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Unterricht nach deutschen Lehrplänen in St. Petersburg - ist das bald kein Wunschtraum mehr? (foto: newsland.ru)
Unterricht nach deutschen Lehrplänen in St. Petersburg - ist das bald kein Wunschtraum mehr? (foto: newsland.ru)
Donnerstag, 22.01.2009

St. Petersburg soll eine Deutsche Schule bekommen

St. Petersburg. Anders als in Moskau gibt es an der Newa bis heute keine deutsche Schule. Dieses Manko soll nun in einem gemeinsamen Kraftakt von einer gemeinsamen Initiative von Eltern und Wirtschaft behoben werden.

Das Interesse an der Gründung einer „deutsch-russischen Begegnungsschule“ mit Kindergarten ist enorm. Das bewies schon allein die erste Informationsveranstaltung zu diesem Thema gestern im deutschen Generalkonsulat: Der größte Saal im Hause war proppenvoll gefüllt. Und Marion Janoschka, die Koordinatorin des Projekts meldete stolz, dass von ihren Eltern bereits 69 Kinder als potentielle Besucher einer solchen Schule gemeldet worden seien.

Besondere Nachfrage nach Kindergarten-Plätzen


Das höchste Interesse besteht mit 18 Meldungen an einem Kindergarten für Drei- bis Fünfjährige, gefolgt von einer potentiellen 1. Klasse mit 11 Schülern. Für andere Klassen bis zur 7. Klasse gibt es auch schon jetzt zwischen 2 und 6 Interessenten. Auf diese Klassen wird die geplante Schule in der Anfangsphase auch begrenzt bleiben. Später soll sie ihren deutschen wie russischen Schülern aber den Weg bis zum deutschen Abitur nach der 12. Klasse ermöglichen.

Abiturienten sollen deutsche und russische Unis offen stehen


Parallel sollen die Absolventen mit ihrem Abschluss auch die Möglichkeit haben, an russischen Universitäten zu studieren, weshalb „russische Bildungsvorgaben berücksichtigt“ werden sollen. Die Schüler werden dabei aber nicht das russische „EGE“-Examen ablegen. Es soll schlichtweg die Anerkennung des deutschen Abiturs für den Hochschulzugang erreicht werden.

Janoschka und ihre Mitstreiter haben sich viel vorgenommen: Schon zum 1. September soll die neue Schule die Arbeit aufnehmen. Dabei ist das Projekt erst ganz am Anfang – aber Zeit wird nicht mehr verloren: Nächste Woche (28. Januar, 19 Uhr) soll im Generalkonsulat die Gründungsversammlung des unabdingbaren „Schulvereins“ abgehalten werden – um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Geplant ist auch die Gründung eines analogen e.V. in Deutschland, der vorrangig als Förderverein fungieren soll.

Deutsche Schule ist ein Standortfaktor


Sobald damit eine organisatorische Basis geschaffen ist, wollen die Organisatoren mit der konkreten Umsetzung der Idee beginnen – die übereinstimmend als schon lange überfällig bezeichnet wurde: So ist es für die in St. Petersburg tätige deutsche Wirtschaft ein echtes Problem, Fachleute in die zweitgrößte russische Metropole zu locken, wenn diese nicht wissen, wie dort die weitere Schulausbildung ihrer Kinder gewährleistet sein wird.

„Wir sagen dann immer, die Leute müssen halt entweder so jung sein, dass sie noch keine schulpflichtigen Kinder haben - oder so alt, dass diese ihre Ausbildung schon abgeschlossen haben“, sagte dazu Stephan Stein, Leiter des Petersburger Büros der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer und fügte hinzu. „Es ist Sache der deutschen Wirtschaft, eine solche Schule zu initiieren. Auch wenn das nicht einfach und billig wird.“

Unterstützung auf breiter Front


Unterstützt wird die Initiative auch vom Generalkonsulat, der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), dem Deutschen Akademischen Austausch-Dienst (DAAD) und dem Goethe-Institut.

Generalkonsul Peter Schaller sagte, dass er sich gar nicht vorstellen könne, dass das Projekt von der russischen Seite nicht unterstützt werden wird. Schließlich handele es sich um eine Aufwertung des Wirtschaftstandortes St. Petersburg. Und im Notfall könnten dann auch diplomatische Kanäle aktiviert werden, um Probleme aus dem Weg zu räumen.

Andere Länder haben schon ihre Schulen in Petersburg


Laut Marion Janoschka gibt es in St. Petersburg gegenwärtig eine angloamerikanische, eine französische und eine finnische Schule. Ihre eigene Tochter habe sie nach ihrem Umzug nach St. Petersburg in der internationalen Schule der Herzen-Universität untergebracht, die über einen englischen Zweig verfüge. Die Schulgebühren können dort aber bis zu 15.000 Euro im Jahr betragen – an der US-Schule sind es 22.000 Dollar.

Das einzige deutsche Schulangebot ist bislang der deutsche Zweig an der privaten „Peterschule“, wo zwei deutsche Lehrer die Klassen 1 bis 6 nach deutschen Lehrplan unterrichten. Darüberhinaus werde an 16 Petersburger Schulen Deutschunterricht von aus Deutschland entsandten Lehrern erteilt.

Auf eine Kooperation mit einer bestehenden Schule wolle man aber bewusst verzichten, um den strengen Auflagen zur Anerkennung der Schule nach den deutschen Standards entsprechen zu können. Weltweit gibt es gegenwärtig etwa 120 solcher deutscher Auslandsschulen. Üblicherweise arbeiten diese nach den baden-württembergischen Lehrplänen.

Deutschland fördert, aber übernimmt nicht die Finanzierung


Der deutsche Staat kann eine solche Schule aber nicht aus Steuermitteln finanzieren. Seitens der Bundesrepublik könne man, sofern die Mindestschülerzahl von 25 erfüllt ist, nur mit einem Startzuschuss rechnen. Im Falle einer mit 120 Kindern gestarteten Deutschen Schule in Sofia betrug dieser 150.000 Euro für die Erstausstattung, berichtete Janoschka.

Auch ist mit der Übernahme der Gehälter entsandter Lehrer rechnen. Allerdings wird kaum ein ganzes Kollegium aus Berlin in Marsch gesetzt: Die neu gegründete Deutsche Schule in Kiew bekam zunächst nur einen Lehrer finanziert.

Das Schulgeld wird wohl nicht billig


Das weitere Personal wie auch die Miete und Betriebskosten muss der Schulträger, also der Schulverein, jedoch selbst finanzieren. Dies wird über Mitgliedsbeiträge, Schulgeld, Spenden und Sponsoring geschehen müssen, so Janoschka.

Als sie dann auf eine Nachfrage aus dem Publikum die Größenordnung von 10.000 Euro pro Kind und Jahr nannte, hielten im Publikum doch einige Zuhörer merklich die Luft an. Stephan Stein relativierte jedoch sofort und erklärte, je mehr Sponsoren und Mitträger das Projekt gewinnen könne, umso geringer dürfte letztlich der Elternbeitrag ausfallen.

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Großen Wert legen die Initiatoren in diesem Zusammenhang auch auf die Anwerbung von russischen Schülern und deren Eltern, die ihre Kinder einmal mit perfekten Deutsch-Kenntnissen als Studenten einer deutschen Universität sehen möchten. Die Schule solle Kindern aller Nationen offen stehen.

Der Unterricht werde vorrangig auf Deutsch abgehalten, aber nicht ganz: „Es ist gut vorstellbar, dass Fächer wie Musik, Sport, Kunst und Russisch auf Russisch unterrichtet werden“, so Peter Iden, der den ZfA in Petersburg vertritt.

Ein Gebäude ist bereits ausgeguckt


Der Schulverein in Gründung hat sogar bereits ein geeignetes Gebäude für sein Projekt an der Angel: Bis April habe man sich eine Option auf ein Haus am Aptekarski Pereulok im Stadtzentrum gesichert.

Das Gebäude in der Nähe von „Blutkirche“ und Marsfeld wird gegenwärtig saniert und würde dann auf vier Etagen 600 Quadratmeter Nutzfläche bieten. Auch ein kleiner Pausenhof könne abgeteilt werden. Dass hier tatsächlich schon in neun Monaten eine kleine, aber vollwertige deutsche Schule eröffnen könnte, erscheint momentan geradezu utopisch.

Aber die Initiatoren haben das Zeitlimit wohl bewusst knapp gehalten, um alle Beteiligten, Unterstützer und Interessierten zu einem gemeinsamen Kraftakt zu mobilisieren.



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