Wahl auf turkmenisch: 97 Prozent für Berdymuhammedow
Gemeinsam frieren: Dauer-Eiszeit in Russland und Europa
Startseite


Unterricht nach deutschen Lehrplänen in St. Petersburg - ist das bald kein Wunschtraum mehr? (foto: newsland.ru)
Unterricht nach deutschen Lehrplänen in St. Petersburg - ist das bald kein Wunschtraum mehr? (foto: newsland.ru)
Donnerstag, 22.01.2009

St. Petersburg soll eine Deutsche Schule bekommen

St. Petersburg. Anders als in Moskau gibt es an der Newa bis heute keine deutsche Schule. Dieses Manko soll nun in einem gemeinsamen Kraftakt von einer gemeinsamen Initiative von Eltern und Wirtschaft behoben werden.

Das Interesse an der Gründung einer „deutsch-russischen Begegnungsschule“ mit Kindergarten ist enorm. Das bewies schon allein die erste Informationsveranstaltung zu diesem Thema gestern im deutschen Generalkonsulat: Der größte Saal im Hause war proppenvoll gefüllt. Und Marion Janoschka, die Koordinatorin des Projekts meldete stolz, dass von ihren Eltern bereits 69 Kinder als potentielle Besucher einer solchen Schule gemeldet worden seien.

Besondere Nachfrage nach Kindergarten-Plätzen


Das höchste Interesse besteht mit 18 Meldungen an einem Kindergarten für Drei- bis Fünfjährige, gefolgt von einer potentiellen 1. Klasse mit 11 Schülern. Für andere Klassen bis zur 7. Klasse gibt es auch schon jetzt zwischen 2 und 6 Interessenten. Auf diese Klassen wird die geplante Schule in der Anfangsphase auch begrenzt bleiben. Später soll sie ihren deutschen wie russischen Schülern aber den Weg bis zum deutschen Abitur nach der 12. Klasse ermöglichen.

Abiturienten sollen deutsche und russische Unis offen stehen


Parallel sollen die Absolventen mit ihrem Abschluss auch die Möglichkeit haben, an russischen Universitäten zu studieren, weshalb „russische Bildungsvorgaben berücksichtigt“ werden sollen. Die Schüler werden dabei aber nicht das russische „EGE“-Examen ablegen. Es soll schlichtweg die Anerkennung des deutschen Abiturs für den Hochschulzugang erreicht werden.

Janoschka und ihre Mitstreiter haben sich viel vorgenommen: Schon zum 1. September soll die neue Schule die Arbeit aufnehmen. Dabei ist das Projekt erst ganz am Anfang – aber Zeit wird nicht mehr verloren: Nächste Woche (28. Januar, 19 Uhr) soll im Generalkonsulat die Gründungsversammlung des unabdingbaren „Schulvereins“ abgehalten werden – um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Geplant ist auch die Gründung eines analogen e.V. in Deutschland, der vorrangig als Förderverein fungieren soll.

Deutsche Schule ist ein Standortfaktor


Sobald damit eine organisatorische Basis geschaffen ist, wollen die Organisatoren mit der konkreten Umsetzung der Idee beginnen – die übereinstimmend als schon lange überfällig bezeichnet wurde: So ist es für die in St. Petersburg tätige deutsche Wirtschaft ein echtes Problem, Fachleute in die zweitgrößte russische Metropole zu locken, wenn diese nicht wissen, wie dort die weitere Schulausbildung ihrer Kinder gewährleistet sein wird.

„Wir sagen dann immer, die Leute müssen halt entweder so jung sein, dass sie noch keine schulpflichtigen Kinder haben - oder so alt, dass diese ihre Ausbildung schon abgeschlossen haben“, sagte dazu Stephan Stein, Leiter des Petersburger Büros der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer und fügte hinzu. „Es ist Sache der deutschen Wirtschaft, eine solche Schule zu initiieren. Auch wenn das nicht einfach und billig wird.“

Unterstützung auf breiter Front


Unterstützt wird die Initiative auch vom Generalkonsulat, der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), dem Deutschen Akademischen Austausch-Dienst (DAAD) und dem Goethe-Institut.

Generalkonsul Peter Schaller sagte, dass er sich gar nicht vorstellen könne, dass das Projekt von der russischen Seite nicht unterstützt werden wird. Schließlich handele es sich um eine Aufwertung des Wirtschaftstandortes St. Petersburg. Und im Notfall könnten dann auch diplomatische Kanäle aktiviert werden, um Probleme aus dem Weg zu räumen.

Andere Länder haben schon ihre Schulen in Petersburg


Laut Marion Janoschka gibt es in St. Petersburg gegenwärtig eine angloamerikanische, eine französische und eine finnische Schule. Ihre eigene Tochter habe sie nach ihrem Umzug nach St. Petersburg in der internationalen Schule der Herzen-Universität untergebracht, die über einen englischen Zweig verfüge. Die Schulgebühren können dort aber bis zu 15.000 Euro im Jahr betragen – an der US-Schule sind es 22.000 Dollar.

Das einzige deutsche Schulangebot ist bislang der deutsche Zweig an der privaten „Peterschule“, wo zwei deutsche Lehrer die Klassen 1 bis 6 nach deutschen Lehrplan unterrichten. Darüberhinaus werde an 16 Petersburger Schulen Deutschunterricht von aus Deutschland entsandten Lehrern erteilt.

Auf eine Kooperation mit einer bestehenden Schule wolle man aber bewusst verzichten, um den strengen Auflagen zur Anerkennung der Schule nach den deutschen Standards entsprechen zu können. Weltweit gibt es gegenwärtig etwa 120 solcher deutscher Auslandsschulen. Üblicherweise arbeiten diese nach den baden-württembergischen Lehrplänen.

Deutschland fördert, aber übernimmt nicht die Finanzierung


Der deutsche Staat kann eine solche Schule aber nicht aus Steuermitteln finanzieren. Seitens der Bundesrepublik könne man, sofern die Mindestschülerzahl von 25 erfüllt ist, nur mit einem Startzuschuss rechnen. Im Falle einer mit 120 Kindern gestarteten Deutschen Schule in Sofia betrug dieser 150.000 Euro für die Erstausstattung, berichtete Janoschka.

Auch ist mit der Übernahme der Gehälter entsandter Lehrer rechnen. Allerdings wird kaum ein ganzes Kollegium aus Berlin in Marsch gesetzt: Die neu gegründete Deutsche Schule in Kiew bekam zunächst nur einen Lehrer finanziert.

Das Schulgeld wird wohl nicht billig


Das weitere Personal wie auch die Miete und Betriebskosten muss der Schulträger, also der Schulverein, jedoch selbst finanzieren. Dies wird über Mitgliedsbeiträge, Schulgeld, Spenden und Sponsoring geschehen müssen, so Janoschka.

Als sie dann auf eine Nachfrage aus dem Publikum die Größenordnung von 10.000 Euro pro Kind und Jahr nannte, hielten im Publikum doch einige Zuhörer merklich die Luft an. Stephan Stein relativierte jedoch sofort und erklärte, je mehr Sponsoren und Mitträger das Projekt gewinnen könne, umso geringer dürfte letztlich der Elternbeitrag ausfallen.

Bei Russland-Aktuell
• Weihnachtsbasar: eine Insel von Adventsstimmung (01.12.2008)
• Russland Geschichte: Ein neues Schuljahr beginnt (01.09.2008)
• Zahl der Universitäten in Russland wird eingeschränkt (22.08.2008)
• Ferien! Heute Riesen-Abschlussfete in Petersburg (20.06.2008)
• Medwedews Professor neuer Rektor der Petersburger Uni (23.05.2008)
Großen Wert legen die Initiatoren in diesem Zusammenhang auch auf die Anwerbung von russischen Schülern und deren Eltern, die ihre Kinder einmal mit perfekten Deutsch-Kenntnissen als Studenten einer deutschen Universität sehen möchten. Die Schule solle Kindern aller Nationen offen stehen.

Der Unterricht werde vorrangig auf Deutsch abgehalten, aber nicht ganz: „Es ist gut vorstellbar, dass Fächer wie Musik, Sport, Kunst und Russisch auf Russisch unterrichtet werden“, so Peter Iden, der den ZfA in Petersburg vertritt.

Ein Gebäude ist bereits ausgeguckt


Der Schulverein in Gründung hat sogar bereits ein geeignetes Gebäude für sein Projekt an der Angel: Bis April habe man sich eine Option auf ein Haus am Aptekarski Pereulok im Stadtzentrum gesichert.

Das Gebäude in der Nähe von „Blutkirche“ und Marsfeld wird gegenwärtig saniert und würde dann auf vier Etagen 600 Quadratmeter Nutzfläche bieten. Auch ein kleiner Pausenhof könne abgeteilt werden. Dass hier tatsächlich schon in neun Monaten eine kleine, aber vollwertige deutsche Schule eröffnen könnte, erscheint momentan geradezu utopisch.

Aber die Initiatoren haben das Zeitlimit wohl bewusst knapp gehalten, um alle Beteiligten, Unterstützer und Interessierten zu einem gemeinsamen Kraftakt zu mobilisieren.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Donnerstag, 22.01.2009
Zurück zur Hauptseite







Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)






Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Petersburg intern
Schnelle Stadtnachrichten

10.02.2012Medwedew feuert Petersburger Polizeichef nach Skandal
10.02.2012Medwedew feuert Petersburger Polizeichef nach Skandal
09.02.2012Fußball: Spalletti verlängert Vertrag bei Zenit SPb.
08.02.2012Nächste Pro-und Anti-Putin-Demos nicht mehr weit
08.02.2012Petersburger Schwulen-Gesetz in 2. Lesung angenommen
07.02.2012Häuserkampf in SPb.: Konflikt um Abrisshaus eskaliert
06.02.2012Petersburg: Kerzen auf dem Eis für russischen Winter
03.02.2012Frieren gegen Putin: Die Opposition geht auf die Straße
02.02.2012Amtsarzt warnt vor Demonstrationen bei bitterer Kälte
02.02.2012Gouverneur will das Gebiet Swerdlowsk umbenennen
01.02.2012Überdruck in Gasleitung: Zwei Tote, zahlreiche Brände
31.01.2012Petersburg: Demo am 4. Februar auf Kompromiss-Route
30.01.2012Neueste Umfrage: Petersburg gibt Putin nur 34 Prozent
27.01.2012Petersburger Abgeordneter mit 3 Kilo Haschisch erwischt
27.01.2012Putins Bruder Opfer der Belagerung von Leningrad

Mehr Petersburg bei www.petersburg.aktuell.ru >>>



Als Chef vom Dienst ist für Sie
im Moment im aktuellen Einsatz
Susanne Brammerloh, St.Petersburg

Schnell gefunden
Petersburg Kultur
Petersburg Wirtschaft
Petersburg Architektur
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH








Die Top-Themen
Kopf der Woche
Wahlkampf auf südossetisch: Staatsanwalt wird entlassen
Kommentar
Sozial und gerecht: Putin verteilt Wahlgeschenke an alle
St.Petersburg
Medwedew feuert Petersburger Polizeichef nach Skandal
Thema der Woche
Gemeinsam frieren: Dauer-Eiszeit in Russland und Europa
Moskau
Präsidentenwahl: für Putin 28, für Sjuganow 22 Prozent
Kaliningrad
Moskaus Ex-Bürgermeister macht jetzt Mist in Ostpreußen
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Montag, 13. Februar
17:15 

Russische Jugendliche 4 Mal depressiver als im Westen

15:49 

Wahl auf turkmenisch: 97 Prozent für Berdymuhammedow

14:51 

Baustelle am Kreml – weiter unklar, was dort entsteht

13:49 

Wahlkampf auf südossetisch: Staatsanwalt wird entlassen

12:38 

Hurra! Kältefrei! Schule in Moskau fällt wegen Frost aus

10:46 

Sozial und gerecht: Putin verteilt Wahlgeschenke an alle

09:53 

GLONASS Navigations- und Ortungsgeräte werden Pflicht

09:02 

VTB-Chef: Putin wählen, damit er in 6 Jahren abtritt

01:01 

Russland Geschichte: Ein Sänger und ein Vizeadmiral

Sonntag, 12. Februar
01:01 

Russland Geschichte: Ochrana, Kant, Tadschikistan

Samstag, 11. Februar
02:15 

Russland Geschichte: Iran und Russland vor einem Krieg

Freitag, 10. Februar
18:47 

Offizielle Umfragewerte: Putin im 1. Wahlgang durch

18:13 

9. Russlandlounge: Russland und der deutsche Markt

17:09 

Viel Wind um nichts: 25 Euro Strafe für Putin-Demo

16:14 

Medwedew feuert Petersburger Polizeichef nach Skandal

15:22 

Sotschi-2014: Ski-Weltcup als erste Bewährungsprobe

13:45 

Der potomkinsche Express-Bus - langsam und unbequem

12:48 

Politischer Karneval und Menschenkette um den Kreml

12:15 

Chodorkowski gewinnt Gerichtsverfahren gegen Lagerchef

11:01 

Gemeinsam frieren: Dauer-Eiszeit in Russland und Europa

09:12 

Nach Überfall - Siegerin bei Präsidentenwahlen im Koma

01:01 

Russland Geschichte: Pasternak geboren

Donnerstag, 9. Februar
18:45 

KHL: Hockeyclubs fliegen nur noch mit Airbus und Boeing

18:17 

Putin will freie Januartage auf Anfang Mai verschieben

17:24 

Gorbatschow möchte Wählerliga anführen, soll aber nicht

16:37 

Putin plant patriotisches Meeting mit 200.000 Menschen

15:55 

Skepsis gegen schweizer Riesenpaar Glencore-Xtrata

15:18 

Fußball: Spalletti verlängert Vertrag bei Zenit SPb.

14:01 

Super-Flugzeugträger: Kosmos- und Unterwasser-Einsatz

11:40 

Präsidentenwahl: für Putin 28, für Sjuganow 22 Prozent

10:26 

Neue Atom-U-Boote und Atomraketen für Russland in 2012

09:02 

Noch ein Moskauer Jugendlicher springt in den Tod

01:01 

Russland Geschichte: Dostojewski gestorben

Mittwoch, 8. Februar
18:47 

Russische Forscher erreichen Antarktis-See unter Eis

18:25 

Nächste Pro-und Anti-Putin-Demos nicht mehr weit

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com