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| St. Petersburg mit allen Sinnen kennenlernen - das kann man auf der Bike-Tour durch die Stadt (Foto: Deeg/.rufo). | |
Montag, 21.05.2007
Stadtrundfahrt aktiv: Per Fahrrad durch St. Petersburg
St. Petersburg. Für Bike-Stadtrundfahrten war die Zeit wohl reif: Dauerstaus in der Innenstadt machen Busfahrten fast unmöglich. Außerdem wollen viele St. Petersburg nicht nur aus der Pauschalreisen-Perspektive erleben.
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Seit Anfang Mai können sich Freunde der Muskelkraftfortbewegung geführten Bike-Touren durch die Stadt anschließen – ohne große Vorbereitung oder Vorbestellung und auch erst nach einem prüfenden morgendlichen Blick aus dem Fenster, ob das Wetter denn wirklich einer Velo-Exkursion nicht im Wege steht.
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Sonnig muss der Tag nicht unbedingt sein (denn dann wird es schnell auch mal zu warm), aber Sonntag muss es sein: Denn vorerst wird die Stadtrundfahrt per Velosiped nur einmal pro Woche angeboten: „Sonntagsmorgens sind die Straßen fast leer. Das sind beste Bedingungen für eine Fahrrad-Exkursion durch die Stadt“, sagt Peter Kosyrew, einer der Urheber dieses neuen Angebots.
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Sicherheit geht vor: Es gibt Helme – und Hauptstraßen werden gemieden
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| Bike und Helm sind im Tour-Preis inklusive (Foto: Deeg/.rufo). |
Wer sich dann bis 10.30 Uhr am Fahrradverleih „Skat Prokat“ in der Gontscharnaja 7, gleich neben dem Moskauer Bahnhof einfindet, bekommt ein passendes Mountainbike untergeschoben und einen Fahrradhelm verpasst. Die Teilnahmegebühr für die dreieinhalb Stunden dauernde Exkursion beträgt 800 Rubel pro Person (rund 23,50 Euro). Wer mit einem eigenen Bike mitfährt, erhält 20 Prozent Rabatt.
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Nach einer kurzen Prüfung, ob allen Teilnehmern die grundlegenden technischen Features eines modernen Fahrrads vertraut sind, geht es los: Angeführt wird die Radlerkolonne vom Fremdenführer, den Abschluss bildet ein Fahrradmechaniker samt Werkzeugrucksack, der bei Pannen den fahrbaren Untersatz schnell wieder einsatzfähig macht.
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Andere Infos als „Wer baute was wann auf wessen Weisung“
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| Infos im Netz |
Infos unter www.biketour.spb.ru oder Tel. 7176838 Am 27. Mai entfällt die Biketour wegen des Stadtgeburtstags. |
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Auf ausgeklügelten Wegen – vorrangig ruhige Seitenstraßen oder breite Trottoirs – geht es dann erst einmal in Richtung Smolny-Kloster und Newa. Anders als bei einer Stadtrundfahrt im Bus kann der Guide hier nicht die ganze Zeit etwas erzählen. Aber darum geht es auch nicht. Peter Kosyrew hat mit seiner Firma „Peter’s Walking Tours“ elf Jahre Erfahrung mit geführten „alternativen“ Stadtspaziergängen gesammelt und weiß deshalb, dass „gute“ Touristen sich kaum für Jahreszahlen und Zarennamen interessieren – und überhaupt weniger hören als dazu etwas sehen wollen. Es muss ihnen eben nur jemand wirklich etwas Interessantes zeigen.
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| Führer Peter Kosyrew in Orange kennt das Venedig des Nordens wie seine Westentasche und bietet bereits seit elf Jahren alternative Stadttouren an (Foto: Deeg/.rufo). | |
Deshalb gibt der Fahrrad-Guide seine Erklärungen nur bei den Stopps auf der Route ab – und das parallel auf Russisch und Englisch. Denn mit seiner neuen „Mischung aus Informationen, Emotionen und aktiver Erholung“ glaubt Kosyrew auch einheimische Touristen ansprechen zu können. Die sind schließlich ganz wild auf exotische Erlebnisse. Radfahren in einer russischen Großstadt zählt dazu.
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Auf einem ideal gepflasterten Gehweg zwischen Newa und Uferstraße geht es dann flugs weiter Richtung Innenstadt – und die Radtouristen sehen unterwegs allerlei Dinge und erfahren vieles, das bei einer üblichen Stadtrundfahrt kaum vorkommt: sei es der geplante Gazprom-Wolkenkratzer, das größte Untersuchungsgefängnis Russlands oder die Wohnungspreise in den Nobelwohnungen direkt gegenüber.
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Der Radweg führt auch durch Hinterhöfe
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| Während der Fahrt kann Peter Kosyrew wenig erzählen. Deshalb wird regelmäßig Halt gemacht (Foto: Deeg/.rufo). |
Der Kreuzer „Aurora“, das Häuschen Peters des Großen, der Schloßplatz und die Isaakskathedrale sind dann weitere Plan-Stopps auf der Tour – die aber zwischen Zarenschloß und Kathedrale auch einmal unvermittelt im Slalom durch ein paar vergammelte Innenstadt-Hinterhöfe führt, wo die Regenrohre von den Fassaden kippen und Autowracks vor sich hin erodieren. Eindrucksvolle Fotomotive geben schließlich das eine wie das andere ab.
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Gegenüber einer Fuß-Exkursion ist auf dem Fahrrad der Aktionsradius bedeutend größer, gegenüber einer Bootsfahrt öffnen sich mehr Perspektiven – und gegenüber einer Omnibus-Tour hat man die bedeutend bessere Rundumsicht. Außerdem steht das Fahrrad nicht im Stau. Als Radfahrer bemerkt man schließlich auch, dass eine Stadt nicht nur aus Ansichten und Sehenswürdigkeiten besteht – sondern auch aus Gerüchen, Geräuschen und den verschiedensten Straßenbelägen.
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Geplant: Nachttouren – oder Ganztags-Exkursionen
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Peter Kosyrew und sein Partner Alexander Iwanow von Skat-Prokat wollen ihr neues Produkt noch in dieser Saison diversifizieren: In den Weißen Nächten sollen auch nächtliche Radrundfahrten durch die Stadt angeboten werden – samt Betrachtung der geöffneten Brücken. Auf Bestellung gibt es auch eine Ganztags-Tour durch Petersburg – mit Abstechern in die schönsten Parks auf den Newa-Inseln und Hinweisen auf üblicherweise wenig bemerkte Petersburger Juwelen wie die alte Industriearchitektur auf der Wyborger Seite oder die Jugendstilviertel auf der Petrograder Seite.
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Für Reisegruppen organisiert man auch Fahrrad-Events nach Wunsch – und sei es außerhalb der Stadt oder für einen ganzen Bus voll Menschen: 50 Fahrräder und auch geeignete Tramsport-Fahrzeuge stehen zur Verfügung, um die Räder an andere Startpunkte zu bringen.
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Als Krönung seiner Exkursionen betrachtet Peter Kosyrew jedoch die „Kuptschino-Tour“. Sie soll – unter anderem langjährigen Petersburger Innenstadteinwohnern – die Augen öffnen für die Besonderheiten der „Petersburger Bronx“.
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So nennt Kosyrew das riesige Plattenbau-Hochhausviertel im Südosten der Stadt. Auch dies kennt der Stadtführer-Profi wie seine Westentasche. Er wohnt nämlich dort.
(ld/.rufo/St. Petersburg)
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