die Wahl auf den Ligowski Prospekt.
(ld/.rufo)
|
|
|
|
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>