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Einen immerwährenden Geldsegen in ungeahnten Höhe erhofft sich Petersburgs Stdtverwaltung durch die Ansiedlung der neuen Gazprom-Öltochter (foto: ld/rufo)
Einen immerwährenden Geldsegen in ungeahnten Höhe erhofft sich Petersburgs Stdtverwaltung durch die Ansiedlung der neuen Gazprom-Öltochter (foto: ld/rufo)
Montag, 03.04.2006

Sibneft mutiert in Petersburg zu Gazpromneft

St. Petersburg. Gazprom wird den von Roman Abramowitsch erworbenen Ölkonzern Sibneft im Mai in Gazpromneft umbenennen und in St. Petersburg anmelden. Der Smolny bezahlt dem Konzern dafür den Bau eines Wolkenkratzers.

St. Petersburg bekommt in Kürze ein großes Stück vom russischen Öl-Business ab: Am 13. Mai wird der von Gazprom übernommene Ölkonzern Sibneft in „OOO Gazpromneft“ umbenannt und unter der juristischen Adresse „Angliskaja Nabereshnaja 10“ in St. Petersburg registriert.

In diesem Stadtpalais am „Englischen Ufer“ befindet sich bislang noch die offizielle Repräsentanz des fernöstlichen Gebietes Tschukotka in der „nördlichen Hauptstadt“. Offenbar hat der Oligarch und nebenberufliche Gouverneur von Tschukotka Roman Abramowitsch bei seinem letztjährigen Milliarden-Deal über den Verkauf von Sibneft auch gleich noch die Nutzungsrechte an dieser noblen Immobilie mit abgetreten. Wohl nach dem Motto, wozu noch ein Haus am Englischen Ufer, wenn man in England gleich einen ganzen Fußballclub besitzt ...

Omsk und Tschukotka verlieren Einnahmen, Petersburg gewinnt


Dem künftigen Hauptquartier von Gazpromneft sollen dann im Laufe des Jahres auch alle bisherigen Sibneft-Aktiva in Omsk und Tschukotka untergeordnet werden, erklärte Gazprom-Chef Alexej Miller nach einem Treffen mit der Petersburger Gouverneurin Valentina Matwijenko.

Das Parlament des Gebietes Omsk will zwar noch bei Präsident Wladimir Putin intervenieren, um den Verlust des großen Steuerzahlers aufzuhalten, berichtete der „Kommersant“.

In Petersburg Steuern zahlen ist besonders patriotisch


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Doch Chancen darauf gibt es wohl wenig: Zu sehr wird der aktuelle Trend, Großunternehmen – zumal solche unter Staatskontrolle – real oder zumindest steuerlich nach St. Petersburg zu verpflanzen, vom Kreml gedeckt. Den Grund dafür formulierte Matwijenko kurzerhand so: „Der Erhalt des kulturellen Erbes St. Petersburgs erfordert hohe Kapitalaufwendungen und ist eine gesamtstaatliche Aufgabe.“ Noch Fragen?

So sind es also nicht unbedingt bessere Standortbedingungen an der Newa, die angeblich geringere Korruption oder clevere Investorenförderprogramme für derartige Ortswechsel ausschlaggebend. Dahinter stehen schlichtweg Bemühungen des Kreml mit seinem Petersburger Lokalpatrioten an der Spitze, dem Stadtbudget zahlungskräftige Steuerzahler zu verschaffen.

Putin reanimiert das Peter-Prinzip


Das ganze erinnert ein bisschen an einen Ukas von Peters den Großen vor gut 300 Jahren: Der zwang seinerzeit die russischen Bojarengeschlechter, sich in der damals noch mehr als unwirtlichen neuen Hauptstadt Residenzen zu bauen und sich dort niederzulassen – ob sie nun wollten oder nicht.

Sibneft-Gazpromneft wird in Zukunft etwa 20 Milliarden Rubel pro Jahr (ca. 600 Mio. Euro) in die Kasse des Smolny fließen lassen – für das im Vergleich zu Moskau arme Petersburg mehr als ein warmer Regen. Allerdings: Ohne eine adäquate Gegenleistung ließ sich Gazprom nicht auf den Umzug ein. Die Stadtverwaltung ist bereit, dem Ölkonzern den Bau eines Bürozentrums zu finanzieren – zu 100 Prozent. Denn das Palais am Englischen Ufer ist auf Dauer kaum ein geeigneter Geschäftsitz.

Gastgeschenk für den Steuerzahler: Ein Wolkenkratzer


St. Petersburg verpflichtet sich in dem bisher als Gesetzentwurf formulierten Deal darin, der Gazpromtochter zehn Jahre lang bis 2016 jährlich 5,5 Milliarden Rubel (ca. 165 Mio. Euro) „Subventionen“ zu zahlen, damit sich diese mit diesem Geld ein standesgemäßes Hauptquartier an der Newa errichten kann. Noch dazu sollen dem Ölkonzern für einigen Jahre Steuervergünstigungen eingeräumt werden.

Dabei geht es um ein Projekt, dass die Dimensionen jedweden Bürogebäudes sprengt, das bisher in Petersburg gebaut wurde: „Gazprom-City“ soll von einem 300 Meter hohen Wolkenkratzer gekrönt werden und wird faktisch ein ganzes High-Tech-Business-Quartal darstellen. Als Bauplatz ist die Ochta-Mündung am dem Smolny gegenüberliegenden Newa-Ufer auserkoren worden.

Faktisch läuft das Geschäft darauf hinaus, dass sich St. Petersburg verpflichtet, dem Ölgiganten eine etwa 2,5 Milliarden Euro teure Unternehmenszentrale zu finanzieren – während der Ölkonzern nur unverbindlich zusagt, in Zukunft seine überaus üppigen Steuern eben in St. Petersburg und nicht anderswo abzuliefern.

Risiken und Nebenwirkungen – noch nicht geprüft


Das Risiko einer Veränderung der politischen Großwetterlage (und sei es die Wahl eines Präsidenten aus einer anderen Stadt), eines Einbruchs im Ölgeschäft oder einer weiteren Restrukturisierung des halbstaatlichen Gazprom-Imperiums liegt bei der Stadt. Der Gewinn könnte hingegen noch höher sein als die für den Bau „überzähligen“ Steuermilliarden des Ölmultis: Wenn dieser nicht nur gutverdienende Angestellte und Manager, sondern auch Zulieferer, Geschäftspartner und Dienstleister nach „Gazprom-City“ holen sollte, beginnt in St. Petersburg tatsächlich so etwas wie ein Ölboom.

Die Kritiker – und es sind nicht wenige in der Stadt - haben allerdings anderes vor Augen: Zum einen einen glatten Verstoß gegen diverse Vorschriften in den Steuergesetzen.

Zum anderen fürchten sie, dass von diesem ambitiösen Projekt auch nicht mehr bleibt als von dem Prestige-Objekt der Jelzin-Zeit, der Hochgeschwindigkeits-Eisenbahn von Moskau nach St. Petersburg: eine gewaltige Baugrube mitten im Stadtzentrum, der man die zig Millionen nicht ansieht, die dort angeblich vergraben wurden.

(ld/.rufo)


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