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An die wenigen Besucher werden Zeitungen und Flugblätter verteilt. (Foto: eva/.rufo)
An die wenigen Besucher werden Zeitungen und Flugblätter verteilt. (Foto: eva/.rufo)
Freitag, 14.07.2006

Stell Dir vor, es ist Summit, und keiner darf hin

St. Petersburg. Im Kirow-Stadion halten alternative Gruppierungen ein mehrtägiges Sozialforum ab. Der von der Obrigkeit geduldete Gegengipfel leidet jedoch unter eklatantem Besuchermangel.

Der Park um das Kirow-Stadion ist voll mit Besuchern, die im Schatten der Grünanlagen und um die Teiche etwas Erfrischung von der Hitze suchen, die Petersburg nun schon seit Tagen drückt. Unzählige Radfahrer und Skater jagen plaudernd und lachend über den glatten Asphalt.

Doch vorne beim Stadion, das man normalerweise bis zur Seeseite hin umfahren kann, ist plötzlich Schluss, denn hier beginnt das Territorium des Sozialforums. Am Gitter steht Polizei, die jeden Besucher kontrolliert, und wer hinein will, muss sich im Zelt daneben registrieren. Im Schatten stehen Busse voller Bereitschaftspolizei, und im ganzen Park patroullieren Milizionäre.

Eigentlich fehlen jetzt nur noch die Menschen


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Dahinter ist es erstaunlich still - es herrscht eine Stimmung, als zögen gerade die letzten Besucher eines Fußballspiels nach Hause. Einsam steigt man die Treppenstufen zur Tribüne hoch und sieht auf das kleine Dorf hinunter, das sich um das Spielfeld gruppiert.


Der russische Zivilschutz hat dort rund dreißig Zelte aufgebaut, es gibt eine kleine Dusche, mobile Toiletten - friedlich raucht im Hintergrund eine Feldküche. An einer Pressestelle verteilen junge Aktivisten linker Gruppierungen Zeitungen und Flugblätter. Eigentlich fehlen jetzt nur noch die Menschen.

"In anderen Ländern wird man begrüßt"


Sicher ist die Hitze ein guter Grund, fernzubleiben - der zweite ist die Polizei. Man spricht davon, dass anstatt der erwarteten 1.200 Teilnehmer nur ein Viertel angekommen ist und der Rest durch Sicherheitsmassnahmen "ausgefiltert" wurde.

Dmitrij Model (30) aus Moskau, der mit seinen Kollegen von der parteiunabhängigen "Alternativen Plattform" ein Transparent bemalt, wurde auf seiner Reise nach Petersburg Zeuge einer rigiden Kontrolle. Polizei kämmte den gesamten Zug durch, nahm Leute fest und beschlagnahmte Informationsmaterial. "Sie haben Namenslisten, auf denen sie die Leute, welche ihnen von anderen Treffen bekannt sind, vorgemerkt haben", erzählt er.

Einsames Zeltdorf des „Antisummit“ im Kirow-Stadion. (Foto: eva/.rufo)
Einsames Zeltdorf des „Antisummit“ im Kirow-Stadion. (Foto: eva/.rufo)
Auch er wurde gewarnt, sich nicht illegal zu betätigen. Obschon er es schließlich hierher geschafft hat, ist er verbittert. "Für mich ist klar, dass die Polizei damit das alternative Forum möglichst klein halten will. Ich kann nicht verstehen, warum man es nicht einfach zulässt. In anderen Ländern wird man begrüßt und unterstützt, und hier sind wir völlig abgeschoben", meint er und beginnt, von einem Forum in London zu schwärmen, an dem er teilgenommen hatte.


Engagement gegen Neoliberalismus und Polizeistaat


Auch für Wladimir Plotnikow (23) aus Petersburg, Angehöriger der linken Gruppierung "Widerstandsbewegung im Namen von Peter Aleksejew" (DSBA) ist der Fall klar: "Offiziell werden wir hier vor Terroristen geschützt, aber im Prinzip sollen damit nur die Leute ferngehalten werden." Als Hauptanliegen seiner Bewegung gibt er das Engagement gegen den Neoliberalismus in Russland und in der Welt sowie gegen den Polizeistaat an. Leider, so Plotnikow, würden sie wie auch die anderen linken Gruppen oft falsch verstanden. Sie wollten nicht zurück zur Sowjetunion, denn dort habe kein Sozialismus, sondern eine kapitalistische Diktatur geherrscht.

Es gehe ihnen um einen Kampf mit demokratischen Mitteln gegen eine Ordnung, in der das Land von internationalen Konzernen ausgebeutet und der Mensch auf der Strecke bleibe. Plotnikow gibt sich optimistisch - seine Gruppe, gibt er an, habe starken Zulauf. Wichtig ist für ihn, sich hier mit Gleichgesinnten zu treffen und von den Medien wahrgenommen zu werden, ansonsten sind seine Erwartungen gering: "Wir müssen jederzeit damit rechnen, dass die Veranstaltung von der Polizei geschlossen wird."

Gemeinsam handeln


Auch ältere Aktivisten suchen hier Gehör, so zum Beispiel Alexander Kawolenko (55), der sich für eine gerechte Lösung in der Wohnungsfrage einsetzt und für die Monatszeitung "Russische Erde" schreibt. Es sei nun allen klar, dass er Staat völlig korrupt sei, darum müsse man jetzt zusammenkommen und gemeinsam handeln.


Zusammen mit seiner Kollegin, Natalia Serebrowa (57), die sich für die Erhaltung eines Naturschutzgebiets im Norden der Stadt einsetzt, hofft er darauf, dass die Resolution, die im Forum verabschiedet werden soll, von der Regierung und den G8-Teilnehmern gehört wird. Diese werden sich nicht weit von hier treffen – am anderen Ufer der Meeresbucht, die von Dunst verschleiert vom Stadion aus gerade noch erkennbar ist.

(eva/.rufo)


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