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Wem geht die Luft zuerst aus – den Hafenarbeitern, der Betreiberfirma, oder am Ende beiden? (Foto: ld/.rufo)
Wem geht die Luft zuerst aus – den Hafenarbeitern, der Betreiberfirma, oder am Ende beiden? (Foto: ld/.rufo)
Freitag, 09.09.2005

Soziale Konflikte: Hafenarbeiter-Streik dauert an

St. Petersburg. Seit Ende August sind die Angestellten des Petersburger Hafens im Bummelstreik. Die Betreiberfirma verliert dabei nicht nur Geld, sondern auch immer mehr ihrer Kunden.

Noch am 24. August war man bei der Firma “OAO Morskoi Port St. Peterburg”, die den Seehafen betreibt, zuversichtlich und versicherte den Medien, man habe den Konflikt mit den Angestellten beigelegt und sich in den Streitfragen bei den Anstellungsbedingungen auf einen Kompromiss geeinigt.

Nachdem kurze Zeit davor ein Kontrollpaket von 51 Prozent der Hafenaktien an das zur dänischen Jysk Staalindustri gehörende Novolipezker Metallkombinat übergegangen war, versuchte die Gewerkschaft der Hafenarbeiter bessere Bedingungen auszuhandeln.

Sichere Arbeitsplätze, bessere Löhne

Die Gewerkschaft forderte unter anderem die Sicherung der Arbeitsplätze bei der anstehenden Reorganisation und bessere Löhne. Die Dock-Arbeiter verdienen je nach Funktion und Position zwischen 14.000 und 40.000 Rubel (zwischen 390 und 1.100 Euro) im Monat.

Während die Arbeitgeberseite auf das relativ gute Lohnniveau für Petersburg hinwiesen, führten die Arbeitervetreter das hohe Gesundheitsrisiko und die Tatsache ins Feld, dass ein großer Prozentsatz der Mitarbeiter früh wegen körperlichen Schäden entlassen werden müßten. Außerdem war den Gewerkschaften der Basislohn, zu dem ein leistungsabhängiges Gehalt hinzukommt, zu tief. Ohne Einigung drohte man mit Streik – dieser schien vor zehn Tagen abgewendet zu sein.

Arbeit nach Vorschrift - Hafen faktisch blockiert

Zum Erstaunen der Betriebsleitung nahmen die “Dokeri” jedoch anfang September einen Streik nach italienischem Muster auf. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass die Arbeit nicht vollständig niedergelegt, sondern einfach auf das Minimum reduziert wird.
Bei Russland-Aktuell
• Ostseehäfen steigern Containerumschlag (21.07.2004)
• Lange Hafenblockade Batumis schadet Georgien (17.03.2004)
• Petersburger Hafen schlägt 20 Mio. Tonnen um (12.12.2003)
• Ostseehafen Kaliningrad mit Rekordumschlag (15.12.2003)
Unter strikter Einhaltung der oft unrealistischen Sicherheitsbedingungen wurde ab diesem Zeitpunkt jede Schicht für eine bis anderthalb Stunden aktiv. Obschon dadurch den Angestellten nicht der Vorwurf eines illegalen Streiks gemacht werden kann, sind die Auswirkungen für den Hafen und alle davon abhängigen Vorgänge katastrophal – der Petersburger Zugang zu den Seewegen ist faktisch blockiert.

Kette von Auswirkungen

Während die Betreiber ihre Kompromißbereitschaft beteuern und die Gewerkschaft, mit der sich mittlerweile weitere Petersburger Arbeiterorganisationen solidarisieren, auf ihre Rechte pocht, gehen dem Hafen Aufträge in Millionenhöhe verloren.

Einem Bericht von fontanka.ru zufolge vernichtet der Bummelstreik ein Auftragsvolumen von monatlich rund einer Million Dollar. Doch dies ist erst der Anfang einer Kette von Auswirkungen, die den wachsenden Hafen und sein Ansehen um Jahre zurückwerfen könnten. Mit dem Hafen sind Ein- und Ausfuhr gelähmt, sämtliche Transport ab und zum Hafen sind faktisch unmöglich gemacht. Bei großen Firmen und Lieferanten entstehen Engpäße in der Produktion.

Druck auf Aktienkurse

Laut der Zeitung “Delowoi Peterburg” beginnen nun die Kunden des unzuverläßigen Hafens abzuspringen – so zum Beispiel der russische Aluminium-Hersteller “Rusal”. Die Firma, die noch im vergangenen Jahr insgesamt 600.000 Tonnen über Petersburg verschiffte, weicht auf andere russische Häfen wie Nachodka, Wanino oder Noworossisk aus. Exporte nach Europa werden über die Ukraine verschoben.

Darunter leidet nicht nur die Kasse, sondern in besonderem Ausmaß auch das Ansehen des Hafens, womit auch die Aktien des Hafens verknüpft sind, deren Kurse zu sinken drohen. Schaden würde das nicht nur den Haupteignern, sondern auch der Stadt selbst, die rund 29 Prozent der Aktien besitzt.

Aber weder die einen noch die anderen denken bisher auch nur daran, den Forderungen der Hafenarbeiter nachzugeben.

(eva/.rufo)


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