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| Dieser Hund hat Glück - frische Luft ist Mangelware in St. Petersburg. (Foto: fontanka.ru) | |
Dienstag, 13.07.2010
Sommerhitze: Petersburger flüchten auf die Friedhöfe
St. Peterburg. Seit zwei Wochen ist es unerträglich heiß an der Newa, und ein Ende ist nicht in Sicht. In den Läden gehen die Ventilatoren aus; den besten Schutz vor der unbarmherzigen Sonne bieten die schattigen Friedhöfe.
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Baden dürfen die Petersburger in diesem Jahr fast nirgends. Nicht nur am Strand der Peter-Paul-Festung, wo es am bequemsten und traditionell verboten ist, nein: Auch an den Stränden der kleinen Vororte am Finnischen Meerbusen, dem einstigen Badeparadies vor den Toren der Stadt, wurde die Qualität des Wassers für zu schlecht eingestuft.
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Traurig, aber wahr: Weder in Komarowo noch in Selenogorsk, Solnetschnoje, Repino oder Sestrorezk darf sich der hitzegebeutelte Petersburger in den Fluten die nötige Abkühlung holen. Er tut es natürlich doch. An Verbote hat sich in Russland im Allgemeinen und in Petersburg im Besonderen noch nie jemand gehalten.
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Der kürzeste Weg führt in den Springbrunnen Deshalb sind auch die ebenfalls in die schwarze Liste aufgenommenen Susdal-Seen im Norden der Stadt und alle offiziell gar nicht als „Seen“ anerkannten Gewässer hoch frequentiert. Aber auch mitten in der Stadt klettert der eine oder andere schon mal in einen der vielen Springbrunnen und holt sich dort die nötige Erfrischung.
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Die Parks und Grünanlagen verwandeln sich unterdessen jeden Tag in Liegewiesen. Menschen in Badehose und Bikini gehören jetzt zum Alltagsbild, auch mitten im Stadtzentrum, schreibt das Stadtportal Fontanka.ru. Für Petersburg ist das ungewöhnlich, das war hier bisher nicht üblich.
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Deshalb sieht sich Arkadi Kramerew, ein Abgeordneter des Petersburger Stadtparlaments, zu dem Hinweis genötigt, die Leute sollten es nicht übertreiben, denn „wir leben doch nicht in England und der Rasen ist bei uns zu mickrig“.
Wer die Wahl hat, hat die Qual: Bibliothek oder Friedhof? Bewohner des westlichsten Teils der Wassili-Insel haben als Rettung vor der für Petersburger Verhältnisse geradezu brüllenden Hitze einen originellen Platz erkoren – den Friedhof auf der Dekabristen-Insel.
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Warum? Da gibt es Gras und hohe Bäume, die Schatten spenden. Böse Zungen könnten jetzt gemein werden und die Hitzegeplagten verdächtigen, sie kämen schon mal zum Probeliegen. Aber den Petersburger schwarzen Humor lassen wir Mal beiseite…
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Viel besser als ein Friedhof (und obendrein gut für die Bildung) ist ein anderer sonnengeschützter Ort: die Bibliothek. Dort wird immer ausreichend gelüftet und für kühle Luft gesorgt – dieses Milieu brauchen die Bücher, damit sie sich „wohl fühlen“. Was dem Buch gut tut, kann dem Menschen nicht schaden.
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Von Schneeschaufeln, Gummistiefeln und Ventilatoren Da es in den Wohnungen zuweilen unerträglich drückend wird und auch die Nächte kaum Erleichterung bringen, ist ein Ventilator ein gutes Mittel zur Frischluftbeschaffung. Nur sind die kleinen Propeller in den Geschäften ausgegangen.
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„Defizit“, ertönt es da im sowjetisch geschulten Gedächtnis. Und sofort kommen Erinnerungen hoch, die mit der sowjetischen Mangelwirtschaft allerdings nichts zu tun haben. Als im letzten Winter Berge von Schnee fielen, gab es keine Schneeschaufeln mehr zu kaufen.
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Und im Frühjahr waren plötzlich Gummistiefel die beliebteste Ware der Petersburger. Das sonst eher verächtlich beäugte Schuhwerk war das einstige Mittel, um in den knöcheltiefen Tauwasserpfützen die Fortbewegung in der Stadt einigermaßen zu sichern. Allein: Zu kaufen gab es die Dinger plötzlich nirgends mehr…
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HeRi 13.07.2010 - 21:10
Ventilatoren - Mangelwirtschaft ?
Na, dann sind die Petersburger auch nicht schlechter dran als die Deutschen, denn in Deutschland herrscht z.Zt. die gleiche Mangelwirtschaft.
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